Bald Schluss mit Arbeitgeberbeiträgen? Forscher denken Finanzierung des Sozialstaats radikal neu

Mitarbeiterin einer DHL-Paketverladestation. Ausgangspunkt für die DIA-Studie war der Befund, dass in den meisten Industrieländern seit mehr als 30 Jahren die gesamtwirtschaftliche Lohnquote zurückgeht. | © Getty Images

Mitarbeiterin einer DHL-Paketverladestation. Ausgangspunkt für die DIA-Studie war der Befund, dass in den meisten Industrieländern seit mehr als 30 Jahren die gesamtwirtschaftliche Lohnquote zurückgeht. Foto: Getty Images

Statt die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung an den Lohn zu koppeln, wird die Finanzierung des Sozialsystems in Zukunft von der gesamten Wertschöpfung des Unternehmens abhängen. Aus Sicht von Wissenschaftler Bert Rürup ist dieses Szenario „durchaus eine realpolitische Option“.

Aber von vorn. Rürup und sein Kollege Dennis Huchzermeier haben eine Studie verfasst, die auf Simulationsrechnungen beruhen, die wiederum das Handelsblatt Research Institute (HRI) im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) erstellt hat.

Das Fazit dieser Simulationsrechnungen hätte massive Umwälzungen für den Sozialstaat zur Folge, sofern man dieses Fazit in die Tat umsetzen würde – allerdings dürfte sich der Aufwand aus Sicht der Forscher durchaus lohnen: „Eine Umstellung der gegenwärtig lohnbezogenen Arbeitgeberanteile zu den Sozialversicherungen auf eine wertschöpfungsabhängige Finanzierungsbeteiligung könnte in der Summe zu gesamtwirtschaftlich positiven Auswirkungen führen“, teilen die Autoren mit.

Und warum das alles?

In den meisten Industrieländern gehe die gesamtwirtschaftliche Lohnquote seit mehr als 30 Jahren zurück, ungeachtet einer Zunahme der Beschäftigung, wissen die Autoren zu berichten. „Hält diese Entwicklung an, hätte dies Folgen für die Sozialversicherungen“, geben die Forscher zu bedenken. Denn deren wichtigste Finanzierungsgrundlage basiere auf den beitragspflichtigen Lohneinkommen.