Beipackzettel mangelhaft: Aigner droht mit neuen Gesetzen

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Die seit Juli 2011 vorgeschriebenen Produktinformationsblätter dürfen Anlegern derzeit keine große Hilfe sein. Wie eine vom Beratungsunternehmen "Evers & Jung" und dem Forschungsinstitut "You Gov Deutschland" im Auftrag des Verbraucherministeriums durchgeführte Untersuchung ergab, entsprechen die sogenannten Beipackzettel etwa zur Hälfte nicht den gesetzlichen Anforderungen an Vollständigkeit, Verständlichkeit und Vergleichbarkeit.

In 43 Prozent aller untersuchten Beipackzettel wurden entweder überflüssige und unzulässige Angaben gemacht oder wichtige Angaben weggelassen. Für die Studie haben die Forscher 160 Produktinformationsblätter ausgewertet und 2.000 Verbraucher befragt.

99 Prozent der Anleger lesen den Beipackzettel

Die meisten Bank- und Sparkassen-Kunden sehen die Beipackzettel als eine wichtige Informationsquelle, so ein weiteres Studienergebnis. Rund drei Viertel aller Befragten bewerten den Beipackzettel als „wichtig“ oder „eher wichtig“ für ihre Anlageentscheidung. Deshalb haben auch fast alle Kunden die in der Anlageberatung übergebenen Produktinformationsblätter gelesen oder zumindest überflogen. Nur ein Prozent der Befragten gab an, das Produktinformationsblatt ungelesen abgeheftet zu haben. Die Informationsblätter, die sie von ihrem Finanzinstitut bekommen haben, beurteilten indes nur 45 Prozent der Befragten als hilfreich. Bei komplexen Produkten waren es sogar nur 20 Prozent. Die Umfrageteilnehmer bemängelten vor allem die fehlende Einheitlichkeit der Informationen, die sich in unterschiedlicher Detailliertheit, Sprachqualität und sogar Begriffsverwendung äußert. Das erschwert die Vergleichbarkeit verschiedener Produkte von unterschiedlichen Anbietern enorm.

Nun gibt Aigner der Finanzbranche zwölf Monate Zeit, um diesen Missstand zu beheben. Sollte sich in dieser Zeit nichts ändern, wird sich die Ministerin nach eigenen Angaben „dafür einsetzen, den Inhalt der Produktinformationsblätter noch konkreter durch Rechtsverordnung vorzuschreiben". Noch im März wolle sie darüber mit Banken, Sparkassen und Verbraucherschützern beraten. Des Weiteren kündigte Aigner an, ab 2013 die Stiftung Warentest mit der inhaltlichen Überprüfung der Beipackzettel zu beauftragen. Die Verbraucherschutz-Organisation bekommt ab dem nächsten Jahr zusätzlich 1,5 Millionen Euro jährlich, um Finanzprodukte intensiver zu prüfen.

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