Robert Halver (Kolumnist)Lesedauer: 5 Minuten

Baader-Bank-Chefanalyst Robert Halver „Gott gibt nach, Donald Trump nie“

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Bei einem munteren Zoll-Wettrüsten erlebt die Weltkonjunktur den Aschermittwoch und der globale Wohlstand den Karfreitag ohne Hoffnung auf Wiederauferstehung. In der Eurozone und insbesondere in Deutschland würde die Schleifung des Außenhandels zu dramatischen Überkapazitäten führen. Die Gefahr einer Deflation, dem Grundübel der Volkswirtschaft, wäre real. Die Kurse deutscher Exportaktien würden schmelzen wie Eis in der Sommerhitze.

Doch auch in Amerika würden Wunden geschlagen. Chinas zugehende Importtüren lassen US-Farmer schon jetzt auf ihren Weizen-, Mais- und Sojaernten sitzen wie Glucken auf ihren Eiern, was auch die Verkaufspreise drückt. Sind die Bauern im Mittleren Westen nicht die treuesten Trump-Wähler?

Und was ist, wenn das Beispiel Harley Davidson Schule macht und immer mehr globale US-Konzerne zur Umgehung der Exportzölle in Europa und China nicht mehr in Amerika, sondern in ihren ausländischen Absatzmärkten produzieren? Überhaupt, die in Amerika produzierende deutsche Autoindustrie wirkt dem US-Handelsbilanzdefizit mit einem Exportanteil von 60 Prozent entgegen. Und sie beschäftigt ca. 120 Tausend Mitarbeiter. Für viele amerikanische Arbeitnehmer ist es ökonomischer Selbstmord, über Trumps Handelspolitik entzückt zu sein.

Übrigens, das Trump-Bashing der früheren Verbündeten wird den geostrategischen Einfluss der USA immer mehr schwächen. Der US-Präsident sollte nicht vergessen, dass Europa als Gegenleistung für den Schutz von Uncle Sam vor dem „bösen Iwan“ auch massenhaft amerikanische Musik, Fernsehserien und Konsumgüter aufs Auge gedrückt wurde.

Protektionismus bedroht Unabhängigkeit der Geldpolitik

Übrigens, da die heimischen Produzenten vor ausländischer Billigkonkurrenz geschützt werden sollen, führen Importzölle z.B. auf Aluminium natürlich zu steigenden Preisen. Und da die amerikanische Binnennachfrage nicht mehr durch kostengünstige Auslandsware - aus China kommt doch bislang so ziemlich alles - sondern vor allem national befriedigt werden muss, kommt es zu dramatischen Kapazitätsüberlastungen in der Industrie. Dass alle steigenden Preise weitergeleitet werden, kann man aktuell bereits an teurerem Bier - was man in Amerika halt so Bier nennt - in Aluminiumbüchsen ablesen.

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