Robert Halver (Kolumnist)Lesedauer: 4 Minuten

Baader-Bank-Chefanalyst Robert Halver Italien begräbt endgültig die europäische Stabilität

Seite 2 / 2

Das brächte ihre bereits durch notleidende Kreditbestände angeschlagenen Bilanzen noch mehr in Bedrängnis. Stoßen sie diese Papiere ab, verschärfen sie die italienische Schuldenkrise weiter, was wiederum die Bankenkrise dramatisiert.

Bitte keine sozialistische Kreditrisikoumverteilung

Wundert es da, dass Italien zur Bankensanierung auf Amore zu einer gemeinsamen Europäischen Einlagensicherung macht? Das wäre die Vergemeinschaftung der gigantischen eurozonalen faulen Kredite in Höhe von ca. 760 Milliarden Euro. Der größte Fäulnisgestank kommt dabei aus Zypern, Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. Schon kleine Bankenkrisen würden das bislang solide deutsche Einlagensicherungssystem zerrieben wie Parmesan in der Reibe.

Deutsche Sparer zahlten die Zeche. Das Sicherheitsversprechen der Kanzlerin von 2008 in puncto deutscher Spareinlagen wäre nur noch eine schöne Illusion. Diese Schnapsidee muss Berlin verhindern. Länder wie Italien müssen ihre Bankenaltlasten selbst im Griff haben. Bis dahin jedoch wird wohl mindestens noch die Wassermenge des Pazifiks den Tiber herunterlaufen. Und aus dem Erdkundeunterricht wissen wir, dass der Tiber kein großer Fluss ist. Überhaupt, welchen Anreiz hat Italien, seine Banken zu sanieren, wenn ihre Risiken vom sozialistischen Euro-Einlagensicherungssystem getragen werden? 

Theoretisch ist Italien pleite, aber…

Dennoch muss eine Lösung für Bella Italia her. Die EU-Kommission muss Italien bis zum 30. November Feedback zu seinem Budgetentwurf 2019 geben. Bis dahin wird es zwischen Brüssel und Rom Schaukämpfe und als Showdown sogar ein Verfahren gegen Italien geben. Doch sind dies bekannte Rituale, die am Ende immer den Charakter von „Keine Angst, der beißt nicht, der will nur spielen“ hatten. EU und EZB wissen, dass sie mit Italien im selben Boot sitzen, auf der „Eurotanic“. Bei einem römischen Bankrott wird Italien zu einem Schulden-Eisberg, dem die europäischen Finanz-Schotten nicht standhalten.

Also wird Brüssel an Italien kein Exempel statuieren. Eine italienische und damit finale Euro-Krise wird man nicht riskieren. Wie immer wird ein typisch europäischer schmutziger Kompromiss gefunden, der Italien und Europa wieder einen Zeitgewinn bringt. Und danach kommt der nächste Winkelzug. Und eher wird das Kolosseum in Rom zur modernen Sportarena umgebaut, als dass die EZB ihre italienische Rettungsmission aufgibt. Also geht Italien praktisch nicht Pleite und die Banken bleiben über Wasser.

Die Anleihe- und Aktienmärkte zeigen sich bereits wieder optimistisch. Sie wissen, dass Europas Staatsschuldenkrisen seit 2008 nur durch (geld-)politische Rettungsaktionen zu verhindern waren, sind und bleiben. Auch in Italien wird am Ende wieder alles „gut“.

Italien sorgt für das endgültige Ende der europäischen Stabilität. Wie im berühmten Italo-Western von Sergio Leone wird die Mundharmonika bereits geblasen.

Mehr zum Thema
Ausgabe Oktober 2018Deutschlands größte Fondsstatistik Wachtendorf-KolumneGuck mal, eine Amazon – und da, noch eine Chefvolkswirt der CommerzbankDie Folgen der Bayern-Wahl für Merkel und die Märkte