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Basel IV Wie sich Europas Banken auf die neuen Vorschriften vorbereiten

Laurent Mignon, Chef von Natixis, schlug mit diesem Worten am 31. Juli Alarm und bezog sich auf die Unmenge an aufsichtsrechtlichen Vorschriften, die der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht vorbereitet. Mindestens ein Dutzend anderer europäischer Banken hat das Thema in den vergangenen Wochen in den Telefonkonferenzen nach Vorlage der Bilanzzahlen angeschnitten.

Die anstehenden Änderungen - im Wesentlichen Umsetzung und Revision bestehender Regelungen - werden bei einigen Aktiva die beigemessenen Risiken erhöhen, was ein Schlüsselfaktor zur Berechnung der Kapitalanforderungen ist, sagen die Banken.

Während die meisten Banken die Auswirkungen nicht bezifferten, sagte Finanzvorstand Marcus Schenck von der Deutsche Bank, dass die risikogewichteten Aktiva bei dem Frankfurter Finanzkonzern bis Ende 2019 um etwa 100 Milliarden Euro anschwellen werden.

„Die Vorschriften sind größtenteils noch nicht festgelegt, darum haben die Banken die Gelegenheit ergriffen, ihre Meinung zu äußern und dahingehend Einfluss zu nehmen, wie das ihrer Einschätzung nach aussehen sollte“, sagt Jon Peace, Analyst bei Nomura Holdings. „Es wird wahrscheinlich etwa zwei Jahre dauern, bis wir fundierte Einblicke in das bekommen, was als Basel IV bezeichnet wird. Viele Banken werden wahrscheinlich bis dahin die Anforderungen erfüllen.“

Für die Banker mag Basel IV das Schlagwort sein, das eine grundlegende Überarbeitung des als Basel III bekannten Regulierungsrahmens impliziert, doch die Aufseher sehen das anders. Als im vergangenen Oktober die endgültige Fassung der stabilen Finanzierungskennziffer (NSFR) eingeführt wurde, sagte der Vorsitzende Stefan Ingves, der Basler Ausschuss habe die Agenda der in Reaktion auf die Finanzkrise unternommenen Regulierungsreform „weitgehend abgeschlossen“.

Ein Grund für die Verwirrung ist, dass viele Elemente von Basel III erst in mehreren Jahren in Kraft treten. Die stabile Finanzierungskennziffer kommt beispielsweise erst 2018, während die kurzfristige Liquiditätsdeckungskennziffer (LCR) ihre volle Wirkung erst bis 2019 entfalten wird. Außerdem wird Basel bis 2017 mögliche Anpassungen der Leverage Ratio mit Blick auf eine verbindliche Festlegung der Säule-1-Anforderungen im folgenden Jahr vornehmen. Und diese Liste könnte noch weitergeführt werden.

Neben den Kapitalanforderungen schmecken den Banken auch die Kosten für Umsetzung und Compliance bei den neuen Regelungen nicht. In diesem Zusammenhang verwies Tom Naratil, Finanzvorstand der UBS Group, auf den finanziellen Aufwand für Auswirkungsstudien.

Zu den speziellen Kritikpunkten der Banken gehören ein höheres operatives Risiko und der Plan der Europäischen Zentralbank, die Regelungen in der Eurozone zu harmonisieren. Auch die grundlegende Überprüfung der Handelsbücher durch den Baseler Ausschuss und die Vorschläge für die Untergrenze für das Eigenkapital gehören nach Auffassung der Banken zu den Faktoren, die sie zwingen könnten, mehr Eigenkapital vorzuhalten.

Banco Santander  und BNP Paribas wollen mehr Informationen von den Aufsichtsbehörden zu einem Vorschlag, der die operativen risikogewichteten Aktiva an die Gesamterträge koppelt.

„Die Regulierung hier ist alles andere als klar“, erklärte Jose Antonio Alvarez, Vorstandschef von Banco Santander. Seine Bank halte bereits mehr Kapital vor als andere Banken, weil sie in Ländern wie Brasilien aktiv sei, wo die Erträge recht hoch seien, angesichts der Spreads bei den Aktiva, führte er aus. Er werde beobachten, ob andere Banken ebenfalls die von Santander genutzten standardisierten Risikomodelle erfüllen müssten oder ob die Aufsichtsbehörden einen neuen Plan veröffentlichen werden.

Für BNP Paribas  rechnet Analystin Flora Benhakoun von der Deutschen Bank in Paris mit bedeutenden negativen Auswirkungen, wenn die Risikomodelle der Bank an die Erträge gekoppelt würden.

Lars Machenil, Finanzvorstand von BNP Paribas, hält dagegen, dass die Banken „Hebel“ bekommen sollten, mit denen sie sich auf diese Regelungen einrichten könnten. „Diese Dinge brauchen Zeit, um abgestimmt zu werden, weil die Aufsichtsbehörden die Wirtschaft nicht wegwerfen wollen“, sagt Machenil.

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