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„Behörden werden 2013 die Kurse von Unternehmensanleihen stützen“

Stefan Maly, Chefvolkswirt von Cortal Consors
Stefan Maly, Chefvolkswirt von Cortal Consors
Seit 2010 sind Anleihen die Anlageklasse mit dem größten Zuspruch der Anleger. 249,1 Milliarden Euro flossen zwischen Januar 2010 und Dezember 2012 in Anleihefonds und Anleihen-ETFs (Exchange Traded Funds, börsennotierte Indexfonds), die in Europa aufgelegt sind. Aktienfonds und -ETFs verzeichneten in diesem Zeitraum lediglich einen Mittelzufluss von 25,9 Milliarden Euro.

Niemals zuvor wurde weltweit mehr Geld in Unternehmensanleihen investiert als 2012. Die Performance in den vergangenen Jahren gab den Anleiheninvestoren Recht. Teilweise konnten die High-Yield-Märkte sogar die Aktienmarktrendite übertreffen.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Risikoprämien auf sehr geringe Niveaus gefallen sind. Dass die Risikoprämien noch nicht historische Tiefststände erreicht haben, liegt zum Teil an den historisch niedrigen Renditeniveaus der Bundesanleihen.

Dies sind zwei wichtige Risikoquellen für die Unternehmensanleihen. Zum einen laufen schnell hohe Verluste auf, sobald die Rendite der Staatsanleihen mit AAA- oder AA-Rating wieder steigen. Zum anderen können sich die Risiken erhöhen, sobald sich die Qualität der Unternehmensbilanzen verringert und die Anleger wieder höhere Risikoprämien verlangen.

Leitzinsen verharren auf niedrigem Niveau

Von Seiten der Staatsanleihen droht nach unserer Einschätzung kaum Gefahr. Weder die US-Notenbank Fed (Federal Reserve) noch die Europäische Zentralbank (EZB) oder die Bank of Japan werden 2013 die Leitzinsen anheben.

Im Gegenteil, sie werden weiterhin ihre unorthodoxen Maßnahmen der Geldpolitik aufrecht erhalten und im Falle Japans sogar noch weiter ausdehnen. Die Folge werden weiterhin niedrige Renditen der Staatsanleihen unterhalb der Inflationsrate in den betroffenen Ländern sein.

Gleichzeitig haben die Zentralbanken 2012 dafür gesorgt, dass die Risikofreude der Anleger wieder gestiegen ist. Damit fließt seit September 2012 wieder deutlich mehr Geld in den Aktienmarkt. Für 2013 erwarten wir zudem, dass die Investitionstätigkeit der Unternehmen wieder zunimmt.

In den zurückliegenden Jahren haben die Unternehmen hohe Liquiditätsreserven aufgebaut, um sich gegen erneute Finanzierungsengpässe wie nach der Lehman-Pleite zu schützen. Zwar sorgten sie dafür, dass sich die Bilanzkennzahlen aus Gläubigersicht deutlich verbessert haben, was unter anderem für sinkende Risikoprämien gesorgt hat. Andererseits sorgen die hohen aber sehr gering verzinsten Liquiditätsreserven für niedrige Kapitalrenditen bei den Unternehmen, was aus Sicht der Aktionäre nachteilig ist.

Nachdem sich der Fokus zu Gunsten der Aktien verschiebt, dürften die Unternehmen zunehmend unter Druck geraten ihre Kapitalrenditen zu stärken. Im Umkehrschluss könnte dies höhere Risikoprämien und Kursverluste bei den Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich führen.

Hohe Nachfrage nach sicheren Unternehmensanleihen

Unterstützung für die Unternehmensanleihen mit guter Bonität könnte von Seiten der Aufsichtsbehörden kommen. Gerade Versicherer und Pensionskassen können die notwendigen Kapitalrenditen nicht mehr mit Staatsanleihen erreichen. Die jüngste Umfrage des deutschen Fondsverbandes BVI zeigt, dass viele Manager von Altersvorsorgevermögen ihre Aktienquoten und ihre Engagements in Anleihen aus Schwellenländern deutlich erhöhen möchten.

Allerdings hindern sie die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) genehmigten Anlagerichtlinien häufig daran. Die Folge wird sein, dass sie weiterhin den geringen Risikoaufschlag der Unternehmensanleihen nutzen müssen, obwohl auch dort die Renditen mittlerweile unterhalb der Inflationsrate liegen.

Demnach wird es weiterhin eine hohe Nachfrage nach Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich geben. Die Gefahr von signifikanten Kursverlusten ist dennoch deutlich gestiegen. Deshalb erwarten wir von gut gemanagten Relativ-Value- / Absolute-Return-Strategien im Anleihebereich 2013 ein deutlich besseres Rendite-Risiko-Profil und favorisieren zudem Schwellenländeranleihen in lokaler Währung. Die besten Renditechancen sehen wir für das Jahr 2013 bei Aktien aus der Eurozone sowie im chinesischen und brasilianischen Aktienmarkt.

Zur Verfügung gestellt von www.finanzmonitor.de

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