Rund 35 Prozent mehr Verbraucherbeschwerden als im Vorjahr verzeichnete die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) im Jahr 2025. Laut einem Bericht der Verbraucherschlichtungsstelle liefen im vergangenen Jahr dort 1.521 Anträge ein. Mit 767 Anträgen zu Wertpapiergeschäften, die speziell das „Neo-Brokerage“ betrafen, entfällt über die Hälfte aller Schlichtungsverfahren auf diese junge Marktteilnehmergruppe.

An der Spitze der Beschwerdeliste: Depotüberträge, die sich über Monate hinziehen, fehlende oder fehlerhafte Anschaffungsdaten von Wertpapieren sowie Fehler beim Steuerabzug bei Dividenden und Verkaufserlösen. Die Probleme seien „bei bestimmten Instituten vermehrt“ aufgetreten, formuliert es die Bafin. 

Neobroker im Fokus 

Welche Institute gemeint sind, lassen die Finanzaufseher in ihrem Bericht offen. Es liegt jedoch nahe, dass der Berliner Neobroker Trade Republic für viele Fälle verantwortlich zeichnen dürfte. Im vergangenen Jahr hatten Verbraucherzentralen bundesweit allein zwischen Januar und September mehr als 300 Beschwerden über das Berliner Unternehmen registriert

Stiftung Warentest schrieb im vergangenen Dezember: „Die Service­probleme bei Neobrokern reißen nicht ab“. Konkret der Kunden­service von Trade Republic verärgere zahlreiche Kunden. Kunden hätten sich oft über „unzu­läng­liche Stan­dard­antworten und Probleme beim Depot­über­trag“ beschwert.

Die Dimension der Probleme wird in Einzelfällen deutlich: Medienberichte dokumentieren Depotüberträge, die teilweise neun Monate dauerten, Kunden berichteten von wochenlangen Wartezeiten auf Antworten des Kundenservice. Bei internationalen Depotüberträgen zu Trade Republic kam es laut Berichten vor, dass das Unternehmen seine Kunden Wochen nach dem Transfer aufforderte, die Wertpapiere wieder zurückzutransferieren – weil die technische Umsetzung nicht funktionierte.

Besonders problematisch: Fehlen die Anschaffungsdaten beim Depotübertrag, drohen Kunden steuerliche Komplikationen. Denn ohne korrekte Kaufkurse können Gewinne nicht exakt berechnet werden – im schlimmsten Fall führt das zu falschen Steuerabrechnungen oder aufwändigen Korrekturen beim Finanzamt.

Neben Trade Republic auch Probleme bei Scalable 

Neben Trade Republic wird in einem Bericht von „Stiftung Warentest“ auch Scalable Capital genannt. Der Anbieter hatte Ende 2025 Depots seiner Kunden auf eine eigene Plattform migriert. Der Bericht erwähnt Schwierigkeiten beim Übertrag, insbesondere fehlende Kaufkurse - ohne jedoch einen Zusammenhang konkret zur Migration der Plattform herzustellen. Auch inwiefern die genannten Beschwerden bei der Schlichtungsstelle der Bafin und damit bei der letzten Beschwerdeinstanz landeten, bleibt unklar. 

Die Bafin reagierte bereits im August 2025 mit einer Aufsichtsmitteilung, in der sie von Brokern forderte, Kunden besser über Einschränkungen zu informieren und Anfragen zügiger zu beantworten. Die Finanzaufsicht betonte, Beschwerden „sehr ernst“ zu nehmen.

Immerhin: Die Bafin-Schlichtungsstelle konnte 2025 in etwa 50 Prozent der zulässigen Fälle eine einvernehmliche Lösung erzielen. In 288 Fällen erkannte das Unternehmen das Anliegen der Antragsteller vollständig an, heißt: Das Unternehmen gab dem Kunden in diesen Fällen vollständig recht und erfüllte dessen Forderung.

Die Schlichtung der Bafin ist für Verbraucher kostenlos und lässt sich online über die Bafin-Website erreichen. Die durchschnittliche Verfahrensdauer liegt bei 49 Tagen.