Axa-Vertriebsvorstand im Interview „Lebensversicherungen jetzt panisch zu verkaufen, wäre falsch“

Thilo Schumacher ist seit Februar 2018 Vertriebsvorstand der Axa. Er hat diese Funktion von seinem Vorgänger  Jens Hasselbächer zusätzlich zu seinen Aufgaben als Vorstand der Axa Krankenversicherung übernommen.   | © Axa

Thilo Schumacher ist seit Februar 2018 Vertriebsvorstand der Axa. Er hat diese Funktion von seinem Vorgänger Jens Hasselbächer zusätzlich zu seinen Aufgaben als Vorstand der Axa Krankenversicherung übernommen. Foto: Axa

DAS INVESTMENT: Über die irische Tochter Axa Life Europe hat Axa zwischen 2006 und 2012 das Lebensversicherungsprodukt Twin Star vertrieben. Nun verhandelt die französische Axa Gruppe mit dem Private-Equity-Fonds Cinven über einen Verkauf der Tochter. Der Preis liegt bei rund 1,2 Milliarden Euro. Wie weit sind die Verhandlungen?

Thilo Schumacher: Die Axa Gruppe ist kurz vor der Vertragsunterzeichnung. Allerdings muss bei solchen Transaktionen, bei denen Mitarbeiter betroffen sind, auch der Betriebsrat zustimmen. Diese Formalie steht bisher noch aus. Wir gehen aber davon aus, dass die Gruppe die Zustimmung erhalten wird.

Warum der Verkauf?

 Das liegt an dem speziellen Konstrukt der Variable Annuities, zu denen auch der Twin Star gehört. Dabei handelt es sich um fondsbasierte Rentenversicherungen, bei denen die Garantie nicht über den Deckungsstock des Versicherers generiert wird. Stattdessen werden sie gehedgt, das heißt, über Finanzinstrumente am Kapitalmarkt abgesichert. Da die Strategie der Axa Gruppe vorsieht, die Abhängigkeit von Kapitalmarktrisiken zu reduzieren, ist der geplante Verkauf nur folgerichtig.

Bei Axa Life Europe arbeiten 60 Mitarbeiter, die rund 248.000 Versicherungsverträge mit einem Wert von etwa 5 Milliarden Euro verwalten. Deutsche Verträge haben dabei einen Anteil von 70 Prozent. Was würde sich durch einen Kauf für die deutschen Kunden ändern?

Kaum etwas. Axa bleibt Ansprechpartner für Kunden und auch für Vertriebspartner. Wir haben im Verkaufsvertrag festgehalten, dass wir mindestens für die kommenden 30 Jahre die Verwaltung der Verträge übernehmen. Im Rahmen der Verhandlungen haben wir zudem sichergestellt, dass alle Verträge mit den darin geregelten Garantien und Bedingungen unverändert bestehen bleiben. Das war uns sehr wichtig und wird vertraglich vereinbart.

Was sollten Makler tun, die jetzt panische Anrufe von Kunden erhalten?

Panikverkäufe wären ganz falsch. Wir haben den deutschen Twin Star 2006 auf den Markt gebracht, mit Garantien zwischen 2,5 und 3,5 Prozent. Diese Garantien sind heute am Markt nicht mehr zu haben. Kunden mit Twin-Star-Verträgen haben ein Produkt mit sehr guten Konditionen. Jedem, der einen solchen Vertrag für seine Altersvorsorge abgeschlossen hat, kann man nur raten, ihn zu behalten.

Es handelt sich bei dem Verkauf also nicht um den Einstieg in den Ausstieg aus dem Lebensversicherungsgeschäft?

Definitiv nein. Wir stehen zur deutschen Lebensversicherung, das Vorsorgegeschäft ist und bleibt für Axa Deutschland ein wesentlicher Teil des Kerngeschäfts. Ein Beweis dafür ist etwa die Investition in unser neues Bestandsführungssystem. Hier investieren wir über 120 Millionen Euro. Das macht man nicht, wenn man nicht mehr an die Lebensversicherung glaubt. Außerdem haben wir gerade erst eine neue Variante unserer Altersvorsorge-Lösung Relax-Rente auf den Markt gebracht – die Relax-Rente Comfort Plus. Wir glauben, dass der Bedarf an Altersvorsorge-Produkten in Deutschland in den kommenden Jahren hoch bleiben wird. Von den Marktchancen, die sich dadurch bieten, ist Axa Deutschland absolut überzeugt.

Der Verkauf von Lebensversicherungsbeständen ist in Deutschland gerade im Trend. Bei den Kunden kommt das nicht besonders gut an.

Das Thema ist emotional; Kunden und Vermittler haben in Teilen die Sorge, dass sich für sie etwas nachteilig verändert. Ich glaube, dass man mehr Sachlichkeit in die Diskussion bringen muss. Ich habe auch eine Police, die ein Bestandsmanager vor mehreren Jahren übernommen hat. Die Kosten sind gesunken und die Performance ist gut, ich habe keinen Grund für eine Beschwerde. Man muss analysieren, was ein solcher Verkauf für den Kunden konkret bedeutet. In unserem Fall wird die Kapitalgarantie für Twin Star über den Kapitalmarkt gestellt. Anders als bei Produkten, die Deckungsstock-basiert sind, spielt die Frage des Eigentümers hier keine Rolle. Zudem bleibt die Axa Life Europe so, wie sie ist. Wichtig für Kunden – und auch Vermittler – ist, dass sich an bestehenden Strukturen und Prozessen in der Bestandsverwaltung nichts ändert und auch die bisherigen Ansprechpartner erhalten bleiben.