Die KI-Revolution steht vor der Tür des Finanzsektors – und die Aufsicht klopft mit an. Mit dieser Botschaft eröffnet Jan Kiefer von der Bafin seinen Vortrag zur EU-KI-Verordnung auf der „AI in Banking“-Konferenz des Handelsblatts. Der IT-Experte der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht skizziert einen Fahrplan, der die Finanzbranche in den kommenden Jahren grundlegend verändern könnte.
Die KI-Verordnung ist am 1. August in Kraft getreten. „Aber jetzt fragt man sich natürlich, muss ich jetzt sofort compliant mit allem sein, was in der KI-Verordnung steht?“, fragt Kiefer zum Auftakt. Nur um die Antwort direkt zu geben: „Dem ist nicht so.“ Er verweist auf eine Timeline bis zum 2. August 2027, entlang derer verschiedene Anforderungen schrittweise umgesetzt werden müssen.
Ist die KI-Verordnung ein Schritt nach vorne oder eher ein Hemmnis? Dazu Kiefer: „Aus meiner Sicht ist die KI-Verordnung nicht als Innovationshemmnis zu sehen.“ Er erläutert, dass viele bestehende Regulierungen im Finanzsektor bereits zahlreiche der neuen Anforderungen abdecken.
Kiefer über KI-Hochrisikosysteme
Zur Definition von KI-Systemen erklärt Kiefer: "Die EU hat es sich relativ leicht gemacht und sich mehr oder weniger an den Begrifflichkeiten der OECD erinnert“. Kiefer führt aus, dass KI-Systeme maschinengestützt, autonom und lernfähig sein müssen sowie Schlussfolgerungen und Vorhersagen treffen können.
Besondere Aufmerksamkeit widmet er den Hochrisikosystemen: „Wenn Sie solch ein System einsetzen, zum Beispiel im Bankenbereich, Kreditvergabe und Credit Scoring, dann müssen Sie dafür sorgen, dass man anhand von bestimmten Kriterien ein Konformitäts-Assessment durchführt, und das ist eigentlich alles.“
Für Finanzinstitute empfiehlt Kiefer, KI-Systeme schon mal zu inventarisieren und Risikoklassen zu bestimmen.
Bafin will KI-Austausch fördern
Zudem wirbt Kiefer für ein neues Format der Bafin: „Wir haben letztes Jahr ein Austauschformat geschaffen zwischen Industrie und Aufsicht. Institute und Unternehmen - Versicherer sind auch dabei – haben die Möglichkeit, ihre KI-Initiativen mit uns im direkten Austausch zu diskutieren.“
Er betont den Wert eines solchen Formats: „Wenn bestimmte Use Cases diskutiert werden und bestimmte Unternehmen dort regulatorische Probleme haben, dann gibt es aufgrund der Menge an Unternehmen, die dort sind, immer jemand, der eine Lösung dafür hat.“