Zunächst die guten Nachrichten: Den BDVM-Makler geht es weiter gut: Das sehen Thomas Billerbeck, seit November 2023 Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler (BDVM), seine Vorstandskollegen und ebenso die Mitglieder des Vereins so. Beim gestrigen Jahrespressegespräch in Hamburg präsentierte der Verband die dazu passenden Zahlen seiner jährlichen Mitgliederumfrage.
Wirtschaftliche Situation leicht verbessert
So gaben 56,4 Prozent der 149 teilnehmenden Maklerbetriebe an, dass ihre aktuelle Gewinnsituation in den ersten acht Monaten 2024 gut sei. Sehr gut sagten 26,2 Prozent. Ein Grund dafür sind unter anderem steigende Courtage-Einnahmen bei 85,7 Prozent der teilnehmenden Betriebe (Vorjahr: 83,2 Prozent). Allerdings fallen die gesteigerten Courtage-Einnahmen für viele überschaubar aus: Bei 51 Prozent liegen sie demnach unter 10 Prozent, bei 34,7 Prozent zwischen 10 und 50 Prozent.
Hohe Unzufriedenheit mit Schadenbearbeitung der Versicherer
Gar nicht glücklich sind die Mitglieder des BVDM, der sich vor allem als Sprachohr sogenannter „Qualitätsmakler“ versteht, mit der Schaden- und Bestandsbearbeitung der Versicherer. Über 79 Prozent der Teilnehmer stellen den Gesellschaften, mit denen sie zusammenarbeiten, ein Zeugnis von Note 4 oder schlechter aus. 36,9 Prozent geben hier die Note 5, 11,4 Prozent gar eine 6.
Rückmeldungen an den BDVM sprechen von einer „Explosion der Bearbeitungszeiten“ oder der „Grenze zur Serviceverweigerung“. Auf der anderen Seite vergeben gerade mal 2,7 Prozent die Note „Gut“ an die Versicherer. Dennoch gibt aus Verbandssicht sehr große Unterschiede bei den Versicherungsunternehmen. Eine wesentliche Rolle spielten Personalengpässe in den Unternehmen. Bei der Bestandsbearbeitung fällt die Einschätzung durch die Makler besser aus - das Gros der vergebenen Noten bewegt sich zwischen 3 und 4.
Engpässe in der Rückversicherung
Kein gutes Haar ließen Billerbeck und BDVM-Vize Thomas Haukje in ihren Statements an den Rückversicherern. Dort werde derzeit sehr gut verdient, gleichzeitig komme es immer mehr zu Kapazitätsengpässen in der Firmen- und Industrieversicherung. So hätten bereits mittelständische Unternehmen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich zunehmend Schwierigkeiten, angemessenen Versicherungsschutz in der Sachversicherung zu finden, manche Branchen würden gar nicht mehr gezeichnet.
Billerbeck: „Der Rückversicherungsmarkt zieht sich aus dem Frequenzschadenbereich zurück und hat durch Erhöhungen von Beiträgen und Selbstbehalten die Erstversicherer zu gleichlautenden Reaktionen gezwungen.“
Insgesamt hat sich nach Einschätzung von Haukje die erhoffte Prognose eines sich aufweichenden Industrieversicherungsmarktes nicht bewahrheitet, sodass eine schwierige Vertragserneuerung Anfang 2025 zu erwarten sei. Sorgenkind ist nach seiner Aussage weiter die Kfz-Versicherung und damit auch die Flottenversicherung. Hier seien enorme Prämienerhöhungen zu erwarten. Maßnahmen zu Schadenverhütung könnten allenfalls mittelfristig eine Wirkung entfalten. „Ich gehe davon aus, dass ein weiteres Jahr alle Flotten am Markt ausgeschrieben werden“, so der Funktionär.
Cyber- und D&O-Versicherung mit verbesserter Lage
Verbessert hat sich aus BDVM-Sicht dagegen die Situation in der D&O-Versicherung (Managerhaftpflicht). Entspannt habe sich auch die Lage in der Cyberversicherung. Mehrere Kumulschäden hätten sich in ihren Auswirkungen als nicht so dramatisch dargestellt, wie befürchtet. Die Versicherer hätten zudem in Sachen IT-Sicherheit dazu gelernt. Durch neue Anbieter sei zudem größerer Wettbewerb entstanden, wie Sven Erichsen vom Insuretch Finlex berichtete.
Sorge vor zu großer Konsolidierung
Herausforderungen gibt es derweil ohnehin en masse: Billerbeck nannte die Klassiker Fachkräftemangel und Regulierung, für die mittlerweile 16 Prozent der Mitarbeiter in den Unternehmen alleinig zuständig seien. Das Thema Konsolidierung im Maklermarkt betrifft den Verband, in dem vor allem mittelständische Maklerhäuser organisiert sind, besonders. So muss der BVDM nach eigener Darstellung auch mit einem leichten Abrieb bei seinen Mitgliedern leben. Billerbeck warnte in diesem Zusammenhang von oligopolartigen Strukturen, in denen mittlerweile schon Konsolidierer anderer Konsolidierer übernehmen. Er sei aber überzeugt, dass es mittelständische Makler auch in zehn Jahren noch geben werde.
Als konkrete Forderung nannte er im Zusammenhang mit der Diskussion um eine Elementarschadenpflichtversicherung, die der BVDM ablehnt, die Abschaffung oder massive Senkung der Versicherungssteuer auf den Elementarbaustein
Diskussion um Unabhängigkeit von Maklern stört den Verband
Ein besonderes Ärgernis ist Billerbeck und seinen Getreuen, die nach zwei Gerichtsurteilen dieses Jahr einmal mehr entflammte Diskussion um den wirtschaftlichen Status der Unabhängigkeit seiner Mitglieder. Hierbei geht es um die Frage, ob ein Makler beziehungsweise Vermittler sich und seine Dienstleistung als unabhängig bezeichnen darf, wenn er über Provisionen vergütet wird. Das Thema war auch lange Streitpunkt im Rahmen der sogenannten EU-Kleinanlegerstrategie. Aus der Begriffsdefinition der Unabhängigkeit entstand das befürchtete Szenario eines Provisionsverbots für Finanzanlagen- und Versicherungsvermittler. Doch der Punkt wurde gestrichen, das Thema laut BDVM damit „vom Tisch“.
Umso mehr wurmt die Interessenvertreter scheinbar die neuerliche Debatte. Der geschäftsführende Vorstand Bernhard Gause sagte beim BDVM-Gespräch, dass es auf einem „absurden Verbraucherschutzgedanken“ basiere, wenn man dem Makler beziehungsweise seiner Dienstleistung seine Unabhängigkeit abspricht, nur weil er mit Provisionen vergütet wird. Unabhängigkeit komme für ihn dann zur Sprache, wenn man von einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis spricht.
Präsident Billerbeck legte nach: „Anders als beim Versicherungsvertreter aufseiten eines Versicherers kann und muss der Makler aus einer Vielzahl von Angeboten im Markt wählen und haftet nach dem Sachwalterurteil. Gerade das macht ihn unabhängig, nicht die Art der Vergütung.“
Höhere laufende Vergütung: BVDM verteidigt Leben-Provisionsdeckel
Doch einen Teil der Debatte um Provisionen hat auch der BDVM selbst zu verantworten. Im Juni hatte der Verband die Forderung nach einem Provisionsdeckel für Lebensversicherungsprodukte mit einer Abschlussvergütung in Höhe von 25 Promille bei gleichzeitig höheren laufenden Provisionen gefordert. Billerbeck erneuerte den Vorschlag auf einer Lebensversicherungstagung in Köln Anfang des Monats und trotz weiterer aktuellen Kritik daran in den sozialen Medien auch in der gestrigen Presserunde. Er glaubt, dass mit der Umsetzung ein künftiges Provisionsverbot verhindert und das Branchenimage gestärkt werden könnte.
Die Kritik von Jungmaklern, dass ohne eine hohe Abschlussprovision Existenzgründungen nicht mehr möglich seien, ließ Billerbeck nicht gelten. Es sei nicht Aufgabe der Gesellschaft, diese zu finanzieren. Zudem seien Leben-Bestände langfristig wesentlich wertvoller. Marcus Wetzel, Leiter des Arbeitskreises bAV in BDVM, ergänzte, dass es zu derartigen Startschwierigkeiten eigentlich nicht kommen sollte, wenn das Geschäftsmodell entsprechend auf Bestandscourtagen aufbaue.
Billerbeck versucht die Annäherung, aber nicht bei Norbert Porazik
Für Billerbeck ist es die Flucht nach vorn, denn seit seinem Vorschlag stehen er und sein Verband bei vielen in der Branche, insbesondere Pools, aber auch bei anderen Verbänden stark in der Kritik. Das Thema sei im Verband und mit den Mitgliedern ausgiebig diskutiert worden und nicht sein „persönliches Lieblingsthema“, wie er auf Nachfrage von DAS INVESTMENT in der Presserunde sagte.
Der BDVM-Präsident erklärte weiter, dass man von der Heftigkeit der Reaktionen überrascht gewesen sei. Er führe mit vielen in der Branche Gespräche und erfahre dabei auch Zuspruch. Nicht zu seinen Gesprächspartnern dürfte dabei Fondsfinanz-Chef Norbert Porazik zählen, der bei Linkedin zum Provisonsdeckel-Vorschlag durchaus polemisch geschrieben hatte: „Wäre ich dort Mitglied, würde ich jetzt austreten. Da ich das aber nicht bin und mich spätestens jetzt schämen würde, wenn ich es wäre, kann ich nur allen Mitgliedern empfehlen jetzt auszutreten.“ Billerbeck sagte nun auf konkrete Nachfrage nach Porazik: „Ich rede mit allen, die sich sachlich zu dem Thema geäußert haben.“

