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in AltersvorsorgeLesedauer: 3 Minuten

Lebensversicherungen „Kunden profitieren absehbar nicht von steigenden Zinsen“

Jörg Asmussen (l.) und Axel Kleinlein
Jörg Asmussen (l.) und Axel Kleinlein: Der GDV-Hauptgeschäftsführer und der ehemalige BdV-Vorstandssprecher teilen die Einschätzung, dass die Finanzausstattung der deutschen Lebensversicherer zurzeit sehr gut ausfällt. | Foto: GDV Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V., Bund der Versicherten e. V.

Seltenes Lob vom Bund der Versicherten (BdV): „Deutsche Lebensversicherer haben ihre Hausaufgaben gemacht.“ Denn sie haben sich auf die Niedrigzinsphase gut vorbereitet und weisen überwiegend eine ausreichende Solvenz aus. „Die dramatische Situation der letzten Jahre für viele Versicherungsgesellschaften hat sich damit entspannt“, geben die Hamburger Verbraucherschützer anerkennend zu. 

Entwarnung will der ehemalige BdV-Chef Axel Kleinlein jedoch nicht geben: „Denn der Griff in die Überschusskasse der Kunden wird wichtiger“, mahnt der Versicherungsmathematiker. Zu diesem Ergebnis kommt die diesjährige Analyse der Solvabilitätsberichte der deutschen Lebensversicherer, die der BdV jetzt zum inzwischen sechsten Mal gemeinsam mit der Zielke Research Consult aus Aachen veröffentlicht hat.

Auch in diesem Jahr seien demnach 13 Unternehmen angezählt. Das heißt, sie haben nur durch Übergangsmaßnahmen oder den Griff in die Überschusskasse der Versicherten eine ausreichende Solvenz oder weisen eine negative Gewinnerwartung auf. Nach 23 gefährdeten Unternehmen im Vorjahr habe sich die Zahl aber deutlich verringert. Zudem hätten sich fast alle im Vorjahr angezählten Unternehmen nun verbessert. 

Steigende Zinsen verbessern Solvenzquoten

Die Anbieter von Lebensversicherungen profitieren als Großanleger am Rentenmarkt von den aktuell wieder steigenden Zinsen in der Eurozone. Bei ihren Kunden werde sich das aber wohl erst in vielen Jahren als Überschussbeteiligung bemerkbar machen. Insbesondere diejenigen Gesellschaften, die stark in Staatsanleihen investiert sind, können laut Kleinlein bei steigenden Zinsen nur geringe Überschüsse geben.

Der BdV-Kritik widerspricht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: „Eine einmal zugewiesene Überschussbeteiligung kommt ausschließlich und immer den Versicherten zugute.“ Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen betont zudem: „Auch die Finanzaufsicht Bafin hat dem Sektor erst kürzlich bescheinigt, dass alle Unternehmen selbst ohne Übergangsmaßnahmen vollständig mit Solvenzkapital bedeckt sind.“

Die vollständige Analyse steht auf der Website des BdV zum Download bereit. Zur leichteren Verständlichkeit sind die Ergebnisse nach einem Ampelsystem gegliedert. So soll mit einem Blick erkennbar werden, ob bei einem Versicherungsunternehmen aus Verbrauchersicht Handlungsbedarf besteht (rot), Verbesserungspotenzial vorhanden ist (gelb) oder Entwarnung gegeben wird (grün). 

Transparenz auf hohen Niveau

Die Transparenz der Berichte, die in den vergangenen Jahren vom BdV vielfach moniert wurde, sei auf einem vergleichsweise hohen Niveau. „Das ist sehr erfreulich, die Versicherungsgesellschaften haben hier ihre Hausaufgaben gemacht“, lobt Kleinlein. Doch es gibt auch Negativentwicklungen, besonders bei einigen größeren Unternehmen. Dort hat die Transparenz an der einen oder anderen Stelle deutlich abgenommen. 

 

Erstmals haben die Branchenbeobachter in diesem Jahr auch geprüft, ob es in den Solvenzberichten auch Hinweise zu Nachhaltigkeitsrisiken gibt. „Nachhaltigkeit ist auch ein Thema für die Solvenzeinschätzung. Das scheint noch nicht bei allen Gesellschaften angekommen zu sein“, kommentiert Carsten Zielke. Denn 32 Gesellschaften nehmen hierzu keinen Bezug, berichtet der Geschäftsführer der Zielke Research Consult.