in GeldpolitikLesedauer: 4 Minuten

Schieflage der Geldinstitute „Es ist nicht Aufgabe einer Notenbank, sich um die Rentabilität von Banken zu kümmern“

Die EZB in Frankfurt am Main
Die EZB in Frankfurt am Main: „In eine mögliche Pause der Zinserhöhungen sollte nicht zu viel hineininterpretiert werden“, warnt Christopher Lindken. | Foto: Imago Images / Jochen Tack

Aus Furcht vor Ansteckungseffekten und aus Sorge einer erneuten Finanzkrise, wurden schnell Stimmen laut, die zum einen eine stärkere Regulierung der Banken forderten und zum anderen die Notenbanken mit ihrem raschen Zinsanstieg an den Pranger stellten. Ohne Zweifel führten die Zinsanhebungen der Notenbanken zu den immensen Kursverlusten in den Bankbilanzen, die am Ende ausschlaggebend für diese Misere waren. Aber wird die Europäische Zentralbank deshalb von ihrem geldpolitischen Kurs abweichen und kann man ihr wirklich die Schuld für die Probleme geben?

Auch wenn Christine Lagarde es abstreitet, die EZB sitzt aktuell in einem Dilemma. Die immer noch viel zu hohe Inflation und insbesondere die steigende Kern-Inflationsrate im Euro-Raum signalisieren eindeutig eine weiterhin restriktive Geldpolitik. Allerdings werden langsam aber sicher die negativen Auswirkungen der geldpolitischen Straffung offen gelegt und eine Fortführung dieser Politik würde den Druck auf den Bankensektor weiter verschärfen.

 

Die Notenbanker versuchen dieses Dilemma zu lösen, indem sie nicht müde werden zu betonen, dass die europäischen Banken robust aufgestellt sind und über ausreichend Eigenkapital sowie Liquidität verfügen. Gleichzeitig möchte man die Leitzinsen weiter anheben und bei Bedarf gezielt Liquidität zur Verfügung stellen.

Von Zinssenkungen auszugehen wäre noch zu verfrüht

Die Intention der Notenbank, die Märkte zu beruhigen und weiterhin das Ziel der Preisstabilität zu verfolgen, ist nachvollziehbar. Doch riskiert die EZB dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren, denn die Märkte teilen die Einschätzung Lagardes – es gäbe keinen Zielkonflikt zwischen Preisstabilität und Finanzstabilität – nicht. Als Marktteilnehmer in dieser Situation von Zinssenkungen auszugehen, ist jedoch verfrüht.

Zum einen sind diese aufgrund der strengeren regulatorischen Anforderungen für europäische Banken schlicht nicht zwingend notwendig, um für Finanzstabilität zu sorgen und zum anderen sind diese bei den weiterhin zu hohen Inflationsraten nicht zielführend, um Preisstabilität sicherzustellen.

Entscheidend wird nun sein, wie die EZB ihre kommenden Entscheidungen kommunizieren wird. Sollte sie bei ihrer nächsten Notenbanksitzung die Leitzinsen unverändert lassen, ist das nicht zwingend ein Signal für ein instabiles Finanzsystem.

Denn auch ohne die aktuellen Sorgen um die Banken, sollte man bedenken, dass geldpolitische Entscheidungen immer erst mit Verzögerung in der Realwirtschaft ankommen. Die Prozesse, die hinter diesen Transmissionsmechanismen liegen, sind hochkomplex und man kann nicht mit Sicherheit sagen, wie lange es dauert, bis die Zinserhöhungen ihre volle Wirkung entfalten. Angesichts dessen sollte in eine mögliche Pause der Zinserhöhungen nicht zu viel hineininterpretiert werden.

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Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Notenbanken eine entscheidende Rolle in der aktuellen Lage spielen. Ihnen aber die alleinige Schuld dafür zuzuweisen, wäre falsch. Die EZB verfolgt das vorrangige Ziel, Preisstabilität sicherzustellen. Die dafür notwendigen Entscheidungen werden mithilfe der Zwei-Säulen-Strategie erarbeitet.

Diese umfasst einerseits eine wirtschaftliche und andererseits eine monetäre Analyse. Daher ist Finanzstabilität kein direktes Ziel der EZB, kommt aber bei der Umsetzung der Geldpolitik eine hohe Bedeutung zu. Die Einschätzung, dass die EZB die Auswirkungen ihrer Zinserhöhungen falsch eingeschätzt haben, ist daher sehr fragwürdig. Auch als die Zinsen in der Eurozone noch niedrig waren, wurde diese Geldpolitik zum Teil stark kritisiert.

 

Es ist nicht Aufgabe einer Notenbank, sich um die Rentabilität von Banken zu kümmern

Ein häufiges Argument war, dass die Banken vor zu hohen Herausforderungen gestellt werden. Und auch aktuell scheinen die Geldpolitik und das Geschäftsmodell der Banken nicht kompatibel zu sein. Es ist jedoch nicht die Aufgabe einer Notenbank, sich um die Rentabilität von Banken zu kümmern. Das Niedrigzinsumfeld führte definitiv dazu, dass Finanzakteure bei der Suche nach Rendite immer höhere Risiken eingehen mussten.

Den Notenbanken dann aber die Schuld dafür zu geben, dass diese Risiken falsch kalkuliert und nicht abgesichert wurden, sendet ein vollkommen falsches Signal. Denn wenn Banken bewusst viel zu hohe Risiken eingehen können, mit der Sicherheit, dass die Notenbanken am Ende in die Verantwortung gezogen werden, dann sind wir nämlich doch wieder genau da, wo wir bei der Finanzkrise auch schon waren.

Über den Autor:

Christopher Lindken ist Portfoliomanager bei der Gap Vermögensverwaltung in Köln.

 

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