Norbert Senghas

Norbert Senghas

BAV: „Pensionsrückstellungen können bis zu 70 Prozent höher ausfallen“

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DAS INVESTMENT.com: Was ändert sich mit dem BilMoG bei der Bewertung von Pensionsverpflichtungen?

Norbert Senghas: Vor allem müssen Unternehmen ihre Pensionsverpflichtungen realistischer bewerten. Bisher haben viele Firmen bei der Bewertung für die Handelsbilanz den Zinssatz der Steuerbilanz übernommen. Dieser Zinssatz liegt bei 6 Prozent und ist im Vergleich zum Marktzins derzeit zu hoch.

DAS INVESTMENT.com: Was ist denn realistisch?

Senghas: Laut neuer gesetzlicher Regelung der durchschnittliche Marktzinssatz der vergangenen sieben Jahre bei einer angenommenen Laufzeit von 15 Jahren. Diesen Marktzins veröffentlicht die Deutsche Bundesbank einmal im Monat. Er liegt derzeit bei 5,27 Prozent. Gegenüber den 6 Prozent führt das zu einer Erhöhung der Pensionsverpflichtungen um rund 10 bis 20 Prozent. Aber das ist noch nicht alles. Das BilMoG verlangt, dass Unternehmen auch Gehalts- und Rententrends berücksichtigen müssen. Das war bisher nicht erforderlich.

DAS INVESTMENT.com: Welche Auswirkungen könnte das künftig auf die Unternehmensbilanzen haben?

Senghas: Nehmen wir als Beispiel ein Unternehmen mit gehaltsabhängigen Rentenzusagen, das einen jungen Bestand an Arbeitnehmern hat, bisher mit 6 Prozent Zins gerechnet und bei der Bewertung keine Rentensteigerungen und Gehaltsanpassungen berücksichtigt hat.

DAS INVESTMENT.com: Den schlimmstmöglichen Fall also.

Senghas: Genau. Hier kann es dazu kommen, dass die Pensionsrückstellungen in der Handelsbilanz um bis zu 70 Prozent höher ausfallen. Diese Erhöhung wirkt sich auf das handelsrechtliche Ergebnis und das Eigenkapital – gegebenenfalls über 15 Jahre verteilt – aus.

DAS INVESTMENT.com: Ist damit das Ende der Pensionszusagen gekommen?

Senghas: Nein. Zur Bindung wichtiger Mitarbeiter sind sie immer noch sehr wichtig. Aber wir erwarten, dass die realitätsnähere Bewertung Unternehmen dazu bringen wird, verstärkt darüber nachzudenken, wie sie Risiken in Verbindung mit Pensionsverpflichtungen besser in den Griff bekommen können.

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