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Anti-Brexit-Demonstration vor dem Parlament in London: Europa steht im Regen, sagt Baader-Bank-Chefanalyst Robert Halver. | © Getty Images

Baader-Bank-Chefanalyst Robert Halver

„In Washington sitzt ein Nero an den Machthebeln“

Es war einmal der „Westen“, nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang ein Wertebündnis, das Freiheit, Sicherheit und Wohlstand bescherte. Unter Führung der USA war der Westen damals geo- und wirtschaftspolitisch das Maß aller Dinge. Mittlerweile jedoch sind Zerfallserscheinungen unverkennbar.

Wenn der US-Präsident von America First spricht, meint er Trump First

Robert Halver
Foto: Baader Bank

Heute sitzt in Washington ein Nero an den Machthebeln, der, wenn es ihm persönlich nutzt, keine Hemmungen hat, verbrannte Erde zu hinterlassen. Klug wäre es, mit Europa eine starke gesamtwestliche Strategie gegen China zu verfolgen. Stattdessen nimmt er mit feindlichen Aktionen gegen die „Verbündeten“ in der EU die Nestbeschmutzung des westlichen Bündnisses bewusst in Kauf, weil es im Präsidentschaftswahlkampf gut ankommt. Dieser Narzisst interessiert sich nicht für Amerika oder den Westen, es geht nur um ihn.

Die USA befinden sich in der geopolitischen Rezession

Dazu passt auch der Rückzug amerikanischer Truppen aus Nord-Syrien. Das ist Hochverrat an den Kurden, die bislang für Amerika im Kampf gegen den IS die Drecksarbeit machen durften. Für amerikanische Wähler mag Syrien weit weg sein. Doch hat Trump damit die Zündschnur am Pulverfass Naher Osten angezündet. Erst durch den Truppenabzug hat sich Erdogan getraut, einen Expansionskrieg in Nord-Syrien zu starten, der von seinen großen innenpolitischen Problemen ablenken soll.

Wenn sich die Supermacht USA geopolitisch zurückzieht, schneidet sie sich ins eigene Fleisch. Im Hintergrund reibt sich Putin bereits freudig erregt die Hände, der das amerikanische Machtvakuum im Mittleren Osten mit Hilfe seines nützlichen türkischen Erfüllungsgehilfen füllen wird. Wenn jetzt Trump plötzlich wegen der absehbaren Militäroffensive Sanktionen gegen die Türkei verhängt, hat das nichts mit selbst erklärter „großer und unübertroffener Weisheit“ zu tun, sondern mit spätrömischer Dekadenz. Nach 1.000 Tagen Trump im Oval Office zerrinnt Amerikas geopolitische Reputation wie Sand in einer Sanduhr.

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