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Nikolas Kreuz ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Vermögenssicherung und Vermögensverwaltung.

Behavioral Finance und die Ruhe bewahren

Investment-Regeln in Zeiten der Pandemie

Mitte Februar konnten wir noch über neue Höchststände berichten, doch mittlerweile haben wir es weltweit mit den stärksten Rückschlägen in der Börsengeschichte zu tun. Die Corona-Pandemie bringt nicht nur unseren Alltag, sondern auch die meisten Depots gründlich durcheinander. Unsere Welt erscheint seltsam unwirklich. Auf allen Ebenen spricht die Krise unsere größten Ängste an. Jetzt ist es an der Zeit, sein Depot grundsätzlich krisenfest auszubalancieren und es für die Zukunft rentabel auszurichten.

Warum kaufen Menschen über ihren Bedarf Hygieneartikel oder laufen schon seit Anfang März mit Atemschutzmasken herum, während andere sich entgegen aller Empfehlungen zu „Corona-Partys“ treffen? Wieso versuchen manche, die persönliche Depotentwicklung entmutigt zu verdrängen, während es für andere gar nicht genug Informationen zu den neuesten Entwicklungen geben kann?

Erstarren, Fliehen oder Kämpfen – alle Lebewesen auf diesem Planeten zeigen bei Gefahr eine dieser unterschiedlichen Verhaltensweisen.
So verschieden wir Menschen in unserem Temperament und unserem Wesen sind, so unterschiedlich ist auch unser Umgang mit der aktuellen Ausnahmesituation an den Kapitalmärkten.

Es geht also um die Behavioral Finance, denn erstens machen Menschen die Märkte und zweitens basieren menschlichen Entscheidungen zu 80 Prozent auf Emotionen. Entsprechend kann man Verhaltensregeln formulieren, um das eigene Depot professionell zu stabilisieren und für eine Markterholung perfekt aufzustellen.

Durch die typische Verhaltensirrationalität neigen Anleger beispielsweise dazu, nach einer Marktkorrektur in eine passive Verhaltensphase abzugleiten und zu kapitulieren. Das liegt tief begründet in der menschlichen Natur, so wie das Angstzentrum im limbischen System uns jetzt teilweise irrational entscheiden lässt. Diese und andere Verhaltensanomalien der „Anleger-Herden” sind wissenschaftlich belegbar und treten nicht zufällig auf. Sie sind stetig und lassen sich damit an der Börse professionell nutzen.

Aus den hieraus gewonnenen Erkenntnissen lassen sich die folgenden Investmentregeln ableiten:

  1. Wenn Sie eine überlegte Anlagestrategie besitzen, dann lassen Sie sich jetzt nicht verunsichern.
    Eine der sichersten Methoden, sein Vermögen zu reduzieren, ist es, die Nerven zu verlieren und dann in Panik zu verkaufen. Die beiden wichtigsten Körperteile eines Aktionärs sind dementsprechend der Neo-Cortex und der Musculus gluteus maximus, mit dem man es einfach aussitzen muss.
  2. Prozyklisch verkaufen und antizyklisch kaufen
    Nutzen Sie die Kurseinbrüche, um in mehreren Investitionstranchen behutsam in den Aktienmarkt zurückzukehren. Denn letztendlich liegt auch im Einkauf der Gewinn.
  3. Die Asset Allocation ist der Schlüssel zum Erfolg. Und dabei gilt: Diversifikation ist Trumpf!
    Rund 80 Prozent des Anlageerfolgs wird durch die Vermögensaufteilung bestimmt und nicht durch aufwendige Einzeltitelselektion. Informieren Sie sich und streuen Sie über verschiedene Asset-Klassen, Strategien, Regionen, Branchen, Rohstoffe, et cetera. Achten Sie auf den Home-Bias-Effekt, dass man überproportional in den bekannten Heimatmarkt wie den Dax investiert, und vermeiden Sie ihn. Er trifft sowohl Profis als auch Amateure.
  4. Nutzen Sie das Pareto-Prinzip durch einen Kern-Satelliten-Ansatz
    Der stabile Kern sollte aus 80 Prozent ETFs, ETCs und ausgewählten aktiven Fonds bestehen. 20 Prozent nutzen Sie zur aktiven Positionierung, um Alpha zu generieren. Durch diesen Kern-Satelliten-Ansatz vermeiden Sie zu hohe Transaktionskosten, denn viel „Hin und Her macht die Taschen leer.“
  5. Vermeiden Sie den Dispositionseffekt
    Lassen Sie Gewinne laufen und begrenzen Sie Verluste. Denn man wird zwar nicht mühelos vermögend, aber schnell mühelos arm. Also: Ziehen Sie Trailing-Stops in Ihr Depot.
  6. Kümmern Sie sich aktiv um Ihr Vermögen.
    Eine zu sorglose Delegation an Dritte, zum Beispiel Banker und Vermögensverwalter, kann Sie viel Geld kosten. Im Übrigen kommen die sogenannten Black-Swan-Events – dramatische Ereignisse, die die Börsen aus dem Nichts abstürzen lassen – regelmäßiger vor als man denkt.
  7. Selbstüberschätzung und Kontrollillusion kommen vor dem Fall
    Behalten Sie die Demut vor dem Markt. Wenn Sie spekulieren, dann realisieren Sie Ihre Verluste, so lange sie noch gering sind.
  8. Achten Sie auf die Kostenstruktur und den Aktivitätslevel Ihres Vermögensverwalters in der Krise
    Wenn Sie als Prinzipal unzufrieden sind, dann besprechen Sie es mit Ihrem Verwalter – oder wechseln Sie konsequent. Das oft zu beobachtende „Benchmark-Hugging“ ist eine der Kardinalsünden von Bankern und Vermögensverwaltern – und kostet nur unnötig Geld.
  9. Die Torheiten von Politikern sind unberechenbar
    Daher kommt es oft anders als man denkt – und schlimmer als nötig. Somit haben politische Börsen immer kurze Beine.
  10. Wohlstand verpflichtet.
    Vergessen Sie nicht die Not anderer. Helfen Sie nach ihrem Vermögen. Vernünftig ist derjenige, der anderen Mitmenschen am eignen Wohlergehen teilhaben lässt. Zudem bereitet geteilte Freude doppelte Freude.

Nutzen Sie Ihre innere Gelassenheit, drängen Sie Emotionen bei der Depotausrichtung zurück und bewerten Sie ganz rational. So kommen Sie und Ihr Depot sicher durch diese temporäre Ausnahmesituation. Seit Bestehen der Kapitalmärkte lehrt uns die Geschichte, dass jede Korrektur von einem neuen Höchststand an den Börsen abgelöst wird – und genauso wird es auch diesmal sein.

 
Über den Autor:

Nikolas Kreuz ist geschäftsführender Gesellschafter bei Invios – Institut für Vermögenssicherung und Vermögensverwaltung. In früheren Berufsstationen verantwortete er die Vermögensverwaltungen bei der Deutschen Bank, der UBS und der DZ Privatbank und war zudem Investmentchef für zwei Landesbanken. Der Invios Vermögensbildungsfonds (ISIN: DE000A2N82F6) gehört derzeit zu den Mischfonds, die mit nur leichtem Minus durch die Corona-Krise gehen.

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