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„Basel III könnte Europas Banken zu Goldkäufern machen“

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Gold wird zu Geld

Die Auswirkungen einer Aufwertung von Gold zu einem Tier-1-Asset wären spektakulär - das Edelmetall hätte damit einen Status als De-jure-Geld und als Bankreserve den gleichen Stellenwert wie Bargeld oder Anleihen. Seit 1971 war Gold kein offizieller Teil des Geldsystems, eine Absicherung von Krediten war mit Gold nicht möglich.

Wenn Gold künftig als Tier-1-Asset gilt, dürfte die Nachfrage auf Bankenseite drastisch steigen. Bislang muss eine Bank seit Basel II eine Eigenkapitalquote von 8 Prozent vorhalten und dürfte diese künftig auch in Gold halten. Die Rechnung für die Banken ist einfach - je mehr Gold sie besitzen, desto mehr Geld dürfen sie verleihen, nämlich das 12,5-fache des Eigenkapitals.

Somit könnte für die Banken, wenn Gold tatsächlich den Status als Tier-1-Asset bekommt, eine komfortable Situation entstehen, denn sie würden mit Gold doppelt profitieren: Sie könnten sich zukünftig nicht nur effektiver absichern und beispielsweise über Diversifikationseffekte mit Gold gegen Krisen und Inflation vorsorgen, sondern daneben auch durch die Zinserträge der höheren Leihsummen, die sie wegen ihrer Goldreserven ausgeben dürfen, praktisch gratis weiteres Gold aufkaufen.

Die einfache Gleichung lautet: Je mehr Gold als Eigenkapital, desto mehr Kredite dürfen vergeben werden und desto mehr Zinserträge hat die Bank, mit der sie neues Gold für ihr Eigenkapital beschaffen könnte.

Der World Gold Council weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Banken bereits jetzt mit Gold die Schwankungen und Risiken ihrer Portfolios bei verbessernden risikoadjustierten Renditen besser abfedern können. Und die Gerüchte, die derzeit die Runde machen, gehen noch weiter - verstärkt ist davon zu hören, dass der Pflichtanteil des Tier-1-Kapitals bei den Banken künftig von 4 auf 6 Prozent angehoben werden soll, wie aus einer Analyse des „Centre for Research on Globalization“ hervorgeht.

Steigende Goldnachfrage

Die Argumentation der Banken für eine Aufwertung von Gold zum Kernkapital ist denkbar einfach: Gold hat in den vergangenen zwölf Jahren stets an Wert zugelegt, andere Anlageklassen haben dagegen an Wert verloren. Insbesondere die als Kernkapital gültigen Klassen wie Barrücklagen dürfen künftig noch stärker in Zweifel gezogen werden, da sie durch Inflation einen realen Wertverlust erleiden.  

Investoren sollten also in den kommenden Wochen die Nachrichten aus Basel im Blick behalten, denn sobald absehbar ist, dass Gold wirklich von Tier-3 auf Tier-1 hochgestuft wird, dürften die Banken in Europa in großem Stil auf dem Goldmarkt zugreifen. Und schon jetzt drängen deutsche Banker und Finanzaufseher trotz Widerstandes aus den USA auf eine rasche Einführung der neuen Eigenkapitalregeln für die Branche:  „Es führt kein Weg daran vorbei, Basel III jetzt so zügig wie möglich einzuführen, und zwar weltweit“, sagt Medienberichten zufolge die Chefin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König.

Immerhin sind tragfähige Eigenkapital- und Finanzpolster für Banken dringend nötig, um die Steuerzahler vor erneuten Rettungsaktionen zu schützen – wozu mangelnde Finanzrücklagen im Bankensektor führen, ist seit Monaten besonders eindrucksvoll in den südlichen Eurostaaten zu beobachten, wo allein in Spanien die Banken etwa 60 Milliarden Euro benötigen.

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