Tim Wirth von Iurisconcept „Bei Mallorca-Immobilien sind oft Emotionen im Spiel“

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Dann sind spanische Gewerbeimmobilien für Investoren interessanter als Wohnimmobilien?

Wirth: Ja, und zwar für Investoren, die Renditen genau kalkulieren wollen. Allerdings sollten sie auch bedenken, dass Spaniens Wirtschaft auf anderen Säulen steht als die deutsche Wirtschaft.

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf den spanischen Immobilienmarkt?

Wirth: Aus meiner Sicht gibt es vor allem am Gewerbeimmobilienmarkt Probleme. Ladeninhaber können sich nicht mehr halten, weil der Umsatz einbricht. Gleiches gilt für die Gastronomen und Hoteliers. Der Markt für Zweitwohnungen leidet aber aus meiner Sicht nicht in der Virus-Pandemie.

Woran liegt das?

Wirth: Es ist viel Geld im Markt. Liquide Investoren sehen gut gelegene Immobilien auf Mallorca einfach als zukunftsträchtiges Investment. Die Insel ist im Vergleich zu anderen Regionen in Spanien hervorragend durch die Corona-Krise gekommen. Örtliche Krankenhäuser waren nie überlastet und es gab immer Flugverbindungen zum spanischen Festland und nach Deutschland. Außerdem sind die Sicherheitskonzepte auf den Balearen gut ausgearbeitet. Menschen, die in Deutschland Bodyguards engagieren, verzichten auf Mallorca schon mal darauf.

Sind Immobilien auf Mallorca aus Ihrer Sicht teuer?

Wirth: Menschen die sich eine Finca auf Mallorca kaufen, handeln oft emotional. Viele verlieben sich regelrecht. Deshalb ist bei den Preisen schon noch Luft nach oben.

Tim Wirth wurde 1965 in Lübeck geboren. Nach Abitur und Banklehre folgte ein Studium der Rechtswissenschaften, der spanischen juristischen Fachsprache und Kulturmanagement mit Schwerpunkt BWL und Recht an der Universität Hamburg. Tim Wirth arbeitete zunächst als Rechtsanwalt in Hamburg. 1997 erhielt er ein Angebot der Unternehmens- und Managementberatung Ernst & Young und zog nach Spanien. Sieben Jahre war er bei Ernst & Young Madrid/Palma für die Betreuung ausländischer Investoren zuständig, vier Jahre bei Cuatrecasas, der fuehrenden spanischen Wirtschaftskanzlei, in Barcelona/Palma. Die Anwaltsprüfung des spanischen Justizministeriums erfolgte im Jahr 2000 in Madrid. 2009 machte sich Wirth mit der Kanzlei Iurisconcept selbstständig und promovierte anschließend im spanischen Wirtschaftsrecht mit einer Arbeit über Steuer- und Subventionsbetrug. Wirth spricht fließend Deutsch, Spanisch und Englisch. Seine Schwerpunkte liegen im Immobilien-, Handels-, Wirtschafts- und Steuerrecht. Zu seinen Kunden zählen internationale Bankhäuser, die größten Firmen der Balearen, internationale Investoren, die in Spanien aktiv sind und vermögende Privatleute.

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