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Chinas Vizeministerpräsident Liu He mit US-Präsident Donald Trump vergangene Woche im Weißen Haus in Washington: Trotz der jüngsten Teileinigung dürfte der Handelskonflikt zwischen den beiden Ländern noch nicht ausgestanden sein.   | © Getty Images

„Beeindruckende Sorglosigkeit“

Anleger gehen zu hohe Risiken ein

An den Finanzmärkten herrscht schon wieder eine beeindruckende Sorglosigkeit. Abzulesen ist das beispielsweise an den Volatilitäts-Indizes. So notiert der deutsche V-Dax new bei weniger als 17 Punkten. Das weist darauf hin, dass die Marktteilnehmer für die nächsten Handelstage keine größeren Schwankungen erwarten. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den USA. Dort notieren die gängigen Aktienindizes sogar nur unweit von ihren Allzeithochs.

Joachim Paul Schäfer
Bild: PSM Vermögensverwaltung

Auf die gesunkene Risikowahrnehmung weist auch der Goldpreis hin, der seine beeindruckende Rallye im September erst einmal zumindest unterbrochen hat. Das ist erstaunlich, denn von den weltweiten Brandherden wurde in den zurückliegenden Monaten keiner wirklich gelöscht – das gilt sowohl für den Streit mit dem Iran um sein Atomprogramm und den Angriff auf die weltweit größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien als auch für die Proteste in Hongkong und die Gefahr eines No-Deal-Brexits. Vielmehr kocht jetzt noch der Streit über die Amtsführung von US-Präsident Donald Trump hoch.

Wahrscheinlich sind jedoch die fundamentalen Risiken für die Finanzmärkte noch sehr viel gefährlicher als die genannten geopolitischen. So erleben die USA derzeit eine wirtschaftliche Scheinblüte. Die Arbeitslosenquote ist im August nach offiziellen Angaben auf 3,7 Prozent gefallen. Damit herrscht angeblich Vollbeschäftigung. Gleichzeitig ist das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal im Vergleich zu den drei Monaten zuvor auf 4,1 Prozent hochgeschnellt.

Rasant steigende Staatsverschuldung

Die auf den ersten Blick überzeugenden Zahlen basieren allerdings vor allem auf immer neuen Schulden. Allein der amerikanische Staat sitzt auf einem gigantischen Berg von Verbindlichkeiten. Die Staatsschulden der USA haben sich seit 2008 auf 22.000 Milliarden Dollar glatt verdoppelt. Dazu kommt, dass die Vereinigten Staaten dafür bekannt sind, ihre Statistiken zu schönen. So gibt es gleich mehrere unterschiedliche Arbeitslosenquoten. Und beim Wirtschaftsfaktor rechnen die Statistiker unter anderem den hedonischen Faktor mit ein. Beispielsweise wird eine Leistungssteigerung bei einem Computer oder einem Smartphone als BIP-Zuwachs gewertet, auch wenn sich der Preis überhaupt nicht geändert hat.

Bei der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sieht es nicht besser aus. Selbst nach offiziellen Angaben ist das Wirtschaftswachstum Chinas im zweiten Quartal mit 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf den tiefsten Stand seit fast 30 Jahren gefallen. Doch selbst an diesem Wert sind Zweifel erlaubt. So sind auf dem größten Automarkt der Welt die Pkw-Absätze im August um fast sieben Prozent eingebrochen. Damit sinken sie bereits seit mehr als einem Jahr. Zu den offiziellen Wachstumszahlen passt das wohl kaum. Wie die USA ist auch China aufgrund seiner Konjunkturmaßnahmen mittlerweile hoch verschuldet.

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