Schlag gegen Cyberkriminelle geglückt, darunter auch solche, die arglose Anleger über den Tisch ziehen wollten – diesen Erfolg meldet aktuell die Bafin. Die Behörde hat gemeinsam mit dem Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg und der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe im Rahmen der „Operation Herakles“ insgesamt 3.562 überwiegend deutsche Telefonnnummern abgeschaltet. Kriminelle hätten sie mutmaßlich für Betrugsdelikte genutzt.

Betrüger nutzen Rufnummern als „Crime-as-a-Service"

Die Maßnahme galt betrügerischen Online-Plattformen, über die Kriminelle gezielten Online-Anlagebetrug, aber auch andere Betrugsformen begangen hätten, darunter mit Maschen wie dem „Enkeltrick“.

Internationale Betrugsnetzwerke würden Rufnummern und Telekom-Dienstleistungen vielfach einfach mieten und über sie massenweise Straftaten begehen, so die Bafin. Sie habe durch ihre Erkenntnisse wesentlich dazu beigetragen, dass entsprechende Nummern ermittelt werden konnten, berichtet die Finanzaufsicht nicht ohne Stolz.

Mit der „Operation Herakles“ wollten die teilnehmenden Behörden spezielle Infrastruktur, die für Cyber-Betrugsstraftaten genutzt worden sei, „nachhaltig zerstören“. Bereits im Juni und Oktober 2025 habe man mehr als 2.200 mutmaßlich für derartige Straftaten genutzte Domains vom Netz genommen. „Die nun abgeschalteten Rufnummern stehen für tausende potenzielle Betrugsversuche, die wir damit verhindert haben“, sagt Generalstaatsanwalt Jürgen Gremmelmaier.

Internationale Zusammenarbeit: Auch österreichische Nummern betroffen

Neben den deutschen Telefonnummern schalteten die Behörden in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bundeskriminalamt auch 355 österreichische Festnetznummern ab. Alle identifizierten Rufnummern seien durch die verantwortlichen Provider deaktiviert worden.

Bafin: Gewaltiges Ausmaß des Betrugs wird deutlich

Bafin-Exekutivdirektorin Birgit Rodolphe betont das Ausmaß des Problems: „Täter nutzen oft das sogenannte ‚Crime as a Service', bei dem sie arbeitsteilig vorgehen, um möglichst viele Anlegerinnen und Anleger in die Falle zu locken.“

Die „Operation Herakles“ zeige jedoch, dass Kriminalität auch durch das Abschalten von Rufnummern bekämpft werden könne. Entscheidend seien die enge Zusammenarbeit der Behörden und der vermehrte Einsatz von IT-gestützten Ermittlungsansätzen.

Weitere Maßnahmen angekündigt

Das Cybercrime-Zentrum und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg kündigten an, auch weiterhin entsprechende Internet-Straftaten in Kooperation mit der Bafin bekämpfen zu wollen.

Telefonbetrug könne in unterschiedlichen Formen geschehen, erinnert die Bafin. Das Ziel der Kriminellen - möglichst viel Geld und Wertgegenstände zu erbeuten - bleibe jedoch stets dasselbe. Täter würden als falsche Polizisten oder Staatsanwälte, falsche Bankangestellte oder Anlageberater auftreten. Oft spielten sie am Telefon erlogene Geschichten vor, um Verbraucher dazu zu bewegen, ihnen ihr Erspartes zu überlassen.