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Im Hochgebirge über Davos Foto: IMAGO / Wilhelm Mierendorf
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Anlagethemen von BlackRock für 2021

Bei Aktien und Unternehmensanleihen übergewichtet

Jean Boivin, Leiter des Blackrock Investment Institute

Wir erwarten stärkeres Wachstum und niedrigere Realrenditen, da sich durch verfügbare Impfstoffe der Wirtschaftsneustart beschleunigen wird und die Währungshüter den Anstieg der Nominalrenditen einschränken – selbst bei steigenden Inflationserwartungen. Die Teuerung wird sich in der neuen nominalen Zinswelt anders auswirken als früher. Was das für die strategische Allokation bedeutet: Wir gewichten Staatsanleihen unter und sehen in sinkenden Realzinsen eine Stütze für Aktien. Für die taktische Allokation gilt: Wir erwarten weiter niedrige Zinsen und bleiben deshalb risikobereiter positioniert. Wir mögen US-Aktien und bevorzugen für regelmäßige Erträge Hochzinsanleihen.

Neuverkettung der Globalisierung fördert Schwellenländer

Mit der Pandemie nehmen auch geopolitische Veränderungen an Fahrt auf, wie eine neue Weltordnung mit China und den USA an entgegengesetzten Polen sowie die Neugestaltung der globalen Lieferketten. Der Schwerpunkt wird dabei stärker auf Resilienz und weniger auf Effizienz liegen. Was das für die strategische Allokation bedeutet: Wir bevorzugen eine bewusste Diversifizierung über Länder sowie Engagements in China über dem Benchmark-Niveau. Im Hinblick auf die taktische Allokation finden wir Schwellenländeraktien attraktiv, allen voran solche aus Asien ohne Japan. Aktien aus Europa und Japan gewichten wir unter.

Turbo-Transformationen erfordern nachhaltige Investments

Durch die Pandemie verstärken sich bestehende strukturelle Trends. So rücken etwa Nachhaltigkeit, die Ungleichheit innerhalb und zwischen den Ländern und die Dominanz des E-Commerce auf Kosten des traditionellen Einzelhandels stärker in den Fokus. Was das für die strategische Allokation bedeutet: Wir favorisieren nachhaltige Anlagen, da in der Gesellschaft das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung gewinnt. In der taktischen Allokation verfolgen wir einen zweigleisigen Ansatz mit Technologie- und Gesundheitsaktien einerseits sowie ausgewählten zyklischen Engagements andererseits.

Zweigleisiger Ansatz aus Zyklikern und Qualitätswerten

Die neu gewonnene Mehrheit der Demokraten im US-Kongress ebnet den Weg für höhere Staatsausgaben, aber die knappe Mehrheit begrenzt unserer Ansicht nach den Spielraum für Steuererhöhungen. Hinzu kommt die Aussicht auf einen schwungvollen wirtschaftlichen Neustart in der zweiten Jahreshälfte, sofern die Impfungen breit verfügbar sind.

Insgesamt erwarten wir, dass die neue nominale Zinswelt sich schneller durchsetzen wird, das heißt, es ist mit einem stärkeren Wachstum bei stabilen Nominalrenditen zu rechnen. Die Renditen von US-Staatsanleihen haben kürzlich zum ersten Mal seit März vergangenen Jahres die Marke von 1 Prozent überschritten. Dies ist auf einen Anstieg sowohl der Inflationserwartungen als auch der Realrenditen zurückzuführen (siehe Grafik) und deutet darauf hin, dass die Märkte die Bereitschaft der Fed, sich gegen einen schnellen Anstieg der Nominalrenditen zu stemmen, auf die Probe stellen werden.

Die erste Hälfte des Jahres 2021 wird wahrscheinlich unruhig. Die Pandemie stellt eine Herausforderung für das öffentliche Gesundheitswesen und den Neustart der Konjunktur dar. Die USA reagieren mit weiteren Unterstützungsmaßnahmen zusätzlich zu dem jüngsten 900 Milliarden US-Dollar schweren Finanzpaket.

Wir bevorzugen in diesem Umfeld einen zweigleisigen Ansatz bei Risikoanlagen, mit ausgewählten zyklischen Werten wie US-Small-Caps und Schwellenländeraktien auf der einen Seite und Qualitätswerten, darunter auch Aktien aus den USA und Asien ohne Japan, auf der anderen Seite. Wir mögen auch den Technologiesektor und das Gesundheitswesen. Diese Branchen können unserer Meinung nach von strukturellen Trends profitieren, die durch die Pandemie verstärkt werden. Zudem bieten Tech und Gesundheit mit ihren starken Bilanzen und Cashflows eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen Volatilität.

Insgesamt bleiben wir risikofreudig und bevorzugen eine Übergewichtung sowohl von Aktien als auch von Unternehmensanleihen. Dennoch könnten die Aussichten für Vermögenspreise im Allgemeinen unserer Ansicht nach turbulent werden.

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