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Jens Ehrhardt, DJE Kapital

Jens Ehrhardt, DJE Kapital

Bei stabiler Konjunktur

Darum gab es panikartige Aktienverkäufe

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„Wir verkaufen panikartig, wissen aber nicht warum.“ Diese Aussage eines US-Hedgefonds-Managers letzte Woche könnte bezeichnend sein für die jüngste Börsensituation. Bezogen auf die Geschwindigkeit der Kursrückgänge Ende August und in der zweiten Septemberhälfte in den USA war es die intensivste Abschwungphase seit Jahren. Ähnlich ist die Situation in den Schwellenländern. Fragt man nach einer Begründung, so war es in der Regel die diffuse Angst vor einer US-Zinserhöhung. Als diese dann ausblieb, gaben die Märkte noch einmal deutlich nach, da die Unsicherheiten bestehen blieben. Nach der Logik der eben vorangegangenen Angst vor einem Zinsanstieg wäre eigentlich ein Erleichterungsaufschwung zu erwarten gewesen.

Allerdings sind die US-Konjunkturzahlen schwächer als prognostiziert – genauer sind die Arbeitsmarktzahlen unter den Erwartungen, die Frühindikatoren im Gütersektor trübe, die Zahl der Auftragseingänge niedrig und die Lagerbestände hoch. Das bedingt eine erneute Kehrtwende um 180 Grad in der Mentalität der Börsianer. Diesmal getreu dem Motto: Die US-Zinserhöhung ist vorerst verschoben. Das wiederum löste dann international eine kräftige Börsenerholung aus, beginnend bei Öl-, Rohstoff- und Edelmetalltiteln.

Nach dieser Phase des Schwankens und der Unsicherheit haben die Märkte also wieder mehr fundamentale Orientierung gefunden. Die Kurse werden nicht mehr von technischen Verkäufen gedrückt, deren einzige Begründung das Vermeiden erwarteter Verluste war. Tatsächlich haben viele Fondsmanager nach den teilweise empfindlichen Rückschlägen im Aufschwung der vergangenen Jahre hauptsächlich eine Verlustvermeidungsstrategie eingeschlagen. Nachdem steigende Anleihekurse und – für europäische Anleger – ein steigender Dollar nicht mehr die Verluste im Aktienteil der Anlage ausgleichen oder überkompensieren, wurden Aktien umso schneller zur Vermeidung von Verlusten verkauft. Das ist analytisch gedacht eine ganz andere Ursache, als wenn Notenbanken mit einer Geldverknappungspolitik zur Inflationsbekämpfung den Märkten Liquidität entziehen, was der Hauptgrund für die jeweiligen Aktien-Baissen in den vergangenen 15 Jahren war.

Dementsprechend sind die Barreserven bei privaten und institutionellen Anlegern heute besonders hoch, die Aktienquoten hingegen tief. Das ist ein Faktor, der in der Vergangenheit fast ohne Ausnahme in den nachfolgenden Monaten zu Kursverbesserungen geführt hat. Zudem spricht ein anderer Faktor für steigende Aktienmärkte: der Pessimismus für Aktien ist derzeit ungewöhnlich groß. Aus historischer Sicht bedeutet dies: Der übliche Saisonrhythmus mit wieder besseren Kursen im Verlauf des 4. Quartals hat in diesem Jahr eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit.

Auch das Makroumfeld spricht dafür: Die Konjunktur in den westlichen Industrieländern befindet sich also im Grunde immer noch in jenem „sweet spot“, der schon seit Ende der Finanzkrise anhält: Die Konjunktur ist nicht zu gut, als dass die Notenbanken bremsend eingreifen. Aber auch ist die Konjunktur nicht so schlecht, als dass die Gewinne der Unternehmen fallen. Aus dieser Sicht bleiben die Börsenperspektiven für das 4. Quartal positiv.

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