Als Murat Kalkan erklärt, warum BBVA nach Deutschland will, klingt es weniger nach Bankstrategie als nach einem Urteil: Der Markt sei digital „hinter einigen Ländern", klassische Banken hätten das Vertrauen, aber eine schlechte Nutzererfahrung, Neobanken hätten wiederum die App, aber nicht die Substanz. Viele Deutsche hätten deshalb mehrere Konten bei verschiedenen Anbietern – weil keiner alles richtig macht.
Kalkan ist kein klassischer Banker. Praktikum bei Google, danach McKinsey, heute in Madrid. Bei BBVA verantwortet er die globale Expansion der Digitalbank. Die Spanier sind 169 Jahre alt, von der EZB beaufsichtigt, haben über 80 Millionen Kunden – und wollen trotzdem wirken wie eine Neobank. Deutschland ist dabei kein Zufallsziel, sondern Priorität: Europas größter Markt, mit Nachholbedarf.
Seine Kerntese: Banken konkurrieren längst nicht mehr nur mit anderen Banken. Die Maßstäbe setzen Amazon, Apple und Netflix. Früher war es schwer, einen Kunden zu gewinnen – blieb er erst einmal, blieb er Jahrzehnte. Heute ist es umgekehrt. Ein zweites Konto ist in fünf Minuten eröffnet. Das Problem ist nicht mehr Akquise. Das Problem ist Relevanz.
Auf der Berliner Fintech-Konferenz FiBe, wo Christoph Fröhlich Kalkan traf, war KI das zweite Dauerthema. Agentic AI in jeder zweiten Präsentation. Kalkan glaubt: Diese Welle kommt schneller als die klassische Digitalisierung – nicht zwei Jahrzehnte, sondern fünf bis zehn Jahre.
BBVA bietet bereits einen ChatGPT-Plugin an. Die Vision dahinter: Kunden fragen ihre Bank künftig per Sprache, ob sie sich den Urlaub leisten können – statt sich durch Menüpunkt 7 Untermenü 3 zu klicken. Ob die eigene Bank-App dann noch relevant ist oder ob KI-Assistenten die neue Schnittstelle werden – darauf hatte selbst Kalkan keine klare Antwort.
Der zweite Teil der Folge ist eine andere Art von Finanzgespräch: Christoph erzählt von einem Streit um eine Überschrift. Ökoworld, bekannt für seinen jahrzehntelangen Feldzug gegen schmutzige Industrien, bringt einen Transformationsfonds – und investiert künftig auch in Sektoren wie Stahl. Also genau jene Branchen, gegen die Gründer Alfred Platow früher gewettert hatte. Christoph Headline-Idee: „Wie Ökoworld lernte, die Bösen zu lieben." Die Reaktion des Unternehmens: zu zugespitzt, zu provokant.
Christoph und Co-Moderator Malte diskutieren, warum das symptomatisch für eine ganze Branche ist. „Wir haben eine Aufmerksamkeitsspanne, die reicht nur noch für ein Fingerschnipsen", sagt Malte. Wer heute mit einer glatten PR-Überschrift antritt, verliert – nicht weil sie falsch ist, sondern weil sie niemanden interessiert. Beide kommen aus der Bild-Schule, beide kennen die alte Journalistenregel: Starte mit einem Erdbeben und steigere dich langsam.
Das Paradoxe: Gerade Ökoworld, das sich mit neuem Logo und frischem Auftritt modern positioniert, duckt sich damit kommunikativ weg – ausgerechnet bei einer Geschichte, die Wandel und Mut demonstrieren könnte.
Ob zu viel Compliance-Denken in der Finanzbranche gute Geschichten verhindert, welche Bild-Headlines die beiden bis heute bewundern – und warum Malte einst Kinder ein Interview mit Alfred Platow führen ließ, das sechs Seiten füllte, darüber sprechen die beiden im Podcast.

