in LebensversicherungLesedauer: 5 Minuten

Überraschende Forderung BDVM will Provisionsdeckel für Leben-Produkte

Thomas Billerbeck
Thomas Billerbeck ist seit 2023 Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler. Seine Ankündigung, den Verband eigenständiger zu positionieren, macht er nun wahr. | Foto: Billerbeck GmbH

Der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) hat sich für die Einführung eines Provisionsdeckels der Abschlussvergütung in Höhe von 2,5 Prozent bei Versicherungsanlageprodukten ausgesprochen. Zusätzlich zur Begrenzung der Abschlussvergütung soll eine höhere laufende Vergütung eingeführt werden. Deren Höhe wurde allerdings nicht genannt.

BDVM-Mitglieder stehen hinter der Forderung 

In der Provisionsdebatte müssten Vermittlerverbände wieder eine proaktiv gestaltende Rolle einnehmen, sagte Thomas Billerbeck, Präsident des BDVM, auf einer Makler-Fachtagung diese Woche in Ingolstadt. Der Verband habe bei dieser Forderung die Mehrheit seiner im Lebensversicherungsbereich tätigen Versicherungsmakler hinter sich. Bei einer Mitgliederumfrage zur Vergütung im Lebensversicherungsbereich hätten sich 54,4 Prozent der 160 Umfrageteilnehmer für eine Begrenzung der Abschlussvergütung auf 25 Promille und einer gleichzeitigen höheren laufenden Vergütung ausgesprochen.

Branche sei für Fehlanreize selbst schuld

Dabei soll aus Sicht des Verbands die Courtage die Leitvergütung des Versicherungsmaklers bleiben, dennoch gebe es gleichzeitig durchaus „Übertreibungen und Fehlanreize“. Sie müssten zum Wohl der Versicherungsnehmer und auch zum Schutz der ordentlich arbeitenden Makler vermieden werden. Beide Ziele könnten mit dem vorgeschlagenen Eingriff erreicht werden. „Die teils fehl anreizenden Vergütungsformen führen zu einer ideologischen Debatte um ein Provisionsverbot. Dabei ist die Branche selbst schuld“, so Billerbeck. Nur eine Kehrwende in dieser Frage ermögliche es, dass man das Heft des Handelns erneut in die Hand bekommt. 

Bafin-Kritik mit ausschlaggebend für Kehrtwende

Billerbeck spielt damit auch auf die fortwährende politische Debatte rund um die EU-Kleinanlegerstrategie an. Die EU-Kommission ließ den Plan für ein Provisionsverbot für Finanzberater auch aufgrund des massiven Widerstands der deutschen Versicherungs- und Finanzlobby fallen. Immer wieder hatte auch die Bafin und vor allem deren Chef Marc Branson die Lebensversicherer eindringlich vor Exzessen in der Vergütung gewarnt. Im Zuge der Bafin-Prüfungen wurde im März bekannt, dass die Generali sogar überhöhte Kosten für fondsgebundene Lebensversicherungen an ihre Kunden zurückerstatten muss.

Neuer Streit nach demonstrativer Einigkeit?

Hallo, Herr Kaiser!

Das ist schon ein paar Tage her. Mit unserem Newsletter „DAS INVESTMENT Versicherungen“ bleiben Sie auf dem neuesten Stand! Zweimal die Woche versorgen wir Sie mit News, Personalien und Trends aus der Assekuranz. Kostenlos und direkt in Ihr Postfach.

Für den BDVM als Interessentreter von 750 überwiegend größeren Maklerhäusern bedeutet die Haltung eine echte Kehrtwende in der langjährigen Debatte um Provisionsverbote und -begrenzungen. Der Verband positioniert sich damit in Abgrenzung zu den anderen Vermittlerverbänden. Ein durchaus bemerkenswerter Vorgang, da die Interessenvereine zuletzt mit der sogenannten Hamburger Erklärung demonstrative Einigkeit präsentierten. Billerbeck kündigte bereits an, auf diese nun aktiv zugehen und für eine gemeinsame Positionierung werben zu wollen. Doch das dürfte schwierig werden. Laut eines Berichts des Fachmagazins „Cash“ äußerten die Verbände AfW, BVK und Votum bereits Zurückhaltung bis Ablehnung zu dem BDVM-Vorschlag.

Klare Ablehnung von AfW und Votum

Vom geschäftsführenden Vorstand des Bundesverbands Finanzdienstleistung AfW, Norman Wirth, heißt es unter anderem: „Ein Provisionsverbot ist verfassungswidrig, da es ein ungerechtfertigter Eingriff in die Gewerbefreiheit wäre.“ Außerdem würde es die Branche schädigen, „da es in erster Linie junge Versicherungsmakler trifft, die noch keinen Bestand haben und somit eine Markteintrittsbarriere geschaffen wird.“ Es gebe keine neuen Entwicklungen, die im Interesse der Maklerschaft ein Abweichen von den eigenen Argumenten rechtfertigen würde.

Votum-Chef Martin Klein verweist auf die bisherige ablehnende Haltung des BDVM. „Warum man nun einen solchen Grundrechtseingriff fordert, erschließt sich aus der Pressemeldung nicht.“ 2019 sei die Verfassungswidrigkeit eines solchen Eingriffs durch ein Rechtsgutachten des ehemaligen Verfassungsgerichtspräsidenten Professor Papier belegt worden. An dieser Beurteilung habe sich nichts geändert. „Einer Wiederaufnahme der Diskussion bedarf es nicht“, so Klein. 

 

BVK sieht Vorschläge kritisch, ist aber zu Gesprächen bereit

Laut des Berichts erklärte Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), dass man zwar die Sorge des BDVM teile, dass die Branche insgesamt noch zu wenig gegen einzelne Vergütungsausreißer vorgehe und daher auch vor dem Hintergrund der EU-Kleinanlegerstrategie auf Bewährung sei: „Die Bafin hat jedoch im Rahmen der Wohlverhaltensaufsicht bei kapitalbildenden Lebensversicherungsprodukten bereits ein adäquates Mittel, um Fehlanreizen im Vertrieb entgegenzuwirken.“

Der BVK plädiere daher dafür, die wenigen Ausreißer zu sanktionieren und nicht alle Versicherungsvermittler gleichermaßen. Heinz: „Daher sehen wir eine gesetzliche Deckelung von Abschlussprovisionen von Lebensversicherungen (...) ordnungspolitisch weiterhin kritisch. Der BVK, der dem BDV traditionell nahesteht, werde sich aber kurzfristig mit dem BDVM zu Gesprächen zum Thema treffen.  

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen
Tipps der Redaktion