Die deutsche Finanzbranche steht 2025 vor komplexen Herausforderungen und damit auch die Versicherer. So sieht es zumindest die Finanzaufsicht Bafin. „Es gibt zurzeit nicht das eine, zentrale Risiko. Die Lage ist vielschichtig“, sagte Bafin-Präsident Mark Branson bei der Vorstellung des Berichts „Risiken im Fokus der Bafin 2025“.

Mit der vierten Auflage des jährlichen Risikoausblicks zeigen die Finanzaufseher die aus ihrer Sicht zentralen Themen und relevanten Trends auf, mit denen sich die Unternehmen des Finanzsektors aktuell beschäftigen sollten. Gleichzeitig gibt die Bafin einen Ausblick auf die Aufsichtsschwerpunkte im laufenden Jahr. Für die Unternehmen ist der Bericht damit aus Sicht der Verfasser eine gute Richtschnur für das eigene Risikomanagement.

Schadenssummen der Versicherer bereiten Sorge

Branson sieht vor allem die zunehmenden physischen Risiken des Klimawandels wie extremes Wetter oder Naturkatastrophen in Form großer Brände, Dürren oder Überflutungen mit Sorge. Diese schlügen sich in den Kreditportfolios der Banken und den Schadenssummen der Versicherer nieder. „In Europa könnten mehr als 30 Prozent des jährlichen Schadenbudgets für Naturkatastrophen schon in den ersten Tagen des Jahres aufgebraucht werden.“

Ein besonderes Problem: Für viele der aktuellen Risikotreiber fehlten historische Erfahrungswerte. Umso wichtiger sei es, dass die Unternehmen des Finanzsektors in Szenarien denken, Risiken klug steuern und sich mit gut gefüllten Kapital- und Liquiditätspolstern gegen mögliche Schocks wappnen.

Bafin sieht sechs zentrale Risiken

Die Bafin identifiziert in ihrem Risikoausblick, an welchen Stellen das Finanzsystem in Deutschland besonders verwundbar ist und welche Gefahren die Finanzstabilität oder die Integrität der hiesigen Finanzmärkte am meisten gefährden können. Insgesamt nimmt die Bafin sechs Risiken besonders in den Blick:

  • Risiken aus Korrekturen an den Immobilienmärkten
  • Risiken aus signifikanten Korrekturen an den internationalen Finanzmärkten
  • Risiken aus dem Ausfall von Unternehmenskrediten
  • Risiken aus Cyber-Vorfällen mit gravierenden Auswirkungen
  • Risiken aus unzureichender Geldwäscheprävention
  • Risiken aus Konzentrationen bei der Auslagerung von IT-Dienstleistungen

Greenwashing bleibt ein Nachhaltigkeitsproblem

Neben den Risiken sind auch drei „Trends“ im Blick der Bafin: Nachhaltigkeitsprobleme, Umbrüche in der Geopolitik und Digitalisierung.

Zu den physischen Risiken des fortschreitenden Klimawandels kommen aus Sicht der Behörde die Unsicherheiten und Kosten des Umbaus hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft. Die Finanzaufsicht sieht auch die Gefahr von „Greenwashing“ noch nicht gebannt, also den Versuch, Finanzprodukte ohne sachliche Grundlage als besonders umweltfreundlich oder verantwortungsbewusst zu verkaufen.

 

Branson in seiner Rede: „Die Unternehmen haben im Management ihrer Nachhaltigkeitsrisiken grundsätzlich Fortschritte gemacht. Aber es gibt noch Verbesserungspotenzial.“

Neue IT-Risiken durch Quantencomputer

In Sachen Digitalisierung und IT-Sicherheit beschäftigten die Aufsicht die zunehmenden Cyberrisiken und der verantwortungsvolle Einsatz von Künstlicher Intelligenz, die Schwankungsbreite der Marktbewertung von Kryptowerten sowie neu der Einsatz von Quantencomputern. So könnten laut Branson zurzeit als sicher geltende Verschlüsselungs- verfahren für Daten künftig von Quantencomputern ohne weiteres überwunden werden. 

Der Bafin-Präsident: „Viele Unternehmen wissen um diese Risiken und haben in ihre IT-Sicherheit investiert. Uns ist es wichtig, dass die Unternehmen weiter kontinuierlich die aktuellen Bedrohungen überwachen, sich auf Ernstfälle vorbereiten und ihre Sicherheitsmaßnahmen anpassen.“ Und weiter: „Die Unternehmen müssen resilient sein – gegen finanzielle und operationelle Risiken.“ Die guten Erträge aus 2024 sollten die Unternehmen nutzen, um in ihre IT-Sicherheit zu investieren.  

Geopolitische Krisen verschärfen aufsichtlich relevante Risiken 

Branson erwartet, dass sich Abschottungstendenzen von Märkten und zunehmende Spannungen zwischen Staaten fortsetzen, mit Auswirkungen auf das gesamte Finanzsystem. Geopolitische Krisen sind nach Ansicht der Finanzaufsicht zwar keine eigenständige Risikoart, könnten aber die aufsichtlich relevanten Risiken beeinflussen und auch verschärfen. Gerade das Finanzsystem in Deutschland sei dafür anfällig wegen der engen internationalen Handelsverbindungen und der hohen Exportquote seiner Wirtschaft.