Die aktualisierte Cyber-Police der Baloise bietet kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) einen erweiterten und modernen Schutz gegen die ständig wachsenden Cyber-Risiken. Dabei ist es gelungen, die Verbesserungen und Erweiterungen auf die aktuellen Herausforderungen und Bedürfnisse der Unternehmen zuzuschneiden. Im Vergleich zu stärkeren Wettbewerbern hatte der alte Tarif doch einige Mankos.

Betriebsunterbrechung durch Ausfall von Dienstleistern

Eine der wesentlichen Erweiterungen in der neuen Tarifgeneration ist die Deckung von Schäden, die durch den Ausfall kostenlos genutzter Cloud-Dienste entstehen. Dies ist besonders relevant für KMU, da viele von ihnen auf solche Dienste zurückgreifen, um Kosten zu sparen und gleichzeitig skalierbare Lösungen für Speicherung und Zusammenarbeit zu nutzen. Bisher waren nur kostenpflichtige Dienste versichert. Die Neuerung stellt einen erheblichen Mehrwert dar und verbessert den Versicherungsschutz deutlich​. Zu beachten ist hier jedoch die Regelung des Sublimits.

In Anbetracht der zunehmenden Bedeutung digitaler Währungen deckt die Baloise nun auch Schäden im Bereich des elektronischen Zahlungsverkehrs, einschließlich Kryptowährungen. Dies ist ein zeitgemäßer und notwendiger Schritt, um den umfassenden Schutz gegen die modernen Bedrohungen des digitalen Finanzsektors zu gewährleisten​. Dieses Feature ist mein persönliches Highlight der Neuerungen, denn das Fehlen war bisher regelmäßig für mich ein K.-o.-Kriterium.

 

Awareness-Maßnahmen, Sachverständigenverfahren und Rabatte

Unternehmen, die Awareness-Maßnahmen über den Dienstleister Perseus nutzen oder neu abschließen, erhalten einen Rabatt von 15 Prozent auf die Versicherungsprämie. Dies ist ein Anreiz für präventive Maßnahmen und trägt zur Erhöhung der Gesamtsicherheit bei. Es unterstreicht die Bedeutung von Prävention im Rahmen des Cyber-Schutzes​. Ob diese Awareness-Lösung oder eines anderen Anbieters besser passt und ob der ausgelobte Rabatt den Preis wert ist, ist dann immer eine individuelle Betrachtung.

Neu ist auch die Integration eines Sachverständigenverfahrens. Sollte es zu Streitigkeiten über die Höhe des festgestellten Schadens kommen, kann ein gerichtlich zugelassener Sachverständiger hinzugezogen werden. Dies bietet den Unternehmen zusätzliche Sicherheit und Transparenz im Schadensfall und stellt sicher, dass faire und genaue Bewertungen vorgenommen werden.

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Ein weiteres Highlight ist die Übernahme von Kosten im Schadenfall für Kulanzgutscheine in Form von Preisnachlässen, Gutscheinen oder Rabatten sowie für die Vereinbarung von Schiedsverfahren. Diese Erweiterungen bieten den Unternehmen zusätzliche Flexibilität und Möglichkeiten, auf Kundenbedürfnisse einzugehen​.

Erweiterter Versicherungsumfang und neue Zielgruppen

Die Baloise hat den Versicherungsumfang nicht nur erweitert, sondern auch den Zugang zur Cyber-Police erleichtert. Mehr Branchen und Berufsgruppen können das Produkt nun über ein vereinfachtes Antragsmodell mit wenigen Risikofragen abschließen. Zu den neu eingestuften Berufsgruppen gehören Steuerberater, Ärzte, Rechtsanwälte, Anwaltskanzleien, Psychologen und Bewachungsunternehmen. So profitieren verschiedene Berufsgruppen, die bisher möglicherweise Schwierigkeiten hatten, einen passenden Versicherungsschutz zu finden. Leider sind dennoch einige Branchen trotz des Updates nicht versicherbar.

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Es wurden auch die preislichen Konditionen der Cyber-Police verbessert. Dies macht sie gerade für KMU noch attraktiver und die Baloise wettbewerbsfähiger. Für größere Unternehmen mit einem Umsatz zwischen zehn und 50 Millionen Euro bietet der Produktgeber weiterhin individuelle Angebote für deren spezielle Bedürfnisse und Risiken.

Vergleich mit den GDV-Musterbedingungen

Die neuen Bedingungen der Baloise stimmen in mehreren Bereichen mit den aktualisierten GDV-Musterbedingungen überein. Diese Entwicklung ist auch bei anderen Marktteilnehmern zu beobachten. Sie bieten Schutz für den Fernzugriff auf Unternehmens-IT-Systeme und decken Schäden durch Manipulation bei externen Dienstleistern ab. Die Baloise geht hier sogar einen Schritt weiter, indem sie, wie erwähnt, auch kostenlose Cloud-Dienste mit einbezieht.

 

Sowohl die Musterbedingungen des Verbands als auch die Baloise-Police berücksichtigen Schadenersatzansprüche aufgrund von Datenschutzverletzungen, die durch die DSGVO entstanden sind. Dies ist besonders wichtig, da die DSGVO hohe Strafen für Datenschutzverletzungen vorsieht​. Beide Richtlinien verlangen ein angemessenes IT-Sicherheitsniveau. Dies umfasst regelmäßige Datensicherungen, starke Passwörter, individuelle Zugänge, Virenscanner und Firewalls. Diese Anforderungen sind essenziell, um den Versicherungsschutz aufrechtzuerhalten und die Risiken zu minimieren​. Im Vergleich gibt es Anbieter, die hier mehr, aber auch solche, die weniger Fragen stellen.

Schäden durch Kriegshandlungen und staatliche Cyberangriffe sind sowohl in den GDV-Musterbedingungen als auch in der Baloise-Police ausgeschlossen. Diese Klarstellung ist wichtig, um die Abgrenzung der Deckung in extremen Szenarien zu verdeutlichen​. Die Konsequenz ist allerdings, dass aus Sicht der Versicherungsnehmer die bisherigen Bedingungen besser waren als die neuen.

Das Fazit

Insgesamt bietet die Cyber-Police der Baloise einen umfassenden und flexiblen Schutz gegen eine Vielzahl von Cyberrisiken. Sie ist daher eine empfehlenswerte Option für KMU, die ihre Cyber-Sicherheit ernst nehmen und auf dem neuesten Stand halten möchten. Die Neuerungen, wie die Versicherung von kostenlosen Cloud-Diensten, Schäden durch digitale Währungen und die Integration eines Sachverständigenverfahrens, machen das Produkt nun attraktiver und zeitgemäßer. Einige Punkte wie die Sublimits oder die Kriegsklausel hätten ein wenig besser geregelt werden können. Somit gibt es auch noch Luft für künftige Tarif-Upgrades.

Über den Autor:

Tino Weissenrieder wurde 1973 geboren. Seit seinem Abschluss im Jahr 2000 an der Hochschule Offenburg ist er Diplom-Wirtschaftsingenieur. Im Anschluss stieg er bei einem führenden Finanzdienstleister für Akademiker in die Finanzbranche ein. Im Jahr 2010 gründete er sein eigenes Unternehmen, die W&K Wirtschaftsberatung in Lahr. Seit 2022 ist Weissenrieder TÜV-zertifizierter Fachberater für Cyber-Risiken.