Nach dem leichten Zinsanstieg in letzter Zeit wird auch die Baufinanzierung wieder teurer. Foto: LBS

Nach dem leichten Zinsanstieg in letzter Zeit wird auch die Baufinanzierung wieder teurer. Foto: LBS

Baugeld

Zinsanstieg und Baufinanzierung: Was Berater jetzt beachten müssen

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Wer eine Immobilie kaufen möchte, kann sich derzeit über einen niedrigen Zinssatz freuen. Ende April kostete ein Standard-Baudarlehen mit zehnjähriger Laufzeit noch 1,3 Prozent Zinsen. Viele Bauherren und Immobilienkäufer haben in der aktuellen Niedrigzinsphase bereits zugegriffen und sich ein Eigenheim zu sehr günstigen Finanzierungskonditionen geleistet.

Doch aktuell steigen die Zinsen wieder leicht an. Der Standardzins für ein zehnjähriges Baudarlehen ist bis Anfang Juni um 0,25 Prozentpunkte auf 1,55 Prozent geklettert. Möglicherweise ist damit die lang erwartete Zinswende erreicht.

Wie reagieren die Berater der großen Baufinanzierer auf den Zinsanstieg – ändert der aktuelle Umschwung die Beraterpraxis, fragte sich DAS INVESTMENT und hakte bei den großen Baufinanzierern nach.

Die LBS

Bei der LBS Baden-Württemberg werde nicht mit Zinsprognosen gearbeitet, sagt Pressereferent Albrecht Lutz. Beratungsgespräche würden nicht abhängig vom aktuellen Zinsniveau gestaltet werden. Beim Kunden liege immer eine ganz allgemeine Entscheidung zugrunde: Wenn er ein geeignetes Objekt für sich gefunden habe, müsse er auch in Kauf nehmen, dass der Zins ansteigt oder fällt. Das Risiko, unter diesem Gesichtspunkt eine Falschberatung zu treffen, sei zu hoch, als dass Berater hier konkrete Empfehlungen aussprechen würden.

Forward-Darlehen, also Kredite, die den aktuellen Zinssatz für eine spätere Kreditaufnahme für sich reservieren, würden nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen und eher selten gewährt, so Lutz. Wenn der Kunde selbst mit dem Wunsch an die Berater herantrete, könne jedoch ein festgelegter Zinssatz über eine längere Zeit im Voraus vertraglich vereinbart werden.

Die ING-Diba

Unter den Bedingungen des aktuell immer noch sehr niedrigen Zinsniveaus planen derzeit deutlich mehr Kunden eine Immobilie zu kaufen, sagt Thomas Hein, Leiter des Partnervertriebs bei der ING-Diba. So verzeichnet die ING-Diba momentan vermehrte Kundenanfragen nach Baufinanzierung. Gleichzeitig komme es auch schneller zu Abschlüsse, so Hein. Der Anteil von Forward-Zinsfestschreibungen habe dabei zugenommen.

In der Beratung werde eher Wert auf einen zur Finanzierungsstruktur des Kunden passenden Tilgungssatz gelegt, damit der Rückzahlungszeitraum sich auf einen überschaubaren Rahmen erstrecke. Obwohl Kunden die Zinssituation öfter in ihre Kauf- und Finanzierungserwägungen einbeziehen, halten sich die Berater der ING-Diba mit ganz konkreten Empfehlungen zurück: Zinsspekulation zu betreiben sei schwierig, so Hein. Auch wenn die Zinsen zuletzt leicht gestiegen seien, mache das im Endeffekt nicht den ganz großen Unterschied aus. Die Zinsen befänden sich immer noch auf einem historisch niedrigen Niveau.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband

Steffen Gurtler, Referent für das private Kreditgeschäft, sieht die Berater der Sparkassen im Moment häufig mit Kundenanfragen konfrontiert, die sich auf die weitere Zinsentwicklung beziehen.

Angesichts des leichten Wiederanstiegs sieht Gurtler eine generelle Zinswende jedoch noch nicht direkt bevorstehen. Der Zins werde steigen, jedoch eher Schritt für Schritt. Daher gebe es derzeit auch keinen großen Umschwung in der Beratung der Sparkassen.

Forward-Darlehen, so Gurtler, seien interessant, wenn man davon ausgeht, dass sich der Zins in den nächsten zwei Jahren merklich ändert. Es müsse dann allerdings ein Abschlag gezahlt werden. Daher raten Sparkassen ihren Kunden, sich nicht allein vom Stand der Zinsen leiten zu lassen, sondern immer die Gesamtsicht zu behalten.

Die Interhyp

Interhyp-Berater empfehlen ihren Kunden derzeit nicht in Panik zu verfallen, sagt Pressesprecherin Heidi Müller. Immerhin seien die Zinsen immer noch auf einem historisch niedrigen Stand. Der Zinsanstieg der vergangenen Woche habe nach Meinung der Interhyp-Berater noch keine generelle Zinswende eingeläutet.

Ein Zinsanstieg sei jedoch auch nicht per se schlecht: Bei höheren Zinsen wachse bei der Kreditrückzahlung der Tilgungsanteil stärker, die Restschuld baue sich schneller ab. Die Kunden unterschätzten gern, was das ausmacht, so Müller.

Bis zu 5 ½ Jahre im Voraus könnten sich Interhyp-Kunden mit Forward-Darlehen den heutigen Zinssatz sichern, allerdings ist dann mit einem Zinsaufschlag zu rechnen. Ob das die richtige Wahl war, zeige erst die Zukunft, auch ihre Berater könnten nicht in die Glaskugel schauen, so Müller.

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