Soo Hai Lim, Manager des Baring Asean Frontiers

Soo Hai Lim, Manager des Baring Asean Frontiers

Barings-Manager Soo Hai Lim über neue Chancen in Südostasien

„Chinas Schwäche stärkt das Wachstum in den Asean-Ländern“

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DER FONDS: Bislang dürfen vietnamesische Unternehmen nur bis zu 49 Prozent in ausländischer Hand sein. Die Regierung will diese Grenze erhöhen. Wie wird sich das auf den Aktienmarkt auswirken?

Soo Hai Lim:
Für einige Unternehmen in bestimmten Sektoren, zum Beispiel Banken, gibt es sogar eine Begrenzung auf 30 Prozent, und die gilt auch weiterhin. Unternehmen, die bislang eine Begrenzung von 49 Prozent hatten, können diese erhöhen. Wir denken, dass Unternehmen, denen eine Erhöhung gesetzlich erlaubt ist, diese nutzen werden, sobald das Dekret in Kraft getreten ist. Das sollte den Aktienmarkt unterstützen.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Zurzeit etwa können ausländische Investoren keine weiteren Aktien an Unternehmen wie Vietnam Dairy Products kaufen, da der Anteil für Ausländer schon erschöpft ist. Es gibt zwar außerbörsliche Möglichkeiten, aber nur mit einer Prämie. Durch die Anhebung der Grenze wären ausländische Investoren eine weitere Käuferquelle in fallenden Märkten.

Mal abgesehen von diesen Änderungen, was halten Sie von vietnamesischen Aktien? Sind Sie investiert?

Ja, wir sind in Vietnam investiert und stehen dem Markt positiv gegenüber. Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum verbessern sich. Reformen werden umgesetzt. Dazu zählt neben der bereits angesprochenen Änderung  auch der Aufkauf der faulen Kredite im Bankensystem durch die staatliche Vietnam Asset Management Company. Vietnam wird einer der größten Nutznießer einer erfolgreichen Transpazifischen Partnerschaft sein, und die Marktbewertungen sind immer noch attraktiv.

Welche anderen Märkte der Asean-Region bevorzugen Sie?

Wir mögen die Philippinen. Die gesamtwirtschaftlichen Aussichten zählen zu den stärksten der Region, sowohl kurz- als auch mittelfristig. Die philippinische Wirtschaft sollte – abgesehen von Asean-Frontier-Märkten – in der Region das stärkste Wachstum verzeichnen, angetrieben durch Geldüberweisungen von im Ausland arbeitenden Philippinen. Zudem wächst das Outsourcing von Geschäftsbereichen weiter im zweitstelligen Bereich. Das erzeugt ein hohes Jobangebot im Inland für junge Arbeitnehmer.

Was ist mit Indonesien, das in der Region vor kurzem noch als Vorzeigekandidat gehandelt wurde?

Trotz der kurzfristigen wirtschaftlichen Herausforderungen mögen wir Indonesien und ebenfalls Thailand. Die durch die aktuelle wirtschaftliche Flaute bedingte schlechte Stimmung verdeckt die langfristige Attraktivität dieser Märkte. Die Aktienpreise entsprechen den kurzfristigen, belasteten Unternehmensgewinnen, viele Marktteilnehmer unterschätzen jedoch das mittelfristige Gewinnpotenzial. Daher finden wir für die langfristige Anlage eine ganze Reihe guter Unternehmen in diesen Märkten.

Hat das schwächere Wachstum in China Auswirkungen für die Asean-Länder?

China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft und einer der größten Handelspartner der Region. Daher würde eine Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums auch die Asean-Länder treffen. Die sinkenden Anlageinvestitionen in China wirken sich negativ auf die Rohstoffnachfrage aus. Das belastet die Exporte in rohstoffexportierenden Ländern wie Indonesien und bringt die Leistungsbilanz des jeweiligen Landes unter Druck. Allerdings hat das abgeschwächte Wachstum auch dazu geführt, dass China im Ausland nach Anlagemöglichkeiten sucht, zum Beispiel in den Asean-Ländern, die ein gutes langfristiges Wachstumspotenzial haben. Daher sind die Investitionen aus China in diesen Ländern gestiegen. Und das wiederum stärkt das Wachstum und schafft Arbeitsplätze.

Was sind die stärksten Antriebsmotoren für die Region?

Die Demografie ist ein sehr wichtiger Motor. Die Asean-Region hat eine der jüngsten Bevölkerungen in der Welt. Und es ist zudem die drittbevölkerungsreichste Region nach China und Indien mit einer sehr schnell wachsenden Mittelschicht. Die Regierungen der Region müssen diese demografische Dividende allerdings kapitalisieren, um Investitionen anzuziehen. Sie müssen die Qualifikation der Bevölkerung und die Produktivität erhöhen, um die Bevölkerung auf das Einkommensniveau der Mittelschicht zu heben.

Und wo lauern die größten Risiken?

Kurzfristig ist die Region anfällig für zwischenzeitliche Kapitalabflüsse – ausgelöst etwa durch eine Zinserhöhung in den USA oder neuen politischen Streit in Europa. Hinzu kommen inländische politische Entwicklungen, zum Beispiel in Thailand und Malaysia. In Indonesien muss Präsident Joko Widodo seine Erfolgsbilanz bei der Umsetzung der Wirtschaftsprogramme wieder aufpolieren und übertriebene populistische und nationalistische Themen vermeiden. Ein langfristiges Risiko liegt darin, dass die Regierungen es nicht schaffen, die Wirtschaft ihrer Länder ausreichend zu reformieren, um sich für Wachstum zu positionieren.

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