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Ist überzeugt, dass sich das Marktumfeld für Aktien verschlechtert: Benjamin Melman | © Edmond de Rothschild Asset Management Foto: Edmond de Rothschild Asset Management

Benjamin Melman von EdRAM

„Zeit für Gewinnmitnahmen und extreme Vorsicht“

Vor diesem Hintergrund hatte die französische Fondsgesellschaft bereits am 2. August 2019 die Gewichtung europäischer Aktien in ihren Portfolios reduziert. Für den Anlageexperten waren zwei Gründe ausschlaggebend für den Verkauf:

1. Die Umkehrung der US-Zinskurve ist laut Melman beunruhigend, da sie sich nach dem letzten Treffen des Offenmarktausschusses eigentlich hätte normalisieren sollen. Vor allem, wenn man sich das kurze Ende der Kurve ansieht. Der Experte sieht es als unangemessen an, dass die Märkte nach wie vor mit einer Zinssenkung von 100 Basispunkten rechnen, da die Fed de facto neutrale Signale aussendet. Die Umkehrung der Zinskurve war für ihn stets ein zuverlässiger Frühindikator für einen wirtschaftlichen Abschwung.

2. Die neuesten chinesischen und deutschen Konjunkturdaten deuten für Melman darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert. Die Verlangsamung komme nicht überraschend, da Peking die Wachstumsprognosen bereits auf sechs Prozent gesenkt hatte. Angesichts von Ungleichgewichten aus früheren Konjunkturprogrammen begleite die chinesische Regierung nun den Abschwung und sieht von einer expansiveren Politik ab. Darüber hinaus behalte sie Reserven zurück für den Fall, dass das Wachstum einen größeren Einbruch erleidet. Ein Konjunkturprogramm könne auch für Deutschland diskutiert werden, wo das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2019 schrumpfte. Die Bundesregierung hat laut Melman sicherlich einen erheblichen Handlungsspielraum. Doch auch hier führe politischer Druck dazu, dass nichts Drastischeres zu erwarten sei als Maßnahmen, die den Abschwung begleiten oder mildern sollen.

Zentralbanken haben Aktienrally bewirkt

„Im bisherigen Jahresverlauf verzeichneten die Aktienmärkte Renditen, die angesichts der vorherrschenden Rahmenbedingungen normalerweise undenkbar wären“, so Melman. Hierzu zählt der Experte eine Ertragsverlangsamung, einen zunehmend fragileren Konjunkturzyklus und ein riskanter werdendes politisches Umfeld, welches das Vertrauen der Unternehmen weltweit schwächt.

Laut Melman sind diese beachtlichen Renditen vollständig darauf zurückzuführen, dass die Zentralbanken zwischen dem vierten Quartal 2018 und dem jüngsten Treffen des Offenmarktauschusses eine Kehrtwende vollzogen haben. „Anleger sollten beachten, dass die Fed jetzt versucht, weniger proaktiv und stattdessen reaktiver, das heißt neutraler, zu sein.“ Hinzu kommt nach Ansicht des Experten: Die Geldpolitik besitzt an Wendepunkten oft einen sehr großen Einfluss auf die Märkte, während ihre Bedeutung anschließend nachlässt.

Zeit für Gewinnmitnahmen

Vor diesem Hintergrund ist Melman überzeugt, dass ein Großteil des von den Zentralbanken angeheizten Marktwachstums bereits stattgefunden hat und sich das Umfeld zukünftig verschlechtert. Daher sei es jetzt Zeit für Gewinnmitnahmen und extreme Vorsicht: „Wir haben beschlossen, US-Aktienpositionen nach der Entwicklung vom 13. August zu verringern und unsere Aktienuntergewichtung leicht zu erhöhen,“ konstatiert Melman.

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