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Baader-Bank-Chefanalyst Robert Halver „Zunächst kommen alle in den gleichen Sack“

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Das gilt zum Beispiel für Länder in Südamerika. Dagegen verfügen vor allem asiatische Schwellenländer über Export- und Leistungsbilanzüberschüsse. Ihre Währungen werden also nicht ver-, sondern gekauft. Nicht zuletzt betreibt die US-Notenbank trotz mittlerweile sieben Zinserhöhungen eine insgesamt zahme Geldpolitik. Sie weiß, dass deutliche Zinserhöhungen wie zwischen 2004 und 2006 zu einer massiven Kapitalflucht aus den Schwellenländern nach Amerika führen und die Welt (finanz-)wirtschaft ins vielleicht finale Elend stürzen.

Grafik: US-Notenbankzins und Aktienmärkte der Schwellenländer

Der türkische Exportmarkt wird für Europa Schaden nehmen. Denn je stärker der Kursverfall der türkischen Lira, umso schwächer die Kaufkraft der Kunden am Bosporus für deutsche Exportgüter. Auf der deutschen Hitliste der Handelspartner steht die Türkei mit Platz 16 allerdings nicht weit vorne.

Bedenklicher ist die türkische Krise für europäische Banken. Circa 200 Milliarden Euro stehen im türkischen Kredit-Feuer. Theoretisch ist das der Stoff, aus dem die Alpträume für die Finanzindustrie sind. Praktisch wäre es aber absurd, wenn die EZB nach 10 Jahren der kontinuierlichen geldpolitischen Rettung Europas vor jeder Krise jetzt eine massive Bankenkrise zuließe, die EU und Eurozone auch konjunkturell und (sozial-)politisch so stark schwächte, dass der europäische Zusammenhalt vor der Scheidung steht. Nein, solange es Krisen gibt, wird auch morgen und übermorgen noch fröhliche Rettungs-Musik aus allen Radios der EZB ertönen.

Selbst die Angsthasen an den westlichen Aktienmärkten zeigen sich nach anfänglicher Nervosität zuletzt weniger irritiert: Nach zahllosen Krisen aller Art seit 2008 haben sich Aktienanleger viel Hornhaut zugelegt. Auch eine Währungskrise in der Türkei wird keinen Crash auslösen.

Gegen die Finanzmärkte zieht selbst der türkische Staatspräsident den Kürzeren.  

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