Aysun Cifci bei „She Speaks Finance“ „Bevor du gar nicht investierst, nimm einen breiten Aktienindex“

Aysun Cifci von Amundi bei „She Speaks Finance“
Aysun Cifci von Amundi bei „She Speaks Finance“: „Die Größe der Investments ist gar nicht so entscheidend. Man kann auch klein mit Sparplänen anfangen und da schön diversifiziert und gestreut seine Investments tätigen.“
© Jessica Hunold / Dominik Marwede
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Aysun Cifci arbeitet seit knapp 15 Jahren im ETF-Bereich und vertreibt die börsengehandelten Indexfonds aktuell für die Fondsgesellschaft Amundi in Deutschland und Österreich. Nach ihrer Bankausbildung hat sie Jura studiert und anschließend für die Deka auf dem Trading Floor gearbeitet. Daraufhin startete sie im ETF-Vertrieb der UBS durch, bevor sie 2019 zu Amundi wechselte.

She Speaks Finance: Gerade für Frauen gehören Jobs in der Finanzbranche nach wie vor nicht zu den Favoriten, die man sich schon als kleines Mädchen erträumt. Wie war das bei dir? Wolltest du schon immer im Finanzbereich arbeiten? Und gab es mal einen Punkt, an dem du vielleicht auch total an deiner Wahl gezweifelt hast?

Aysun Cifci: Tatsächlich ist es bei mir so, dass ich nie groß einen speziellen Traum gehegt habe, was ich beruflich machen will. Ich war da relativ unvoreingenommen und verdanke es ein Stück weit meinen Eltern, dass ich heute da stehe, wo ich jetzt stehe, da sie die Idee hatten, dass ich erstmal eine solide Ausbildung bei einer Bank mache, bevor ich ins Studium gehe. Das hat mir dann direkt gut gefallen und mir den Weg geebnet für das, was ich heute mache.

Der Job macht mir unheimlich viel Spaß, aber natürlich ist es eine absolute Männerdomäne, auch heute noch. Deswegen ist es leider umso wichtiger, dass man, wenn man es in dem Bereich schaffen möchte, einfach macht und ausprobiert, auch wenn es wenige Vorbilder gibt.

Eine gewisse Ungewissheit gab es bei mir nach dem Lehman-Crash zu Beginn der Finanzkrise, als ich gedacht habe, ob das überhaupt die richtige Branche für mich ist und ob das Bestand hat. Aber ich hatte Riesenglück, dass es genau das Richtige war, was es auch heute noch ist. Ein großer Vorteil ist natürlich, dass ich mich für ETFs entschieden habe, die in den letzten Jahren ja einen wahren Siegeszug erlebt haben. Da hatte ich einfach auch ein Stück weit Glück, in der richtigen Branche zu landen.

Magst du noch mal erzählen, was das Besondere an ETFs ist und was dich daran so fasziniert?

Aysun: Super gerne, eben weil ETFs ganz viele Vorteile mit sich bringen. Es ist ein ganz spannendes, innovatives Produkt, was einfach verständlich ist, super transparent und zudem noch kostengünstig. Auf diese Weise eignet es sich nicht nur für Profi-Investoren, sondern auch für Einsteiger und bietet ihnen einen guten Zugang. Zudem ist auch das Investitionsuniversum mittlerweile sehr breit aufgestellt und vielfältig.

 

Würdest du sagen, dass sie für Einsteiger deshalb auch das beste Produkt sind, weil sie gegenüber aktiv gemanagten Fonds oder auch Einzelaktien viele Vorteile haben?

Aysun: Zunächst einmal ein kurzer Umriss zur Unterscheidung zwischen ETFs und aktiv gemanagten Fonds. Bei Fonds ist es so, dass man auf die Expertise eines Portfoliomanagers vertraut, der sein Portfolio entsprechend seiner Überzeugungen gewichtet.

Anlagerisiko mit ETFs streuen

Bei einem ETF ist das ein bisschen anders. Hier wird nur der Index ausgewählt und dann eins zu eins umgesetzt. Gerade für Börseneinsteiger können ETFs eine gute Möglichkeit sein, die ersten Schritte an der Börse zu unternehmen, vor allem, weil sie transparent und günstig sind und meist breit gestreut. Das ist der Unterschied zu einer Aktie, wo man sich ja auf ein Unternehmen festlegt. Bei ETFs kann man das Anlagerisiko dementsprechend besser begrenzen.

Gerade für Einsteiger ist es oft eine besondere Herausforderung, sich für den richtigen ETF zu entscheiden. Die meisten nehmen dann erstmal ein Produkt, das relativ breit gestreut ist. Wenn man jetzt allerdings etwas tiefer einsteigen will, welche Trends würdest du dann empfehlen, die man dieses Jahr mal etwas im Auge behalten könnte?

Aysun: Dazu möchte ich als Erstes schonmal sagen: Bevor du gar nicht investierst, nimm lieber einen breiten Aktienindex. Das ist schon mal ein super Schritt in die richtige Richtung und da ist auch die Wahl eines ETFs denke ich sinnvoll. Wir sehen ein extrem gutes ETF-Wachstum in den letzten Jahren und rechnen auch damit, dass dieser Trend sich weiter fortsetzt. Gerade in der Corona-Phase, als die Leute Zeit hatten, sich um ihre Finanzen zu kümmern, haben Neueinsteiger und auch gerade viele Jüngere Sparpläne für sich entdeckt. Und auch jetzt in den schwierigen Marktphasen, in denen wir uns derzeit befinden, sehen wir, dass die Anzahl der Sparpläne konstant bleibt und auch in den meisten Fällen weitergeführt wird.

 

Also ich würde sagen, das ETF-Wachstum ist der erste Punkt, Sparpläne der Zweite, für den dritten und vierten Punkt kann man kombiniert Nachhaltigkeit und Klima nennen. Das sind ganz, ganz gravierende, spannende Themen. Und wir sehen beispielsweise, dass mehr und mehr Anleger in den Bereich Nachhaltigkeit investieren oder aber in Vehikel mit einem ganz klaren Bezug auf Klima. Und in den letzten zwei Jahren sind auch mehr als die Hälfte der Netto-Mittel-Zuflüsse, also der neuen Gelder, in diese Bereiche geflossen, sodass ich denke, dass das nach wie vor auch eines der spannenden Themen unserer nächsten Zukunft sein wird.

ESG-ETFs: Was bedeutet nachhaltig für dich?

Des Weiteren: Themen ETFs; das ist auch ein super spannendes Thema. Damit kann man in die Zukunft investieren, beispielsweise in künstliche Intelligenz. Man kann in bestimmte Branchen investieren, wie das Luxussegment oder in Unternehmen, die im Hinblick auf die Geschlechtergerechtigkeit die Nase vorn haben.

Wie finden Anleger:innen denn nachhaltige ETFs, die zu ihnen passen? Kannst du da eine Schritt-für-Schritt-Anleitung geben, worauf man achten muss und wie man am besten anfängt?

Aysun: Das ist tatsächlich relativ komplex. Ich würde vielleicht zuerst mal ganz kurz ein, zwei Sätze zu den Vorteilen von Nachhaltigkeit, ETFs oder ESG-ETFs benennen. ESG steht für Environment, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Man kann mithilfe von ESG Risiken reduzieren, ohne so eine Art Renditebremse zu verursachen. Wir beobachten, dass Anleger inzwischen etwas mit ihrer Anlage bewirken wollen, also einen positiven Impact mit ihrem Investment erzielen wollen.

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Ich würde mir beim Investieren in erster Linie die Frage stellen:

  • Welche ESG Strategie möchte ich denn eigentlich verfolgen?
  • Möchte ich beispielsweise auf einen Index setzen mit einem hohen ESG-Standard, der möglichst viele Unternehmen ausschließt?
  • Oder setze ich womöglich lieber auf Unternehmen aus schwierigen Branchen, die eine gute Entwicklung zeigen
  • Vielleicht möchte ich auch auf bestimmte Themen setzen, wie regenerative Energien, Wasser oder Future Mobility.
  • Und je nachdem, wie man sich dann entscheidet, gibt es dann entweder Indizes, die Branchen oder gewisse Praktiken ausschließen oder Indizes, die die Auswahl nach ESG-Ratings befolgen und somit dann einen sogenannten Best-in-class-Ansatz beinhalten, wo nur die besten pro Branche mit Blick auf ESG in den Index gewählt werden oder ein Index beispielsweise mit einem klaren Klima-Fokus zusammengestellt wird. Da ist die CO₂-Reduktion oft ein ganz starkes Thema.
  • Oder möchte ich vielleicht eine Kombination aus Ausschlüssen und Best-in-class?
 

Das ist jetzt alles ein bisschen lang und ich hoffe, man kann mir folgen, aber man darf eine meiner Meinung nach elementare Seite nicht vergessen, und zwar einen glaubwürdigen ETF-Anbieter auszuwählen, also wirklich jemanden, der seinen Worten auch Taten folgen lässt. Ich bin der Meinung, dass Finanzdienstleister grundsätzlich eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft haben und auch Vermögensverwalter können durch ihre Abstimmungspolitik das Kapital in Zukunftsbereiche lenken und so aktiv die Transformation der Wirtschaft vorantreiben.

Für unsere Hörerinnen ist es immer auch spannend, wie du selbst investierst. Wie hast du angefangen und wie hat sich das mit der Zeit entwickelt?

Aysun: Ich habe relativ zaghaft angefangen und mich dem Thema ganz vorsichtig genähert. Es ist halt so wie mit allem im Leben: Man muss halt einfach nur mal anfangen und dann kommt der Rest von ganz allein. Die Größe der Investments ist da gar nicht so entscheidend, man kann auch klein mit Sparplänen anfangen und da schön diversifiziert und gestreut seine Investments tätigen.

Investieren und Karriere: Einfach mal machen und ausprobieren

Christin: Würdest du das auch anderen raten, erstmal ein bisschen auszuprobieren, mit kleinen Beträgen anzufangen und dann zu gucken, was das Richtige für einen ist?

Aysun: Ich bin immer der Meinung, dass es sich gut anfühlen muss und man kein mulmiges Gefühl dabei haben darf. Und wenn ich nun mal der Meinung bin, ich bin mit einem globalen Aktienindex ganz gut aufgestellt für den Anfang, dann ist das fein. Oder wenn ich der Meinung bin, ich möchte gezielt in künstliche Intelligenz investieren, ist es genauso fein.

Du hast es vorhin schon angesprochen, dass Frauen in der Branche leider immer noch in der Unterzahl sind. Was würdest du anderen Frauen raten, die gerne auch Karriere machen wollen in dem Bereich?

Aysun: Einfach den Mut haben, sich auf Stellen zu bewerben, wo man vielleicht am Anfang denkt, das ist eine reine Männerdomäne, als Frau habe ich da gar keine Chancen. Das ist nicht so. Also wirklich den Mut aufbringen, es einfach zu tun. Einfach auch mal ein Praktikum zu machen, reinzuschnuppern, das ist schon mal eine super Sache.

 

Musstest du schon Herausforderungen meistern, die man vielleicht eher als Frau hat?

Aysun: Ich habe auf dem Trading Floor angefangen, da waren Frauen gar nicht vorhanden. Also ich war wirklich das einzige junge Mädel. Das hat natürlich eine gewisse Herausforderung mit sich gebracht. Die haben aber ganz schnell gemerkt, dass es ganz gut funktioniert.

Welche Bedeutung hat dein Geld in deinem Leben?

Aysun: Das ist in jungen Jahren vielleicht noch ein bisschen wichtiger als später, weil man dann erkennt: Geld ist nicht alles. Gesundheit ist immens wichtig und ein gutes Umfeld, tolle Freunde, tolle Familien und, und, und. Aber Geld ist insofern wichtig, um sich schöne Dinge zu gönnen, wie schöne Reisen oder auch andere Dinge, die man mal machen möchte.

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