Axel Kleinlein ist vielen Versicherungsvermittlern noch als Lautsprecher des Hamburger Verbrauchervereins Bund der Versicherten (BdV) bekannt. Doch vor zwei Jahren wurde es leiser um den Freund klarer Worte, der oft in den Medien als Vertreter der Verbraucherinteressen auftrat. Als selbstständiger Versicherungsmathematiker ist er mit seinem Berliner Unternehmen Mathconcepts eher im Hintergrund aktiv. Im Rahmen seiner Arbeit mit Zahlen der deutschen Assekuranz hat er aktuell Statistiken des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unter die Lupe genommen. 

Die Dachorganisation der privaten Versicherer in Deutschland hat die branchenweiten Geschäftszahlen im Bereich Lebensversicherungen für das vergangene Jahr vorgestellt. Demnach gingen „überhöhte Provisionszahlungen und Abschlusskosten in Höhe von mehr als 3,5 Milliarden Euro zulasten der Überschüsse aller Versicherten“, kommentiert Kleinlein. „Hinzu kommen die schon nach normaler Kalkulation angesetzten 4,4 Milliarden an sogenannten gezillmerten Abschlusskosten.“ Dieses Geld entziehen die deutschen Versicherer laut Kleinlein ihren Kunden. 

Der Diplom-Mathematiker und studierte Philosoph vergleicht diese Kosten mit dem staatlichen Budget für die sogenannte Kindergrundsicherung. Diese größte von der Bundesregierung geplante Sozialreform soll die bisherigen finanziellen Hilfsangebote für Familien bündeln, stockt aber nach wie vor aufgrund von Streitigkeiten um das Budget von 2,4 Milliarden innerhalb der Ampelkoalition. „Allein die über das normale Maß hinausgehenden Zahlungen an Versicherungsvermittler und für Abschlusskosten reichen aus, um die Kindergrundsicherung mehr als zu verdoppeln“, rechnet Kleinlein vor. 

„Hohe einmalige Provisionen der Vermittler“ 

Die Anbieter von Lebensversicherungen müssen den Vertrieb ihrer Produkte bezahlen – „etwa interne Bürokratie und hohe einmalige Provisionen der Vermittler“, erklärt der Verbraucherschützer. „Nach dem Aufsichtsrecht sollten diese Kosten über das Zillmer-Verfahren gedeckt werden“, zitiert er aus Paragraf 4 der Deckungsrückstellungsverordnung. Die aktuellen GDV-Zahlen „zeigen aber, dass die Versicherer diese aufsichtsrechtlichen Vorgaben massiv reißen“, so Kleinlein weiter. „Neben 4,4 Milliarden, die nach der normalen Kalkulation kalkulatorisch in Ordnung wären, fallen weitere 3,5 Milliarden Zusatzkosten an“. 

 

Verantwortlich hierfür seien ein „überteuerter Vertrieb und hohe Abschlusskosten“, meint Kleinlein. Denn die nach dem Zillmer-Verfahren angesetzten Kosten würden von Neukunden jeweils selbst getragen. Die weiteren 3,5 Milliarden gingen allerdings zulasten der gesamten Überschussbeteiligung. „Und damit schädigen sie mittelbar alle Kunden“, steht für den ehemaligen BdV-Chef fest. „Zwar kann über spätere Zahlungen der Kunden mittelfristig ein Ausgleich erfolgen. Da aber die Kündigung der Normalfall ist, bleibt das Kollektiv auf einem erheblichen Teil dieser Kosten sitzen.“