Sitz der Federal Reserve in Washington: Die US-Notenbank steuert neuerdings einen ungesunden Kurs an, findet Robert Halver von der Baader Bank. | © imago images / Xinhua Foto: imago images / Xinhua

Baader-Bank-Chefanalyst Robert Halver

Des Notenbankers neue Inflations-Kleider

Rober Halver
Foto: Baader Bank

Die Fed gibt sich ein innovatives Inflationsziel. An zwei Prozent hält man zwar fest, doch nur als Durchschnitt: Nach der langen Phase zu niedriger will man eine lange mit höherer Inflation zulassen. Diese Toleranz soll Inflationserwartungen nachhaltig steigern, vor allem aber Deflation als Grundübel der Konjunktur verhindern. Das klingt vordergründig nach einer glaubwürdigen Strategie, sogar mit Regelbezug.

Doch sollte man der Fed nicht zu viel orthodoxe Kleiderordnung unterstellen. Ihrem durchschnittlichen Inflationsziel fehlt nämlich die genaue zeitliche Festlegung, sozusagen der Stil: Wenn die Inflation in den vergangenen zehn Jahren unter zwei Prozent lag, darf sie dann auch in den kommenden zehn über zwei liegen? Spielt die Dynamik der Preisentwicklung eine Rolle? Werden Sondereffekte herausberechnet, und wenn ja, mit welcher Begründung?

Und so erlaubt die innovative Inflationsstrategie der Fed fast unbegrenzte geldpolitische Völlerei. Ihr neues Inflations-Kleid hat einen Gummizug, Marke Kartoffelsack. Es steht jedem, auch einem Elefanten, konkret der US-Wirtschaft mit Schulden-Übergröße. Die bittere Wahrheit ist doch, dass Amerika ohne Fed nicht mehr in die Kleider passt. Und niemand sollte auch nur einen Gedanken daran verschwenden, dass die USA zukünftig eine Schulden-Diät machen. Die Fed muss sich - egal, wer Präsident wird - zukünftig weiter auf Plus Size einstellen.    

Geschneidert hat sie eigentlich immer schon gerne. Mit monetärer Hilfe hat Ronald Reagan die Sowjets totgerüstet und wollte Bill Clinton den amerikanischen Traum vom Wohneigentum für alle finanzieren. Auch Barack Obamas Schuldensanierung Amerikas nach der Finanzkrise ging nur with a little help from my friend, dem Modeschöpfer Fed.

Da ist man doch froh, dass die neue Inflations-Mode zu jedem wirtschaftlichen Anlass passt. Man muss sich nicht mehr daran stören, wenn sich die Inflation zwischenzeitlich über zwei Prozent beschleunigt. Und optisch hat das Ganze auch noch Vorteile. Negative Realzinsen lassen die Verschuldung zwar nicht verschwinden, jedoch werden die Schulden-Pölsterchen geschickt verdeckt. Und die optische Illusion ist noch größer, wenn man sich vor Augen führt, dass die offizielle Inflation mit der inoffiziellen so viel zu tun hat wie Hemd mit Hose.

Mehr zum Thema
Feri-Vorstand Heinz-Werner RappSolidarität in EuropaWachtendorf-KolumneFünf Regeln für nachhaltiges InvestierenBörsenexperte Robert HalverPräsidentschaftswahl in den USA: Was wäre, wenn…?