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Bafin-Tipps Finanz-Coaching: Wie man unseriöse Angebote erkennt

Junger Mann steckt Geld in Sakko.
Hohe Gewinne: Online-Finanz-Coaches verdienen oft mit fragwürdigen Methoden ihr Geld. | Foto: Imago images / emil umdorf

Lifecoaching- und Selbstmanagement-Angebote sind im Trend – auch wenn es um die privaten Finanzen geht. Wer sich beispielsweise auf Youtube, Tiktok, Twitch, Pinterest oder im klassischen Internet umsieht, findet eine schier unendliche Fülle an Finanz-Coachings, -Mentorings oder -Workshops. Wobei umsehen oft gar nicht erforderlich ist. Wer mit seinen Daten eine untrügliche Spür in Sachen Geldanlagethemen legt, ist dank permanent ausgespielter Werbung schnell drin in einer Welt voller Versprechen.

Meistens geht es um das Mindset, nicht um Finanzwissen

Eine häufige Botschaft: Die persönliche Motivation und Einstellung in Bezug auf Finanzthemen und Geldanlage – neudeutsch Mindset – sind der Schlüssel zum Erfolg. Eher zweitrangig scheint die tatsächliche Vermittlung bestimmten Wissens zu Geldanlagethemen. In den Online-Programmen gegen Honorar geht es unter anderem um Strategien gegen die „Aufschieberitis“, Tipps zu bestimmten Vermögenswerten oder Erläuterungen, wie man in Kryptowerte investiert.

Die Thematik ist gewiss nicht neu. Doch aufgrund einer nicht zu übersehenden Flut selbsternannter Finanzexperten, vor allem in den sozialen Medien, sieht nun offenbar auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) Handlungsbedarf und veröffentlicht grundlegende Hinweise im Umgang mit den Tipps der Anbieter.

Coaching ist keine Beratung und braucht keine Ausbildung

Da die Bandbreite in Sachen Coaching, Mentoring oder Workshop riesig ist, will die Bafin auch kein pauschales Urteil fällen. „Ob ein Coaching Ihnen einen Mehrwert bringen kann, hängt davon ab, ob es zu Ihren Vorkenntnissen und Erwartungen passt, und Sie das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt“, schreibt die Behörde. Die Programme könnten Interessierten helfen, Investmentprodukte auszuwählen und Geldanlagen zu tätigen, wenn auch ohne Beratung. „Wenn es das ist, was Sie suchen, können seriöse und bedarfsgerechte Angebote einen Mehrwert bringen.“

Doch die Bafin schiebt eine Warnung hinterher: „Finanz-Coaches oder Mentoren müssen in der Regel kein Fachwissen und keine Coaching-Ausbildung haben, um Kurse und Workshops anzubieten. Wenn sie aber Anlagestrategie und -empfehlungen geben, müssen sie dies in der Regel bei der Bafin anzeigen. Betreiben sie sogar Anlageberatung oder Finanzanlagenvermittlung, benötigen sie eine Erlaubnis der Bafin oder der zuständigen Gewerbeaufsichtsbehörde.“ Zudem muss dieser Personenkreis anders als zugelassene Finanzanlagenvermittler nicht für die gegebenen Tipps und Ratschläge haften. Die Bafin nennt das ein „risikoloses Geschäftsmodell“. 

 

Fünf Tipps, um unseriöse Angebote zu identifizieren

Da es für die Coaching-Qualität, Inhalte, Form und das Fachwissen der handelnden Personen keine verbindlichen Vorgaben gibt, sind Interessierte oft selbst in der Verantwortung, seriöse von unseriösen Angeboten zu selektieren. Die Bafin nennt einige Merkmale für höchstwahrscheinlich dubiose Coaching-Angebote, die bei der Entscheidungsfindung helfen sollen:

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  • überzogene Werbeversprechen (beispielsweise hohe zweistellige Renditen, die angeblich mit den Tipps aus dem Coaching realisiert werden können), oft in Verbindung mit dem dann nicht näher erläuterten Begriff „passives Einkommen“,
  • angebliche Geheimtipps oder Strategien, die bislang vermeintlich nur einem bestimmten Personenkreis vorbehalten gewesen sein sollen,
  • Übertriebener Personenkult um die Betreffenden, die sich in den Mittelpunkt stellen und feiern lassen,
  • Zusatzseminare und Kurse, die zusätzlich zum Coaching gebucht werden müssen,
  • anbieterseitiges Drängen, den Coaching-Vertrag schnell abzuschließen.

Problem: Nicht alle Finanz-Coachings, die keines der in der Checkliste genannten Merkmale erfüllen, sind automatisch seriös, so die Aufsichtsbehörde. Doch die dazugehörige Empfehlung beschränkt sich darauf, die Auftritte im Internet oder in den sozialen Medien kritisch zu betrachten und den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Ergänzende Tipps gibt es noch bei der Verbraucherzentrale, so die Bafin. Eine gute Anlaufstelle dürfte aber auch der Deutsche Coaching Verband sein.

Mit welchen Tricks Coaches arbeiten

Viele Coaches machen sich laut Bafin auch die Verhaltensforschung zunutze. Häufig werde indirekt Druck ausgeübt durch den Hinweis, dass Plätze für das Coaching sehr begrenzt und bereits fast alle belegt sind. So entstehe der Eindruck von einem knappen, qualitativ hochwertigen Angebot. Kritisch zu sehen sei auch, wenn man Informationen über die Kosten des Coachings erst bekommt, wenn man sich mit seinen persönlichen Daten registriert hat.

Mit Vorsicht zu genießen seien auch werbliche Formen des Storytellings. Dabei gehe es häufig um Anlagepleiten, die Coaches infolge einer schlechten Beratung von Fachleuten angeblich erlitten haben. Häufig behaupteten sie auch, dass sie weit überdurchschnittliche Anlageerfolge mit der Strategie erzielt haben, die sie jetzt im Coaching weitergeben wollen. Der Rat der Bafin: „Nutzen Sie Vorgespräche und Testcoachings, um die Geschichten zu hinterfragen.“

 

Kommerzielle Eigeninteressen abseits des Coachings

Die Bafin warnt darüber hinaus, dass viele Coaches Eigeninteressen verfolgen. So würden sie ihre Produktpalette bewerben, beispielsweise ihre automatisierte Anlageberatung (Robo-Advice). Andere kassierten Provisionen, beispielsweise wenn Teilnehmer aufgrund des Coachings ein Depot bei einer bestimmten Bank eröffnen oder gewisse Websites oder bestimmte Links nutzen, die direkt auf Anbieterseiten führen (Affiliate Links). Solche Links müssen als „kommerzielle Kommunikation“ gekennzeichnet sein. Teilnehmer können laut Bafin aber oft nicht erkennen, ob beziehungsweise inwieweit die Handelnden eigene Interessen verfolgen, wenn sie Tipps abgeben, die zu solchen Links hinführen.

Wer sich trotzdem für ein Coaching entscheidet, sollte auch die oftmals hohen Kosten im Blick behalten. Die Bafin liefert hierfür eine Beispielrechnung: Kostet ein Coaching 2.700 Euro müsste ein Einmalbeitrag von 10.000 Euro über fünf Jahre zu einer Rendite von 4,8 Prozent pro Jahr angelegt werden, damit die Kosten fürs Coaching wieder reingeholt werden können.

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