Bafin hat ermittelt Wie deutsche Verbraucher die Mifid-II-Regeln empfinden

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4. Produktinformationen 

Fast zeitgleich mit Mifid II ist die Priips-Verordnung in Kraft getreten. Wirksam ist sie zunächst nur für Zertifikate, Derivate und Fondspolicen. Publikumsfonds wurde aufgrund der Komplexität eine Übergangsfrist bis 2022 eingeräumt. Gemäß Priips sollen Informationen über Finanzprodukte dem Kunden übersichtlich und einheitlich präsentiert werden. Ein standardisiertes Basisinformationsblatt soll für Klarheit sorgen.

Auch hier zunächst Ernüchterung: Nur rund jeder vierte Kunde, der seit Priips-Start ein solches Finanzprodukt erworben hat, hat von der Umgestaltung überhaupt etwas bemerkt. Von denen, die eine Änderung wahrgenommen haben, empfindet die Hälfte diese als Verbesserung. Ein Drittel würde aber auch lieber wieder zu den alten Informationsblättern zurückkehren. Wieso die Produktinformationen vor Priips besser gewesen sein könnten? Je etwa die Hälfte der Fans der alten Darstellungsweise bezeichnet diese als übersichtlicher, transparenter und vom Inhalt verständlicher – ironischerweise genau das Ziel, das mit der Neugestaltung erreicht werden sollte.  

Unter den Käufern von Fondspolicen hatte immerhin jeder dritte das neue Basisinformationsblatt gelesen. Ob es allerdings geholfen habe, das Produkt besser zu verstehen, darüber waren sich die Fondspolicen-Käufer uneinig: Rund die Hälfte der Leser des Informationsblatts fand „ja“, die andere „nein“.

Fazit

Und was folgern nun die Verbraucher für sich aus den veränderten Spielregeln im deutschen Finanzvertrieb? Fast zwei Drittel der Kunden, die seit Mifid-II- und Priips-Start ein Finanz- oder Versicherungsprodukt gekauft haben, sagen: Gar nichts, ihr Anlageverhalten sei gleich geblieben.

Zumindest die Hälfte bezeichnet die Änderungen trotzdem als Gewinn für Anlegerschutz und Produktaufklärung. Ein Drittel mag sich nicht festlegen. Uneins sind sich die Kunden ebenso bei einem Thema, das im Finanzvertrieb immer wieder als Argument gegen neue Regulierung herhalten muss. Es lautet: Die Kunden fänden die neuen Regeln in der Praxis zu aufwendig.

Stimmt nur bedingt, haben die Studienautoren dagegen herausgefunden. Denn gefragt, ob sie den Aufwand beim Wertpapierkauf in Ordnung finden, antwortete je ein Drittel, dass es ihn „sehr gut“ beziehungsweise „weniger oder überhaupt nicht gut“ finde. Ein weiteres Drittel mochte sich nicht festlegen.