Wir sind als Kinder alle von Banken umworben worden. Sei es durch das kostenlose „Jeans-Konto“, die bunten Comics von „Mark und Penny“ oder den Wirbel um den Weltspartag (den es nur in Deutschland gibt). Gilt die Mühe etwa dem bisschen Taschengeld? Eher nicht.
Die Banken kennen die Gewohnheiten der Menschen und wissen: Wer früh ein Konto bei einer Bank führt, wird dort wahrscheinlich auch später weitere Bankdienstleistungen in Anspruch nehmen. 75 Prozent der Kunden wechseln ihre Bankverbindung nie. Grund genug, die Kunden der Zukunft frühzeitig an Bord zu holen.
Die niedrige Wechselbereitschaft liegt daran, dass der Bankenwechsel mit vielen Herausforderungen verbunden ist. Unterschwellige Unzufriedenheit wird oft über längere Zeit hingenommen - zum Wechsel kommt es nur, wenn sich die Bank einen so großen Fehler leistet, dass es „knallt“. Die Gründe, die Bankkunden an „ihr“ Bankhaus binden, sind vielfältig:
- Administrativer Aufwand beim Wechsel dank Hausbank-Prinzip
Der Aufwand für den Umzug einer Bankverbindung wird umso größer, je erfolgreicher das Hausbank-Prinzip (also alles bei einer Bank) bei dem Kunden Anwendung findet. Der Kontoumzug ist dann nicht nur mit dem Suchen nach einer neuen Bank und dem Abschluss eines umfangreichen Vertrages verbunden. Bestehende Daueraufträge müssen erneuert, neue Bankverbindungen bekannt geben, Kreditkarten gekündigt und Kredite übertragen werden. Letztere sind dank steigender Zinsen bei Neuabschluss heutzutage häufig teurer als zuvor oder können eine Vorfälligkeitsentschädigung kosten. - Persönliche Verbundenheit/Dankbarkeit für vergangene Zusammenarbeit
Manche Kunden sind deswegen so treu, weil die Hausbank schon seit Beginn der Geschäftsbeziehung Kredite vergeben und in schwierigen Zeiten unterstützt hat. Zudem besteht oft eine persönliche Verbundenheit und ein hohes Maß an Vertrauen langjährigen Bank-Mitarbeitern gegenüber. Wenn dann noch die ganze Familie und das Unternehmen bei der gleichen Bank ihre Konten hat und das seit Generationen, erschwert das den Wechsel. - Räumliche Präferenzen
Gerade im ländlichen Raum gibt es oft nicht die breite Auswahl an Banken oder Sparkassen vor Ort. Manche Kunden bauen Vertrauen nur über den regelmäßigen persönlichen Kontakt zu ihrem Bankmitarbeiter auf. Darum stehen solchen Kunden nur wenige Banken zur Wahl.
Wer dennoch wechselwillig ist, findet bei den Verbraucherzentralen Hilfe. Die „gesetzliche Kontowechselhilfe“ regelt, wie die Banken den Wechselwilligen beim Kontoumzug unterstützen müssen. Denn wer wechselt, kann oft günstigere Konditionen für sich rausholen – keine Bank kann in allen Gebieten führend sein. So sucht man sich die Bank mit dem Dienstleistungsmix heraus, der am besten zu den eigenen Anforderungen passt.
Bankwechsel kann vorteilhaft sein
Für viele Bankkunden, die eine vermögensverwaltende Dienstleistung in Anspruch nehmen können oder wollen, kann ein Bankwechsel besonders vorteilhaft sein. Der provisionsgetriebene Produktverkauf weicht einer neutralen, kostenbewussten und individuellen Vermögensberatung. Der vertraute langjährige Mitarbeiter bei der Bank wird durch einen kompetenten, aber neutralen Ansprechpartner in allen Vermögensfragen ersetzt, der auch die Abwicklung der Bankgeschäfte übernehmen kann. Bei Krediten werden Konditionen deutschlandweit verglichen und nicht nur durch eine Bank vorgegeben.
Nicht zuletzt haben Vermögensverwalter aufgrund ihrer Verhandlungsmacht Zugriff auf günstigere Bank-Konditionen, als einzelne Kunden sie bekommen würden und können als Prüf-Instanz gegenüber den Banken agieren. Durch ihren täglichen Kontakt mit Banken merken sie, wann es Zeit ist, die Bankbeziehung zu wechseln. Bei diesem Wechsel können die Vermögensverwalter für ihre Kunden die Konditionen prüfen, die Formalitäten erledigen und beim Transfer unterstützen und begleiten. Dies nimmt dann dem Bankenwechsel den Schrecken.
Über den Autor:
York Irmer ist Leiter Digital Management und Partner bei Allington Investors in Bad Homburg.

