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Distanzarbeit nach Corona Banken und Versicherer setzen auf Homeoffice

Familie und Arbeit verbinden
Familie und Arbeit verbinden: Während viele Unternehmen und Behörden hierzulande auf eine Präsenzpflicht bestehen, setzen 70 Prozent der Finanzdienstleister dauerhaft auf mehr Homeoffice. | Foto: Anna Tarazevich / Pexels

In den vergangenen anderthalb Jahren mussten sich viele Unternehmen und öffentliche Verwaltungen grundlegend mit ihrer eigenen Arbeitsweise befassen und viel in den organisatorischen Umbau investieren, um auf die Covid-19-Pandemie zu reagieren. Das zeigt die Studie „Potenzialanalyse Organisation x.0“ der Unternehmensberatung Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut, für die im April und Mai 221 Führungskräften in Deutschland befragt wurden, wie sie mit dem aktuellen Veränderungsdruck umgehen und wie groß ihre Bereitschaft zur Neuorganisation ist.

Grafik: Sopra Steria

Der Großteil der Teilnehmer arbeitet bei Finanzdienstleistern, dem verarbeitenden Gewerbe sowie der öffentlichen Verwaltung und Versorgungsunternehmen. Bei 84 Prozent der befragten Arbeitgeber ging es und geht es dabei um die Integration von Homeoffice- und Remote-Arbeit. Das Aufrechterhalten der Arbeitsfähigkeit und des Geschäftsbetriebs aus der Distanz war das am häufigsten genannte Ziel organisatorischer Umbauarbeiten. 63 Prozent der Unternehmen und Behörden stellten beispielsweise Infrastruktur bereit, führten passende Software ein und schulten die Mitarbeitenden und Führungskräfte.

Büros und Messehallen werden nicht verwaisen

Das Arbeiten von zuhause oder unterwegs aus sowie virtuelle Events und Meetings werden kurz- bis mittelfristig allerdings keinen Ersatz für den realen Kontakt mit Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern bedeuten. Nur 46 Prozent der befragten Entscheider glauben daran, dass der Anteil von Remote-Arbeit dauerhaft über 30 Prozent liegen wird. Zum Vergleich: Im März 2021 arbeiteten 32 Prozent der Beschäftigten teilweise oder dauerhaft im Homeoffice. In einzelnen Dienstleistungsbranchen lag der Anteil höher: bei rund 43 Prozent, ergibt eine Erhebung des Ifo-Instituts.

Investitionen in Organisation sollen nicht verpuffen

Viele Unternehmen hatten vor Ausbruch der Pandemie in eine neue Konzepte investiert, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Davon wollen die Firmen profitieren, sobald es die Lage wieder erlaubt. Speziell Finanzdienstleister werden ihren aufgebauten Remote-Arbeitsanteil allerdings beibehalten oder ausweiten. Jeder zweite Versicherer ist beispielsweise in der Lage, Kunden auch per Video-Chat zu beraten. In der verarbeitenden Industrie und der öffentlichen Verwaltung sehen die Befragten Homeoffice dagegen mehrheitlich nicht als Alternative.

Erfahrungen für künftige Hybridmodelle nutzen

„Es ist nicht ratsam, das Rad vollkommen zurückzudrehen. Unternehmen und Behörden sollten schauen, dass sie nachhaltig von den Investitionen in dezentrale Arbeit profitieren“, empfiehlt Sopra-Steria-Manager Martin Weisath. Unternehmen und Behörden sollten vielmehr die Erfahrungen für künftige Hybridmodelle nutzen. In der Industrie setze beispielsweise ein Umdenken ein. Unternehmen haben im Lockdown erkannt, dass sich selbst Arbeiten in der Produktion durch digitale Technologien wie Augmented Reality (AR) aus der Distanz erledigen lassen.

Mitarbeitende sollen künftig Maschinen über AR-Brillen verstärkt auch von zuhause oder anderen Standorten aus steuern und überwachen können. „Es ist wichtig, den Reorganisationsimpuls der Pandemie bei den Arbeitsmodellen nicht isoliert zu betrachten, sondern mit einer Neuausrichtung der Geschäftsmodelle zu verknüpfen. Grundvoraussetzung für dezentrales Arbeiten ist beispielsweise, dass die Prozesse digitalisiert sind. Das bedeutet: Die Organisation gehört übergreifend auf den Prüfstand“, so Unternehmensberater Weisath weiter.

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