Axel Weber

EZB-Test keine Garantie für Stärkung des Vertrauens

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“Der Markt sieht das größte Risiko nicht mehr in den Bankbilanzen”, sagte der ehemalige Bundesbank-Präsident Weber am Mittwoch im Interview mit Bloomberg Television. “Der Markt richtet sein Augenmerk jetzt viel stärker auf operative Risiken - etwa im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten - und die werden nicht angesprochen. Selbst wenn man dem Markt die Sorge um Risiken im Zusammenhang mit Gegenparteien und um die üblichen finanziellen Risiken nimmt, stärkt das im Ergebnis per se nicht das Vertrauen, denn da ist ja noch dieser andere Elefant im Zimmer, über den man nicht spricht.”

Den Banken in Europa drohen noch Rechtskosten in Höhe von 50 Mrd. Dollar, schrieben Analysten von Morgan Stanley in einer aktuellen Analyse. Bislang haben die Banken der Studie zufolge 82,3 Milliarden Dollar (63,9 Milliarden Euro) an Geldbußen gezahlt beziehungsweise für diese Zwecke zurückgestellt.

Der Stresstest, den die EZB zusammen mit der Bankenaufsichtsbehörde EBA durchführt, werde wohl eine gewisse Stärkung des Vertrauens in das Finanzsystem bewirken, sagte Weber. Er wolle auch niemandem die Schuld dafür zuweisen, dass die Rechtsstreitigkeiten in den Tests nicht berücksichtigt werden, betonte er.

Es sei nicht realistisch, anzunehmen, dass das Vertrauen in die Banken wiederkehre, wenn die Notenbank sich die Bilanzen ansehe und die Banken dann Erklärungen dazu abgäben, sagte Weber. Vielmehr brauchten Investoren “jeden Tag Gewissheit über unser Geschäftsmodell, über die Solidität unserer Kapitalposition, über den Umgang mit juristischen Risiken, darüber, wie sich die Bank wandelt - es ist ein Vorgang, der Tag für Tag abläuft. Es liegt an den Vorständen und Geschäftsleitungen der Banken, das Vertrauen wiederherzustellen, und ich glaube, da ist noch sehr viel mehr zu tun.”

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