Stuart Dunbar (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Baillie-Gifford-Partner Stuart Dunbar Von der Kunst, nichts zu tun

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Denn erfolgversprechende Wachstumsunternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell lassen sich in der Regel durch temporäre Turbulenzen nicht aus der Bahn werfen. Es besteht also keine Veranlassung, eine Beteiligung an ihnen vorschnell abzubauen. Im Gegenteil bietet sich in Phasen starker Kursrückgänge die Möglichkeit, gegebenenfalls günstig nachzukaufen.

Nach diesem Prinzip haben wir uns in allen Marktkrisen der vergangenen zwanzig Jahre ohne Ausnahme verhalten. Wir haben die Füße stillgehalten und uns auf das beschränkt, was wirklich notwendig ist: die Beantwortung der Frage, ob ein Investment Case durch die jeweilige Krise nachhaltig tangiert ist oder nicht. Allein die Klarheit darüber ist für uns handlungsbestimmend.

An den Panikverkäufen am Markt haben wir uns daher nicht beteiligt, und somit auch keine Impulse für weitere Kursrückgänge gegeben. Natürlich hatten die Marktbewegungen Auswirkungen auf die Wertentwicklung unserer Portfolios. Unsere Erfahrungen mit dem Verlauf von Krisen zeigen jedoch, dass die Wertverluste bisher immer nur temporärer Natur waren, unsere Portfolios langfristig also erfolgreich bleiben konnten.

Dies liegt auch daran, dass wir bei der Auswahl von Wachstumstiteln für unsere Portfolios vor allem solche Unternehmen berücksichtigen, die neben einem zukunftsweisenden Businessmodell zudem über stabile Bilanzen und eine unterdurchschnittliche Verschuldung verfügen. Unternehmen mit diesen Eigenschaften sollte es grundsätzlich leichter fallen, Krisen schnell zu überwinden und gegebenenfalls sogar von ihn zu profitieren.

Krisen, so hört man in diesen Tagen immer wieder, bieten auch die Chance zur Reflexion über das, was künftig besser gemacht werden kann. Im Kontext der Finanzwirtschaft sollte diese Reflexion zu einer Rückbesinnung auf die Idee des eigentlichen Investierens führen. Die grundlegende Idee dieses Konzepts besteht darin, die Ersparnisse der Gesellschaft zu nutzen, um das notwendige Risikokapital für Wachstum bereitzustellen.

Dies fördert den wirtschaftlichen Fortschritt ebenso wie den Nutzen für den Anleger. Das Ideal ist die produktive Investition und nicht die kurzfristige und unproduktive Spekulation, wie sie an den Märkten gegenwärtig leider überwiegend zu finden ist. Wir glauben, dass dies der bessere Weg ist, um überzeugende Renditen für Anleger zu erzielen, einen Beitrag zum wirtschaftlichen Wohlstand zu leisten und die Finanzmärkte gegenüber Krisen resilienter zu machen.

Autor Stuart Dunbar ist Partner beim schottischen Vermögensverwalter Baillie Gifford und insbesondere für die Kundenberatung zuständig.

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