Mit den Valexx-Standorten Traunstein und Berchtesgaden liefert Benjamin Betz ein bemerkenswertes Beispiel, wie es sich als Vermögensverwalter in einer ländlichen Region erfolgreich arbeiten lässt. Im Rahmen des private banking kongress in München spricht der 42-Jährige über Besonderheiten und Herausforderungen.
DAS INVESTMENT: Herr Betz, die Website von Valexx ist ja voll mit Auszeichnungen und Siegeln. Wie dürfen wir diese „vertrauensbildenden Maßnahmen“ verstehen?
Benjamin Betz: Auszeichnungen haben wir wirklich viele. Das ist die „Schuld“ der nachhaltig guten Performance unseres Portfoliomanagements sowie der Beratungsqualität unserer Berater. (lacht) Im Ernst: Es gibt mittlerweile sogar einige Auszeichnungen, die wir nicht mehr annehmen, weil sie unseren Qualitätskriterien nicht entsprechen.
Was zeichnet Valexx aus Ihrer Sicht denn aus?
Betz: Für uns zählt vor allem unser Fundamental-Ansatz mit kurzen Entscheidungswegen, der für konstante Portfolio-Renditen sorgt. Besonders wertvoll ist aber unsere regionale Verankerung – wir haben neben Standorten in München und Hannover auch Niederlassungen in kleineren Orten wie Traunstein, Berchtesgaden oder Lingen. Die Kunden schätzen diese Nähe, diese Ansprechbarkeit. Wir verbinden die Professionalität einer Großbank mit sehr viel Persönlichkeit. Bei uns muss kein Kunde durch ein Call-Center.
Valexx steht ja für Value Experts Vermögensverwaltung. Lässt sich daraus ein spezifischer Investmentansatz ableiten?
Betz: Nein, wir haben nichts mit klassischem Value-Investing zu tun. Wir kombinieren in unserer Analyse verschiedene Faktoren wie Value, Momentum, Qualität. Wir sind da nicht auf einen spezifischen Investmentstil festgelegt, sondern können flexibel agieren. Das ist in der aktuellen Marktlage ein großer Vorteil.
Valexx managed unter anderem den Publikumsfonds Vermögenswerte Global VV (ISIN: DE000A2P5B72), der eine beeindruckende Performance hingelegt hat. Ist es da nicht naheliegend, das Ihnen anvertraute Vermögen vor allem in Ihre eigenen Fonds zu stecken?
Betz: Richtig ist, dass der Großteil unserer Assets inzwischen in der Vermögensverwaltung im Haus liegt. Das war früher anders. Durch die guten Wertentwicklungen haben mehr und mehr Berater gemerkt: „Ich muss das gar nicht selbst machen."
Wir haben dabei unseren Beratern nie Vertriebsvorgaben gemacht – jeder kann selbst entscheiden, ob er Anlageberatung macht oder die zentrale Vermögensverwaltung nutzt.
Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für Vermögensverwalter?
Betz: Man muss heute viel schneller reagieren. Besser noch: agieren und Trends vorwegnehmen. Das ist besonders herausfordernd in der Trump-Phase, weil das niemand kann.
Die größte Aufgabe ist, die Flut an Informationen zu filtern. Durch KI und die sozialen Medien bekommt jeder permanent Input. In Phasen, in denen reißerische Überschriften und Clickbaiting dominieren, wird es immer schwieriger, einen Schritt zurückzugehen und zu schauen, was eigentlich wirklich relevant ist.
Es ist dann unsere Aufgabe, Kunden, die beunruhigende Schlagzeilen gelesen haben, von den Emotionen zurückzuholen und mit Fakten zu überzeugen.
Sie selbst sind Standortleiter in Traunstein und dem benachbarten Berchtesgaden. Wie schaffen Sie es, neun Personen in einer 20.000-Einwohner-Stadt zu beschäftigen?
Betz: Seit meinem Wechsel 2019 ist das Team sehr konstant geblieben – bis auf ein tragisches Ereignis, als ein Mitarbeiter leider verstorben ist. Die Assets sind massiv gestiegen und wir bemerken durchaus, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind. Wir sind auch aktuell daran interessiert unser Team in Bayern um zwei Berater aufzustocken.
Zuletzt haben Sie in Markus Stiepermann einen erfahrenen Berater geholt. Aber wie sieht es mit der Nachwuchsgewinnung im ländlichen Bereich aus?
Betz: Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. Mit Anfang 40 gehöre ich in unserem Unternehmen schon zur jüngeren Generation. Wir haben Anfang 2024 einen jungen Kollegen eingestellt. Matthias (Weibhauser, Anm.d.Red.) ist Anfang 20 und wir fördern ihn gezielt. Das ist wichtig, weil wir die Erfahrung der Älteren zwar dringend benötigen, aber natürlich auch an die nächste Generation und deren abweichende Bedürfnisse denken müssen.
Auch in Traunstein und der Region dürfte das Thema Vermögensweitergabe wichtig sein…
Betz: Der Bedarf steigt deutlich – aber ebenfalls die Bereitschaft, sich damit zu beschäftigen. Früher wurde oft gewartet, bis jemand verstorben ist, und dann hat man ein Testament aus der Schublade geholt. Heute gehen Kunden proaktiver mit dem Thema um und beginnen frühzeitig, etwas zu bewegen. Das ist für uns eine wunderbare Gelegenheit, mit der nächsten Generation ins Gespräch zu kommen.
Und es erweitert die Investitionsperspektive erheblich. Ein 85-jähriger Kunde hat mir kürzlich zu seinem Aktiendepot gesagt: „Ich brauche es nicht, ich weiß, dass es meine Tochter bekommt." Mit dieser langfristigen Perspektive diskutiert man nicht mehr über kurzfristige Trump-Effekte, sondern über nachhaltige Entwicklungen.
Sie selbst haben sich auf nachhaltige Geldanlage spezialisiert.
Ja, mein Herzblut steckt in der Nachhaltigkeit. Man merkt zwar, dass die aktive Nachfrage etwas zurückgegangen ist, aber im Gespräch kristallisiert sich schnell heraus, wer sich für das Thema interessiert. Wir bekommen jetzt sehr gute Tickets, weil die Kunden gemerkt haben, dass man trotz Nachhaltigkeit auch gute Renditen erzielen kann.
Ich glaube nicht, dass das Thema dauerhaft eine Nische bleiben wird. Gerade für die jüngere Generation, die etwas erben wird, ist Nachhaltigkeit oft sehr wichtig. Deshalb sind wir darauf vorbereitet, auch hier attraktive Angebote machen zu können.
Zurück zum Standort: Was ist die Besonderheit an Traunstein für die Vermögensverwaltung?
Betz: Das Besondere ist, dass wir bewusst weiter weg von München sind. Viele Kunden haben ihre Kontakte vor Ort und scheuen den Weg in die Großstadt. Für mich selbst sind es mit dem Zug eineinhalb Stunden nach München.
Interessanterweise ist für uns fast eher Salzburg Konkurrenz als München, weil viele vermögende Kunden traditionell eher diesen Standort bevorzugen. Aber nicht jeder möchte sein Vermögen im Ausland haben – gerade beim Thema Nachlass. Diese Kunden merken dann, dass wir auch vor Ort Kompetenz haben.
Wie heben Sie sich denn von der lokalen Konkurrenz wie Sparkassen und Volksbanken ab?
Betz: Die sind natürlich die Hauptplayer vor Ort, wobei die Commerzbank lediglich noch eine Filiale hat, die Deutsche Bank gar nicht vertreten ist und die HypoVereinsbank immer weiter reduziert. Bei Sparkassen oder Volksbanken bekommt der Kunde oft eine zentrale Dienstleistung, die aus der Zentrale kommt. Der Berater muss dann Entscheidungen verteidigen, die er selbst nicht getroffen hat.
Wir haben den entscheidenden Vorteil, dass wir die Kompetenz vor Ort haben, nicht in Frankfurt. Unsere Kunden haben direkt mit den Entscheidungsträgern zu tun – das merken sie, und das macht einen großen Unterschied.
Wie identifizieren Sie neue Investments – beispielsweise hier auf dem private banking kongress in München?
Betz: Man hat natürlich immer bestimmte Themenfelder im Hinterkopf, in denen man sich weiterentwickeln möchte. Hier kann man gute Kontakte knüpfen. Aber wir machen es uns nicht so einfach, dass wir nur nach Performance gehen. Für uns ist auch wichtig: Gibt es gute Ansprechpartner? Wie ist die Erreichbarkeit des Portfoliomanagements? Wie konstant ist das Team?
Manchmal entdeckt man auch Bereiche, mit denen man sich schon länger beschäftigen wollte. Ein aktuelles Beispiel sind die Schwellenländer: Wir kennen uns gut in Asien aus, aber vielleicht lohnt es sich jetzt, den lateinamerikanischen Finanzmarkt genauer anzuschauen. Nach der Abwertung durch die Zollpolitik könnte dort antizyklisch eine Chance liegen.
Ab welchem Vermögen darf man denn bei Ihnen in Traunstein durch die Tür?
Betz: (lacht) Unsere individuelle Vermögensverwaltung beginnt bei 500.000 Euro, aber unsere Tür steht für alle offen. In der Anlageberatung hängt es vom individuellen Bedarf ab, auch einfache Sparpläne sind möglich.
Wir wollen auch die nächste Generation, die jungen Kunden, bedienen können. Dafür haben wir die technischen Möglichkeiten geschaffen, über eine digitale Lösung auch standardisierte Vermögensverwaltungen für kleinere Tickets anzubieten. Es ist uns wichtig, Finanzbildung zu fördern – nicht Finfluencer sollten die Ratgeber sein, sondern jemand mit echter Erfahrung und Kompetenz.
Über Benjamin Betz und Valexx
Benjamin Betz, Jahrgang 1982, ist Direktor und Niederlassungsleiter der Filialen Berchtesgaden und Traunstein der Value Experts Vermögensverwaltungs AG (Valexx AG). Der zweifache Vater verantwortet zudem das Thema ESG und nachhaltige Investments im Unternehmen.
Die Valexx AG zählt mit acht Standorten deutschlandweit zu den größten unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaften in Deutschland und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, 2025 mit der Bestnote „summa cum laude" unter den Top 10 im Elite Report des „Handelsblatt“.



