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Ausbildungsumfrage Azubi-Not bei Versicherern: Nur jedes zweite Unternehmen konnte alle Stellen besetzen

Auszubildender erhält Arbeitsvertrag von Personaler
Glückliche Azubis mit Arbeitsvertrag: Ein Bild, dass bei Deutschlands Versicherern immer seltener wird, da die Zahl unbesetzter Stellen deutlich zunimmt. | Foto: Imago images / Westend61

In der jährlichen Bildungsumfrage des Berufsbildungswerks der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) und des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV)  geht es um Bewerbersituation und Weiterbeschäftigung, aber auch Fragen zu aktuellen Arbeitsmarktthemen wie dem Fachkräftemangel. Die 20. Auflage der Untersuchung basiert auf den Rückmeldungen von 65 Versicherungsunternehmen bzw. Unternehmensgruppen, die rund 89 Prozent der Beschäftigten im Innen- und angestellten Außendienst repräsentieren. Fragezeitraum waren der Februar und März dieses Jahres. Nun wurden die Ergebnisse veröffentlicht.

Weiterhin Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen

Laut der Studienautoren ist auch in der beruflichen Erstausbildung der angespannte Arbeitsmarkt in vielen Versicherungshäusern spürbar. Nur 48 Prozent der deutschen Versicherer konnten 2022 ihre jeweiligen Ausbildungsplätze und dualen Studienplätze vollständig besetzen. Im Jahre zuvor sah es mit 36 Prozent indes noch schlechter aus. Durch diesen Vergleich auf Basis der Einzelunternehmen bleibt aber unklar, wie viele Ausbildungsplätze im Markt insgesamt nicht besetzt werden konnten. Auch liefern die Verbände keine Zahlen über die Entwicklung des Angebots an Ausbildungsplätzen. Nur soviel: 8 Prozent aller Azubis und dualen Studenten treten ihre Stelle zudem nicht an oder brechen vorzeitig ab.

Als häufigsten Grund für unbesetzte Stellen mit 89 Prozent nannten die Betriebe die mangelnde Eignung der Bewerber (50 Prozent der Betroffenen antworteten mit „trifft sehr zu“, 39 Prozent mit „trifft eher zu“). Aber auch die regional schlechte Bewerberlage und die unzureichende Qualität der Bewerbungsunterlagen waren häufige genannte Gründe, warum Stellen nicht besetzt werden können. Hier antworteten jeweils zusammengefasst 75 Prozent der befragten Versicherer, dass die Aussage sehr bzw. eher zutrifft. Auch die Besetzung des Außendienstes bereitet der Assekuranz Probleme. Insgesamt 64 Prozent der Versicherer nennen dies als Grund für unbesetzte Stellen. Die kurzfristige Vertragsauflösung durch die vorgesehene Person wurde von 54 Prozent als Grund genannt.

Gründe der Unternehmen für unbesetzte Ausbildungsplätze und Stellen für dual Studierende 2022
© Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V

Weitere Erkenntnis: Es werden immer weniger Nachwuchskräfte direkt beim Versicherer selbst ausgebildet. Waren im Jahr 2018 noch 70 Prozent der Ausbildungsplätze im Versicherungsunternehmen selbst angesiedelt, so traf dies 2022 nur noch auf 58 Prozent zu. Stattdessen gewinnt die vom Unternehmen finanzierte Ausbildung in Betriebseinheiten mit 24 Prozent der Ausbildungsplätze an Bedeutung (2018: 16 Prozent). Ebenfalls angestiegen ist die Zahl jener, die sich für einen dualen Studiengang entscheiden (2018: 13 Prozent, 2022: 18 Prozent).

Deutlich mehr Übernahmen in unbefristete Beschäftigung

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Weiterhin sehr hoch ist bei den Ausgebildeten die Erfolgsquote bei der IHK-Abschlussprüfung. Sie bestanden 99 Prozent. Bei dem hohen Fachkräftebedarf wünscht sich die Branche vermutlich eine möglichst hohe Quote bei den übernommenen Azubis. Sie lag 2022 bei 76 Prozent und damit zumindest deutlich höher als das Jahr zuvor (67 Prozent). Vom Nachwuchs, der die Unternehmen verlassen hat, gingen 52 Prozent in den selbstständigen Außendienst, 25 Prozent begannen ein Studium und 24 Prozent eine andere Tätigkeit. In Sachen Weiterbeschäftigung stieg der Anteil unbefristeter Verträge im Vergleich zum Vorjahr von 59 auf 67 Prozent. Am deutlichsten fällt dabei die Steigerung im Innendienst aus. Ein klares Indiz dafür, dass die Versicherer bestrebt sind, neue Mitarbeiter längerfristig zu halten.

Weiterbeschäftigung der übernommenen Auszubildenden
© Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.

Hoher Aufwand bei Rekrutierung, aber unklarer Erfolg

Um alle Ausbildungsplätze bzw. Stellen für dual Studierende besetzen zu können, wird laut AGV und BWV ein ganzes Bündel an Maßnahmen für die Rekrutierung eingesetzt: 96 Prozent gaben an, dass über die Unternehmenswebseite und die eigenen Mitarbeiter der Nachwuchs rekrutiert wird. Mit 94 Prozent folgen danach Online-Portale. 78 Prozent nannten Messen, 76 Prozent bieten Praktika an. Interessant ist auch die hohe Einbindung schon beschäftigter Azubis ins Recruiting. In 61 Prozent der Unternehmen werden sie einbezogen, 44 Prozent der Nachwuchskräfte entwickeln sogar eigenständige Maßnahmen. 

 

Social-Media-Kanäle haben in Sachen Bewerbermarketing im Vergleich zu 2020 ihre Bedeutung in etwa beibehalten (65 Prozent). Dabei liegt Instagram nach wie vor auf dem ersten Platz (für 73 Prozent sehr wichtig oder wichtig), mit deutlichem Vorsprung vor Linkedin. Zu den Verlierern gehören Facebook und Youtube. Blogs sind gerade mal für 18 Prozent der Befragten sehr wichtig oder wichtig. Welchen tatsächlichen bzw. quantitativ messbaren Erfolg die Branche mit diesen Maßnahmen hat, geht aus der Studie allerdings nicht hervor.

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