Bei Solarenergie-Start

Saudis setzen auf ihren Ölriesen Aramco

Saudi-Arabien will eine eigene Solarbranche aufbauen und wendet sich dabei ausgerechnet an den größten Ölproduzenten des Landes, Saudi Arabian Oil Co. (Aramco). Der weltgrößte Exporteur von Rohöl will mit dem Schritt den steigenden Verbrauch fossiler Brennstoffe im eigenen Land einschränken.

“Wir sehen uns mit großem Interesse nach Investitionen in der Solarbranche um”, erklärte Aramco-Chef Khalid Al-Falih im Rahmen einer Konferenz in Bahrain.

Seine Aussage lässt darauf schließen, dass sich die Zuständigkeit für erneuerbare Energien in dem Königreich zu Aramco hin verlagern könnte. Das Unternehmen hat über Jahrzehnte die saudi-arabische Ölbranche aufgebaut und hat Erfahrung im Umgang mit umfangreichen Lieferverträgen und mit westlichen Konzernen.

Bislang war King Abdullah City for Atomic and Renewable Energy (Kacare) für die Strategie im Bereich erneuerbare Energien verantwortlich. Die Regierung hatte die Organisation eingesetzt, die unabhängig vom Energieministerium arbeitet. Im Mai 2012 kündigte Kacare an, das Land wolle 109 Milliarden Dollar für den Aufbau einer Solarbranche bis 2032 einsammeln. Es gibt allerdings kaum Hinweise darauf, dass sich seither schon etwas in dem Bereich getan hat.

“Der Plan der Regierung schreitet sehr langsam voran. Wir hören schon eine Weile davon, aber es entwickelt sich nicht so schnell wie es sollte”, sagt Gasem al-Shaikh, der die Energiesparte von Saudi Binladin Group leitet, im Bloomberg- Interview in Manama. “Das Land kann nicht warten. Wir verbrennen mit jedem Jahr mehr Energie, und deswegen übernimmt Saudi Aramco jetzt die Führung.”

Das Unternehmen von al-Shaikh ist daran interessiert, Offerten für neue Solarprojekte abzugeben, die von Kacare angekündigt werden, erläuterte er. Die Arbeit von Aramco ist von diesen Verträgen unabhängig. Kacare war im April 2010 auf Anordnung des Königs ins Leben gerufen worden.

Saudi-Arabien muss beim Aufbau der Solar-Kapazitäten “langsam und vorsichtig” vorgehen, sagt Al-Falih von Aramco. Nur so könnten Fehler vermieden werden, wie sie Länder in Europa gemacht hätten. “Wir wollen nicht so schnell vorpreschen wie Deutschland und Spanien und am Ende dann alles bereuen”, sagt er. Die Europäer hätten erst einen unkontrollierten Boom bei der Installation von Solarmodulen hervorgerufen, bevor sie dann die Förderung wieder zurücknehmen mussten.

Eine alljährliche Prüfung der Lage von Aramco kam am 15. Mai zu dem Schluss, dass die lokale Nachfrage nach Rohöl auf ein Niveau gestiegen ist, “bei dem eigentlich für den Export bestimmte Mengen in den nächsten zwei Jahrzehnten auf ein inakzeptabel niedriges Niveau fallen könnten”.

Aramco hat vorläufige Vereinbarungen über die Entwicklung von Anlagen zur Erzeugung von 300 Megawatt Solarenergie unterzeichnet, erläuterte al-Falih. Diese Anlagen befinden sich in abgelegenen Teilen Saudi-Arabiens und dienen dem Zweck, die Verbrennung von fossilen Kraftstoffen zur Stromerzeugung in diesen Gebieten zu reduzieren.

Auf der Farasan-Insel half Saudi Aramco beim Aufbau einer kleinen Anlage zur Erzeugung von Solarenergie. Sie befindet sich am Ufer des Roten Meeres.

“Wir mussten das tun, da wir eigene Interessen bei dem Projekt verfolgt haben”, sagt al-Falih. “Wir haben das Stromkraftwerk der Insel mit Diesel beliefert und das hat eine ganze Menge gekostet.

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