Bankensystem taumelt

EZB friert Nothilfe für Griechen ein

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Am Sonntag einigte sich der EZB-Rat, die den griechischen Banken zur Verfügung gestellten ELA-Gelder auf dem in der vorherigen Entscheidung am Freitag beschlossenen Niveau zu belassen, wie aus einer Mitteilung der Notenbank hervorgeht. Ein Vertreter der Eurozone, der seinen Namen nicht genannt haben wollte, erklärte, die EZB betrachte die Gelder als nicht ausreichend für den Bedarf der Kreditinstitute und Griechenland müsse einen Bankfeiertag ausrufen, bevor die Bankfilialen am Montag öffneten.

Die EZB erklärte außerdem, sie könne alle verfügbaren Instrumente nutzen, um die Eurozone zu schützen. Damit signalisieren die Währungshüter, dass sie ihre Aufmerksamkeit jetzt auf die möglichen Auswirkungen lenken, da sich Griechenland einem finanziellen Zusammenbruch nähert. Nachdem Ministerpräsident Alexis Tsipras für den 5. Juli eine Volksabstimmung über die zuvor von den Gläubigern vorgeschlagenen Bedingungen angesetzt hat, werden ein Zahlungsausfall und ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion zunehmend wahrscheinlich.

„Die EZB scheint einen ausgewogenen Ansatz gewählt zu haben“, sagte Nick Kounis, Leiter makroökonomische Analyse bei ABN Amro Bank in Amsterdam. „Die griechischen Banken sind sowieso in einer fürchterlichen Situation, was die Liquidität angeht. Mit einem Bankenfeiertag anzufangen und dann Kapitalkontrollen einzuführen ist realistisch.“

Die EZB teilte mit, sie sei bereit, ihre Entscheidung zu überprüfen und beobachte die Implikationen für ihre geldpolitische Haltung. Sie arbeite eng mit der griechischen Zentralbank zusammen. Der Zentralbankrat sei entschlossen, alle im Rahmen seines Mandats verfügbaren Instrumente zu nutzen.

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