B2B-Vertrieb

Wann greifen Apple und Google die Fondsbranche an?

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Seit längerem geht die Sorge in der Fondsbranche um, dass sich große Technologiekonzerne wie Apple und Google im Finanzdienstleistungssektor engagieren könnten und damit das Geschäft von Vermögensverwaltern direkt angreifen würden. Bereits vor einem Jahr warnte Christian Dargnat, damals Präsident des europäischen Fondsverbands Efama: „Google Asset Management oder Facebook Asset Management können die Konkurrenz von morgen sein.“ Martin Gilbert, Gründer und Vorstandsvorsitzender der britischen Vermögensverwaltung Aberdeen Asset Management, warnte erst jüngst vor den Gefahren durch Tech-Konzerne für die Vermögensverwaltungs-Industrie. Und sie sind nicht alleine mit dieser Sorge: Eine Umfrage der Vermögensverwaltungsgesellschaft State Street unter Führungskräften aus der Branche ergab, dass 79 Prozent der Befragten sich davor sorgen würden, künftig in Konkurrenz zu nicht-traditionellen Anbietern in der Vermögensverwaltung zu stehen. Alibaba in China ist Beispiel für die Gefahr durch Tech-Konzerne
Tilman Lüder, Abteilungsleiter Vermögensverwaltung bei der Europäischen Kommission, warnt ebenfalls vor den Gefahren für die Fondsbranche und verweist auf Alibaba. Das chinesische Pendant zu Amazon ist demnach ein gutes Beispiel für den Eintritt von großen Technologiekonzernen in den Finanzsektor. In China hat sich Alibaba mit dem Vermögensverwalter Tianhong Asset Management zusammengetan und einen Fonds aufgelegt, welcher innerhalb von zwölf Monaten rund 60 Milliarden Euro eingesammelt hat. Auch Google scheint nicht ganz abgeneigt zu sein von der Finanzdienstleistungsbranche. Im Zusammenhang mit einer Konzernumstrukturierung und der Schaffung einer neuen Holding ist die Rede davon, einen eigenen Investmentbereich aufzubauen. Es gibt aber auch Stimmen aus der Branche, die sich keine Sorgen machen. Massimo Tosato, globaler Vertriebsleiter bei der Investmentgesellschaft Schroders, sagte im November 2014, er habe mit Google und Amazon gesprochen und beide hätten ihm gesagt, dass sie an Finanzdienstleistungen interessiert sein, aber eher an großvolumigen Transaktionen, wie Bezahlsystemen. Vermögensverwaltung sei eine stark regulierte Industrie und zudem noch aufgeteilt auf Länder und Sektoren, so dass es weniger im Interessengebiet der beiden Konzerne liege. Geschäft von Banken bedroht
Anders sehen es Vertreter aus dem Bankgewerbe. „Unsere Konkurrenten sind nicht mehr die traditionellen Wettbewerber, sondern Unternehmen wie Google, Amazon oder Apple, die anfangen, sukzessive in unser Geschäft zu drängen“, sagt Peter Bosek, Privatkundenvorstand der österreichischen Erste Bank, gegenüber der Börsen-Zeitung. Apple habe schon mit dem Bezahlsystem Apple-Pay in den USA angefangen und nun kämen sie damit auch nach Europa, wo sie in England schon gestartet sind. Apple würde damit den Banken Profit nehmen und die Kundenbindung an sich ziehen. Damit würden Banken aus Sicht von Bosek auf die Infrastruktur und Abwicklung reduziert. Und somit lägen die Kosten bei den Banken und Apple habe die schöne Kundenbeziehung, so Bosek. Weiter sagt er: „Wenn die Apples und Googles dieser Welt das Bankgeschäft betreten, dann werden sie nicht anfangen, Kredite zu vergeben. Sie haben einen unglaublich guten Überblick über Informationen.“ Sie könnten der Werbewirtschaft zusätzlich zu den anderen Informationen dann auch sagen, wohin die Zahlungsströme fließen und damit auch, wo die Menschen einkaufen gehen. Dann haben die Banken ein Problem, stellt Bosek fest. Die Autoren des White Papers „Brand & Digitalisation in B2B Fund Distribution“ von der Unternehmensberatung Accelerando Associates, sehen keine Gründe die gegen ein künftiges Engagement von Technologiekonzernen wie Google oder Apple im Finanzsektor sprechen. Doch sollten sich die Vermögensverwalter darüber weniger Sorgen machen und die Situation eher als Chance begreifen.

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