45 - 16 - 43 - 61 - 69 - Bingo!!! Wer Axxion kennt, kennt meist auch den beliebten Spieleabend, zu dem die Luxemburger Service-KVG seit Jahren im Rahmen des Mannheimer Fondskongresses einlädt. Für Kunden des Hauses ist er quasi eine Pflichtveranstaltung.
Der lockere Rahmen im Café oder einer Kneipe passt sehr gut zu Axxion: bodenständig, fröhlich, mit einem Hang zum Familiären. Axxion sitzt auch nicht in einer der großen Finanzmetropolen, sondern im beschaulichen Grevenmacher an der Mosel – einem 5.000-Einwohner-Städtchen im Luxemburger Osten, bekannt für seine Weinberge.
In diesem Jahr wird das Unternehmen 25 Jahre alt. Anlass für ein Gespräch mit CEO Stefan Schneider – über Krisen, Unabhängigkeit, ETFs und die Zukunft eines Unternehmens, das in einer sich konsolidierenden Branche seinen eigenen Weg verfolgen möchte.
1. DAS INVESTMENT: Thomas Amend hat vor 25 Jahren Axxion gegründet. Welche Vision hatte er damals, und wie viel davon ist heute noch Realität?
Stefan Schneider: Thomas Amend wollte dem Interessenkonflikt der abhängigen Verwaltungsgesellschaften entgehen und eine wirklich unabhängige Fondsgesellschaft aufbauen. Das macht uns bis heute aus. Wir arbeiten unabhängig von Konzernen, es vermengen sich keine Konzerninteressen mit Produktinteressen. Wir können Fondsinitiatoren so beraten und betreuen, dass der gemeinsame Erfolg im Vordergrund steht. Das ist zu 100 Prozent noch vorhanden.
2. Wann genau wurde Axxion gegründet?
Schneider: Am 17. Mai 2001.
3. Welches waren die entscheidenden Wendepunkte, die Sie auf mittlerweile 17 Milliarden Euro Assets under Administration gebracht haben?

Schneider: Wie im privaten Leben ist die erste Million immer die schwierigste. Ganz am Anfang war es relativ mühsam, die ersten Fondsinitiatoren zusammenzubringen. Vier Monate nach dem Start von Axxion gab es am 11. September die Anschläge in den USA. Dadurch war es zunächst schwierig, überhaupt Fondsabsatz zu generieren. Ein sehr verhaltener Beginn also. Dann kam die Ucits-III-Regulierung, die den ersten Geschäftsschub brachte. Seitdem ging es wellenförmig voran – mit Impulsen nach oben, aber auch durch die Finanzmarktkrise nach unten. Letztendlich ist es ein sich selbst verstärkendes System: Das Geschäft lebt essenziell von Empfehlungen. Je mehr zufriedene Geschäftspartner man hat, desto mehr empfehlen einen diese weiter.
4. Welches war die größte Krise auf diesem Weg?
Schneider: Zu Beginn ganz klar der 11. September 2001. Die Finanzmarktkrise 2008/2009 war auch erst ein Schockmoment. Dort zeigte sich aber, dass unsere schlanke Struktur für viele Anleger attraktiv war, wir konnten eine Reihe großer Mandate gewinnen. Gerade Family Offices suchten transparente und unabhängige Partner – einige von ihnen sind uns bis heute treu geblieben. Wir achten auch strategisch darauf, eine gute Mischung aus verschieden großen Geschäftspartnern zu haben.
5. Was ist hingegen besonders gut gelaufen?

Schneider: Das Kernelement von Axxion war schon immer das Persönliche und Verbindliche – auch, dass der gründende Vorstand mit eigenem Geld in der Firma investiert war. Dadurch konten die Geschäftspartner darauf vertrauen, dass er wirklich mit dabei ist und nicht nur kurz versucht, etwas abzukassieren. Dieses Vertrauen ist die Grundlage für alles Weitere.





6. Wer ist eigentlich der älteste Kunde von Axxion, der heute noch dabei ist?
Schneider: Einer der ersten dürfte Herr Zours von der FPS aus Heidelberg sein.





7. Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal von Axxion gegenüber dem Wettbewerb?
Schneider: Das sind Unabhängigkeit, Flexibilität und das Unternehmerische. Wir müssen nicht schauen, ob sich etwas in kürzester Zeit amortisiert, sondern ob es strategisch richtig ist. Diese Freiheit ist in unserer Branche selten.
8. Sie haben vor einigen Jahren Ihr Motto mit „Nicht der billigste, sondern der verlässlichste Anbieter“ umrissen. Hat sich das bewährt – oder mussten Sie beim Thema Kosten zuletzt nachschärfen?
Schneider: Wir sind als kleine Gesellschaft immer gezwungen, sehr kosteneffizient zu arbeiten. Aber durch das qualitativ hochwertige Wachstum ist es uns gelungen, der Kostenwelle etwas davonzulaufen. Die Wachstumsschübe, die wir für die nächsten zwei Jahre bereits eingeloggt haben, werden diese Schere weiter positiv auseinandertreiben. Für uns ist es leichter als für einen großen Konzern, die Kosten im Griff zu behalten – weil wir viel direkter Einfluss nehmen können. Nur bei Fonds, die ganz besonders klein geworden sind, mussten wir einem Geschäftspartner unter Umständen mal sagen, dass wir das Mandat nicht mehr aufrechterhalten können.
9. Das bedeutet aber auch: Wer den Preis nicht akzeptiert, ist bei Axxion falsch?
Schneider: Ja. Wer nicht bereit ist, einen gewissen Kostensatz zu zahlen, war schon immer bei uns falsch und müsste dann eben zu einem anderen Anbieter gehen – mit allen Vor- und Nachteilen.
10. Sie haben vergangenes Jahr eine eigene ETF-Plattform, Axx ETF, gegründet. Wie ist Ihr Zwischenfazit?
Schneider: Es läuft sehr gut. Wir machen es wie immer: langsam und richtig statt schnell und viel. Mit den ersten drei ETFs haben wir jetzt eine belastbare Historie. Den ersten haben wir vor dreieinhalb Jahren aufgelegt. Mittlerweile haben wir das Geschäft in der Tiefe begriffen und können es ausbauen. Wir haben ungefähr einen Wissensvorsprung von einem Jahr gegenüber vielen anderen im Markt.
11. Was unterscheidet Ihre ETF-Philosophie von der der ganz großen Anbieter wie iShares, Xtrackers oder Amundi?
Schneider: Die Großen gehen mit einem völlig anderen Volumenansatz heran – sie rechnen damit, innerhalb kürzester Zeit 400 bis 500 Millionen Euro im Produkt zu haben, und bilden überwiegend bekannte Indizes ab: Euro Stoxx, MSCI-Indizes, Dax. Wir hingegen konzentrieren uns auf individuell gestaltete Indizes. Ein Beispiel ist der Modern Value Index, eine Weiterentwicklung bestehender Indizes, die zeigt, wie man es besser machen kann. Dieser Index hat sich zuletzt besser entwickelt als etwa der MSCI World – unter anderem wegen der geringeren Tech-Abhängigkeit. Diese „Designed ETFs“ sind unser Kerngeschäft.
In einigen Jahren werden ETFs bei Privatkunden 80 bis 90 Prozent Marktanteil haben.
12. Der Fondstrend geht auch branchenweit klar in Richtung ETF. Könnte es sein, dass Axxion irgendwann nur noch ETFs auflegt?
Schneider: Nur noch ETFs – das glaube ich nicht. ETFs sind für eine bestimmte Gruppe von Investoren sehr relevant, aber nicht für alle. Gerade im semi-institutionellen Bereich, zu dem auch Family Offices gehören, wird ein individuell gemanagtes Mandat weiter hoch geschätzt. Im Vertrieb an Endkunden hingegen wird der ETF irgendwann einen Marktanteil von 80 bis 90 Prozent erreichen – ich schätze, in etwa sechs bis sieben Jahren ab heute.
