Axa IM-Vertriebsleiter im Interview „Wir sollten aufhören, das Sparbuch zu verdammen“

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Ist der Sturm auf Aktien nur verschoben?

Nein. Diesen Ansturm wird es nicht geben.

Nicht einmal 15 Prozent der Deutschen im Alter von über 14 Jahren besitzen Aktien oder Aktienfonds. Worauf führen Sie das zurück? Und wie müssen die Vertriebsansätze der Fondsbranche angepasst werden, um diesen Zustand zu ändern?

Warum tun wir so, als ob in der Aktie das Heil der Welt liegt? Die Aktie muss genauso zu den Lebensumständen der Menschen passen, wie jede andere Anlage auch. In einer Zeit mit solchen Unsicherheiten und Unvorhersehbarkeiten wie heute bin ich überrascht, dass jeder Siebte bereit ist, das Risiko einer so volatilen Anlageklasse zu tragen. Sind die Menschen in Ländern mit höherem Aktienanteil im Durchschnitt wohlhabender als wir Deutschen, wenn Sie die Superreichen außen vor lassen? Um ruhigen Gewissens Aktien oder Aktienfonds zu empfehlen, brauchen Sie einen Anleger, der absolut sicher mindestens zehn Jahre lang sein Geld liegen lassen kann oder in einen Sparplan investieren kann, den er garantiert nicht zu einem festen Termin auflösen muss. Für alle anderen kann die Aktie nur eine kleine Beimischung des Gesamtportfolios ausmachen. Zudem ist es schwierig, über Vertriebsansätze für die gesamte Branche zu sprechen. Hier muss jeder seinen eigenen Weg zum Erfolg finden. Ganz grundsätzlich denke ich jedoch, dass wir weniger über Vertriebsansätze sprechen sollten – und mehr über die Einfachheit und Transparenz der Produkte und das Wissen der Anleger über die Kapitalmärkte. Axa IM zum Beispiel unterstützt ein Projekt der Frankfurter Goethe-Universität, dessen Ziel es ist, ein fächerübergreifendes Curriculum zu entwickeln, um Schülern dieses Wissen zu vermitteln.

Multi-Asset-Lösungen sind mehr als ein Trend und in den vergangenen Jahren zu einer etablierten Asset/Fonds-Klasse herangereift. Wie haben Sie sich in diesem Bereich positioniert?

In Deutschland steht dieses Thema für uns weniger im Fokus als etwa in Frankreich oder Italien, weil wir hierzulande keinen direkten Retail-Vertrieb machen.  Allerdings werden wir in dieser Hinsicht aktiver werden, denn wir haben inzwischen einige Fonds mit einem dreijährigen Track Record und sehr ansehnlicher Performance – etwa den Axa WF Global Income Generation und den Axa WF Global Optimal Income.

Wo legen Sie klare Schwerpunkte und warum?

In Deutschland setzen wir einen sehr klaren Schwerpunkt bei Multi-Asset-Lösungen für institutionelle Kunden, denen wir individuelle Mandate anbieten.

Wie funktioniert der Vertrieb von Multi-Asset-Lösungen in der Zielgruppe institutionelle Investoren? Welche speziellen Anforderungen stellt sie an das Asset Management?

Wir sehen einen Trend zur weiteren Diversifikation über Länder und Ratingklassen innerhalb von Multi-Asset-Lösungen. Darüber hinaus wollen immer mehr Investoren die Vorteile nutzen, die sich durch die Kombination von taktischer Asset-Allokation und Absolut-Return-Strategien ergeben. Viele unserer Kunden wünschen sich zudem eine systematische Risikobudgetierung, beispielsweise über einen Value-at-Risk-Ansatz. Insgesamt stellen wir fest, dass die Anforderungen unserer Kunden immer spezieller werden. Entsprechend wichtig ist die Fähigkeit, Mandate für die spezifischen Bedürfnisse jedes Investors individualisieren zu können.

Sind Liquid Alternatives die neuen Multi Assets? Wie sind Sie hier aktuell aufgestellt und was planen Sie in dem Bereich?

Liquid Alternatives sind am Markt seit einiger Zeit ein großes Thema. Als langfristig orientierte Investoren schauen wir allerdings über diesen Modebegriff hinaus und empfehlen gerade institutionellen Investoren derzeit eher illiquide Instrumente aus dem Fixed-Income-Universum, also zum Beispiel Commercial Real Estate Loans, Leveraged Loans oder CLOs. Hier kann es sich nämlich besonders für Investoren mit langem Anlagehorizont, wie Versicherungen und Pensionseinrichtungen es typischerweise sind, lohnen, auf ständige Handelbarkeit zu verzichten – und dafür eine Prämie in Form eines Renditeaufschlags gegenüber klassischen Unternehmensanleihen einzustreichen. Diese Erkenntnis setzt sich bei immer mehr Marktteilnehmern durch.