Beim private banking kongress in Köln haben wir ein neues Format ausprobiert: ein Investorenpanel live vor Publikum, mit Abstimmungen des Publikums in Echtzeit und vier Praktikern, die erstaunlich offen waren. Martin Drathen (WSH Family Office), Heidi Abraham (Investmentstrategin), Sascha Häusler (Kreissparkasse Köln) und Nicki Lange (Lange Family Office / Avalon Advisory) haben über eine Beziehung gesprochen, über die man in der Branche selten so direkt und umfangreich redet.
Ohne Bank geht's nicht – auch wenn kein Family Officer das gerne sagt
Martin Drathen brachte es früh auf den Punkt: Ein Family Office kommt ohne Banklizenz nicht an Execution, Depotführung und Finanzierung. Die Abhängigkeit ist strukturell. Was sich aber verändert hat: die Erwartungshaltung. Es geht nicht mehr nur um Abwicklung, sondern um echte Partnerschaft – proaktiv, serviceorientiert, erreichbar auch nach 18 Uhr.
Vertrauen entsteht zwischen Menschen, nicht zwischen Institutionen. Das war der Konsens der Runde – und er klingt nach Kalenderspruch, ist aber praktisch gemeint. Plattformfrust, KYC-Chaos und fehlende Schnittstellen nerven. Aber gewechselt wird deshalb nicht. Gewechselt wird, wenn der Mensch auf der anderen Seite das Vertrauen verspielt. Kostentransparenz, so Heidi Abraham, ist dabei eine Grundvoraussetzung: Es gibt Family Offices, die Banken bewusst meiden – weil sie schlicht nicht wissen, was am Ende wirklich bezahlt wird.
Der Interessenkonflikt, den niemand auflösen kann
Das schärfste Statement kam von Drathen: Wenn eine Bank gleichzeitig Family-Office-Dienstleistungen anbietet und eigene Produkte verkauft, entsteht ein Interessenkonflikt, der sich strukturell nicht lösen lässt. Das WSH Family Office hat sich deshalb bewusst für ein reines Honorarmodell entschieden – ohne Vermögensverwaltung, ohne eigene Fondsstrukturen. „Ich habe viel gesehen, wo Wealth Management drauf stand, was leider am Ende Retail mit dicken Teppichen war."
Die ganze Diskussion gibt es in der aktuellen Folge von For Professional Investors Only.
Hier gibt es den Podcast auf Spotify
Hier gibt es den Podcast auf Apple Podcasts
