Aktualisiert am 29.01.2020 - 09:14 UhrLesedauer: 4 Minuten

Bankgründer Francois Jozic: „Die spielen Monopoly“

Francios Jozic
Francios Jozic

DAS INVESTMENT.com: Barack Obama droht Großbanken mit Zerschlagung und will den Instituten risikoreiche Geschäfte, die allein der eigenen Gewinnmaximierung dienen, verbieten. Begrüßen Sie dieses Vorhaben?

Francois Jozic: Es ist ja nur ein erster Plan. Der geht aber in die richtige Richtung. Ich begrüße jeden Vorschlag, der die Ursachen der Krise bekämpfen will. Aber was derzeit diskutiert wird, ist noch weit davon entfernt, das globale Finanzsystem fundamental und nachhaltig zu ändern. Alle Bürger sind Opfer des kollabierenden Finanzsystems und der Krise geworden, sei es durch höhere Steuerbelastungen, Insolvenzen oder Arbeitslosigkeit. Daher muss ein radikaler Wandel durchgreifen. Den sehe ich aber noch nicht. Zu einer radikalen Kursänderung gehört auch, dass jeder von uns begreifen muss, dass er die Verantwortung für seine Ersparnisse nicht blind abgeben sollte.

DAS INVESTMENT.com: Banken haben keine Pflichten das Gemeinwohl zu fördern, sagte jüngst Alexander Dibelius, der Deutschland-Chef von Goldman Sachs.

Jozic: Obszön. Was soll ich dazu sagen? Dieses Zitat zeigt, wie entrückt das Bankenwesen von der Gesellschaft ist. Es gibt keine soziale Bindung zwischen Bank und Gesellschaft. Es geht nur noch um Profite. Banken ziehen es vor zu spekulieren anstatt die reale Wirtschaft zu finanzieren.

DAS INVESTMENT.com: Wie sollte ein Kontrakt zwischen Gesellschaft und Finanzhäusern aussehen?

Jozic: Banken müssen für ihre Kunden arbeiten, nicht umgekehrt. Dieses Bewusstsein muss hergestellt werden. Um das zu schaffen, brauchen wir eine deutlich stärkere Regulierung. Dazu gehört auch die strikte Trennung zwischen Investmentbank und Geschäftsbank. Bankkunden müssen eine vollständige Transparenz verlangen und bekommen. Nicht einmal jährlich in einem dicken Jahresbericht, den keiner liest oder versteht. Anleger müssen sich auch ihrer Macht bewusst werden. Wenn ich heute frage, was die Bank wohl mit ihrem Geld macht, bekomme ich immer die gleiche Antwort: Darüber haben wir noch gar nicht nachgedacht. DAS INVESTMENT.com: Also muss auch das Bewusstsein seitens der Anleger geschärft werden?

Jozic: Natürlich. Aber auch das ist sicherlich ein lange andauernder Prozess. Anleger müssen sich auch über den Kreislauf ihres Geldes Gedanken machen. Sie geben es der Bank, die setzt es für ihre riskanten Geschäfte ein oder reichen es als Kredit weiter. Das Ergebnis sehen wir doch alle jetzt. Wir müssen auch beginnen, die vorgegaukelte Sicherheit zu hinterfragen. Es ist absoluter Nonsens, dass alle Spareinlagen in Deutschland sicher sind. Wie können sie es denn, wenn es die Banken selber sind, die einen Rettungsfonds unterhalten und selbst steuern. Dieses blinde Vertrauen muss aufhören.

DAS INVESTMENT.com: Einen großen Anteil an der Finanzkrise haben die Ratingagenturen.

Jozic: Absolut. Es ist doch abenteuerlich, das die Agenturen für ihre Noten von dem bezahlt werden, der sie in Auftrag gibt. Nach der Einschätzung geht die Agentur aber kein Risiko ein, und das ist der große Fehler. Eine Regulierung ist schwierig. Die US-Notenbank Fed soll die Agenturen überwachen, ist aber selber verantwortlich für die Finanzkrise. Diese Variante scheidet aus. Daher helfen auch hier nur mehr Transparenz und die Übernahme des Risikos. Die Agenturen müssen für Entscheidungen haften. Aber es ist schwer diesen Zirkel der drei großen Agenturen aufzubrechen. Die spielen Monopoly.

DAS INVESTMENT.com: Sie haben im November vergangenen Jahres die NOA-Bank gegründet. Wie waren damals die Reaktionen?

Jozic: Die haben mich für bekloppt erklärt. Wer braucht eine neue Bank, gerade jetzt, und dann auch noch eine, an der kein großes Institut beteiligt ist. Doch es rechnet sich, zuerst bekamen wir 10 Kontoeröffnungen täglich, dann 20, dann 50, und jetzt sind es 100. Heute gibt es rund 4.700 Konten mit 27 Millionen Euro Spareinlagen.

DAS INVESTMENT.com: Warum kommen die zu Ihnen?

Jozic: Aus vier Gründen. Es gibt bei uns keine Spekulation. Nur Girokonto, Tages- und Festgeld. Wir sind absolut transparent. Das heißt die Kunden können einsehen, wem wir Kredite geben. Wir stellen unseren Kunden zudem zur Wahl, in welchem Bereich ihre Einlagen in Unternehmensfinanzierungen fließen sollen: Region, Planet, Leben oder Kultur. Und nicht zuletzt bieten wir gute Konditionen an.

DAS INVESTMENT.com: Gibt es Unterschiede zwischen der NOA-Bank und nachhaltig arbeitenden Geldinstituten, wie der Umweltbank?

Jozic: Sehr große Unterschiede. Diese Institute setzten sich nur für sogenannte „grüne Projekte“ ein. Wir hingegen finanzieren auch den Transportunternehmer aus der Nachbarschaft, der durch Kredite Arbeitsplätze schafft. Das ist unsere Sicht von Nachhaltigkeit. Ich glaube, dass wir noch nicht soweit sind, nur radikal und grün zu denken. Ich halte auch nichts von grünen Investmentfonds. Das sind auch spekulative Produkte. Kapital sollte sich durch Arbeit vermehren, nicht durch Spekulation.

DAS INVESTMENT.com: Wo haben Sie ihr privates Vermögen investiert?

Jozic: Das liegt alles in der NOA-Bank.

DAS INVESTMENT.com: Haben sie Aktien oder Fonds?

Jozic: Nie gehabt. Ich bin Unternehmer. Mit 21 Jahre habe ich meine erste Firma gegründet. Seitdem fließt mein Kapital immer in das jeweilige Unternehmen.


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