Moritz Heinrich von der Spielvereinigung Unterhaching gegen Florian Pick vom 1.FC Kaiserslautern im Drittligaspiel: Die Spielvereinigung ist der zweite deutsche Fußballverein nach Dortmund, der an die Börse ging. | © Getty Images

Balla-Balla oder Treffer?

Warum Fußball-Aktien nur zum Fanartikel taugen

Börsennotierte Fußball-Clubs können der Gruppe der Sport-Aktien zugerechnet werden, zu denen zum Beispiel auch Inhaber von Medienrechten, Ausrüster oder Bestandshalter von Sport-Immobilien zählen. Zusammen bilden sie ein Untersegment der globalen Freizeit-, Medien und Konsumwerte. Wir nehmen den geglückten Börsengang der Spielvereinigung Unterhaching Fußball GmbH & Co. KGaA zum Anlass, die Eignung von Aktien und Anleihen aus der Fußballwelt aus Sicht eines Investors zu bewerten.

Internationale Fußball-Aktien: Licht und Schatten liegen eng beieinander

Markus Merkel, Leiter Mandate und Kooperationspartner der Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung

Das investierbare Universum umfasst internationale Clubs. Darunter finden sich so illustre Namen wie Manchester United, Lazio Rom oder auch Ajax Amsterdam. Haching, so der umgangssprachliche Gebrauch der Spielvereinigung Unterhaching Fußball GmbH & Co. KGaA, ist nach Borussia Dortmund im Jahr 2000 überhaupt erst der zweite Verein, der in Deutschland einen Börsengang erfolgreich umgesetzt hat. Die Mehrzahl der Kandidaten ist als spekulative Beimischung für sehr chancenorientierte Anleger einzustufen. Die Bandbreiten der Anlageergebnisse weisen eine außerordentliche Spreizung auf.

Für und Wider der Börsennotierung eines Sportvereins

Ein Börsengang verhilft zur frühzeitigen Refinanzierung der mittelfristigen sportlichen Planung und ermöglicht Investitionen in die Infrastruktur rund um Stadion, VIP-Bereich oder auch Nachwuchsleistungszentrum. In jedem Fall stellt ein IPO eine Steigerung der Außenwirkung dar, zieht neue Sponsoren an und unterstützt bei der Akquise von Leistungsträgern auf und neben dem Platz.

Andererseits könnte der Einfluss des Gesamtvereins auf die Fußballabteilung durch einen Großaktionär verwässert werden und den Schulterschluss mit der Fanbasis aufweichen. Seitens der Ligakonkurrenten könnte ein Wettbewerbsnachteil moniert werden oder der Börsenneuling könnte der Versuchung erliegen, die zugeflossenen Mittel ineffizient und überhastet zu allokieren.

Charakteristika und Erfolgsfaktoren

Fußballaktien sind vielfach als Small Caps einzustufen und weisen als solche häufig eine eingeschränkte Liquidität verbunden mit ausgeprägter Volatilität auf, was institutionelle Investoren eher abhalten könnte. Mit der zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs hat die Bedeutung des Eintrittskartenverkaufs zugunsten von Sponsoringeinnahmen und Merchandising signifikant abgenommen. Eine über Jahre gewachsene, breite Fanbasis ist somit ein ausgeprägtes Positiv-Kriterium. Der mit sportlichem Erfolg verbundene finanzielle Hebel liegt heutzutage jedoch ganz überwiegend in den Cash-Flows aus TV-Einnahmen, die zum Beispiel zwischen der zweiten und dritten Liga in Deutschland etwa beim Faktor zehn liegen. Versteht sich der Verein als Ausbildungsbetrieb für junge Talente und unterhält Kooperationen mit höherklassigen Vereinen, so ist der Erlös aus Spielertransfers nicht zu unterschätzen. Umgekehrt besteht eine hohe Korrelation zu tagesaktuellen Ereignissen wie personelle Umbesetzungen im Trainerstab, der verletzungsbedingte Ausfall von Schlüsselspielern oder die Verfehlung sportlicher Ziele.

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