Nachhaltigkeit und Versicherungen? Das gehört für viele Kunden der Branche in Deutschland nicht unbedingt zusammen: Nur noch 10 Prozent der Verbraucher sehen hier uneingeschränkt eine Verbindung. Für weitere 29 Prozent gilt das zumindest je nach Einzelfall. Das zeigt eine aktuelle Online-Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov Deutschland im Auftrag der Unternehmensberatung Bearing Point. Demnach beeinflussen Nachhaltigkeitsziele zwar das persönliche Handeln von 47 Prozent der rund 2.000 Teilnehmer. Doch dabei denken sie eher an praktischen Umweltschutz und Energiesparen als an den Ordner mit ihren Policen

Thema Nachhaltigkeit bei Versicherungen? 

Für Versicherer werde es auch deshalb immer schwieriger, ihre Kunden über das Thema Nachhaltigkeit mit ihren Produkten anzusprechen. Zudem erkennen die Frankfurter Studienautoren bei vielen Deutschen eine hohe Skepsis gegenüber Unternehmen. Diese verstärke sich im Fall der Assekuranz aufgrund einer allgemeinen Skepsis gegenüber der Branche. Beim Thema Nachhaltigkeit von Versicherungen denken die Kunden vor allem an das Verhalten des Unternehmens. „Dazu zählen dann traditionell schwierige Themen wie Transparenz, Glaubwürdigkeit und Fairness“, erklärt Giso Hutschenreiter, Partner bei Bearing Point. 

Giso Hutschenreiter, Partner und Versicherungsexperte bei BearingPoint
Giso Hutschenreiter © BearingPoint 

„Unsere Gesellschaft ist bei Nachhaltigkeit zunehmend polarisiert und bringt zunehmend Skepsis gegenüber Unternehmen generell und bei Versicherungen nochmals verstärkt auf“, sagt der Branchenexperte. „Versicherungsunternehmen scheinen verstärkt an ihrer Wahrnehmung als Unternehmen arbeiten zu müssen, um in der Folge auch mit nachhaltiger Ausrichtung von Produkten punkten zu können. Zudem erwarten Verbraucherinnen und Verbraucher bei einem gesellschaftlich gewünschten Verhalten in Bezug auf Nachhaltigkeit eine positive Wirkung auf die Prämie beziehungsweise Rendite“, so Hutschenreiter weiter.  

 Denn: „Unsere Umfrage legt nahe, dass Kunden kein Vertrauen in die Nachhaltigkeitsbemühungen von Versicherungen haben. Die Rechtfertigung einer höheren Prämie oder eines Leistungsverzichts fällt umso schwerer“, bewertet Hutschenreiter die Umfrageergebnisse für den Stimmungsbarometer Sustainable Insurance (siehe Bilderstrecke oben). Für Deutschlands Versicherer das kein einfaches Marktumfeld. „Nachhaltigkeit ohne eine ernsthafte Grundlage läuft Gefahr, als Greenwashing demaskiert zu werden. Seitens des Kunden erwartete Anreize müssen andererseits auch mit grundlegenden Prinzipien des Versicherungsgedankens vereinbar sein.“ 

 

Bei der erstmalig in diesem Jahr gestellten Frage zum Ausblick der Verbraucher zu diesem Thema zeigt sich ein uneinheitliches Bild. „Die Bedeutung von Nachhaltigkeit nimmt zu und wird insgesamt eher einen positiven Einfluss auf mein persönliches Umfeld haben“, sagen 24 Prozent der Teilnehmer. 15 Prozent von ihnen sehen eine eher negative Auswirkung. Ebenfalls 24 Prozent glauben, dass das Thema an Bedeutung verliert – insbesondere im Kontext andauernder Krisen. Und weitere 23 Prozent erwarten keine Veränderungen. 16 Prozent machen hierzu dagegen jetzt keine Angaben. 

Ausblick für die nächsten Jahre wenig positiv

Deutschlands Assekuranz stehe somit „vor einer großen Herausforderung“, zieht Hutschenreiter als Fazit. Denn im aktuellen Marktumfeld gebe es kaum Chancen, sich mit nachhaltig ausgerichteten Policen positiv vom Feld der Mitbewerber abzuheben. „In der Kundenkommunikation scheint ein genereller Strategiewechsel zum Thema Nachhaltigkeit weg vom Einzelprodukt hin zum Unternehmen und grundsätzlichen Handeln angezeigt.“ Zudem sei Nachhaltigkeit aus Sicht der Kunden bei Versicherungen zwar durchaus erwünscht, dürfe den Versicherten aber möglichst nichts kosten.