Künstliche Intelligenz wird in Deutschland zunehmend zur Alltagstechnologie. Aber nicht, wenn es ums Geld geht: Bei Finanzentscheidungen bleiben ChatGPT & Co eher die Ausnahme. Das geht aus der „Postbank Digitalstudie 2026“ hervor.
Für die „Postbank Digitalstudie 2026 – die digitalen Deutschen“ wurden 3.050 Bundesbürger befragt. Die Postbank untersucht damit im zwölften Jahr in Folge, wie sich die Digitalisierung in verschiedenen Lebensbereichen entwickelt, insbesondere bei Finanzthemen.
Laut Studie haben 54 Prozent der Deutschen bereits KI-Anwendungen genutzt, das sind 6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Weitere 16 Prozent planen dies.
70 Prozent lehnen den Einsatz von KI bei Finanzen ab
Für Überweisungen, Geldanlagen oder Finanzberatung lehnen jedoch 70 Prozent den Einsatz von KI ab. 75 Prozent der Befragten vertrauen einer persönlichen Beratung mehr als einer KI. Ebenso viele halten die Technologie für Finanzfragen noch nicht für ausgereift oder haben Datenschutzbedenken. Hinzu kommen laut Untersuchung Sorgen vor Manipulation und mangelnder Transparenz.





„Die Menschen unterscheiden sehr genau, wann sie einer neuen Technologie vertrauen und wann nicht. Digitale Offenheit bedeutet also nicht automatisch finanzielles Vertrauen. KI wird selbstverständlich für alltägliche Aufgaben genutzt. Bei finanziellen Entscheidungen wünschen sich viele dagegen weiterhin einen Ansprechpartner, der Verantwortung übernimmt und individuelle Fragen beantworten kann“, sagt David Dommel, Leiter Digitales Performance-Marketing der Postbank.
Banking-App verdrängt das klassische Online-Portal
Die Skepsis gegenüber KI ist nicht mit einer generellen Distanz zu digitalen Finanzangeboten gleichzusetzen. Mehr als drei Viertel der Deutschen erledigen ihre Bankgeschäfte online. Die Banking-App ist dabei zum wichtigsten Zugang zur Bank geworden: 43 Prozent nutzen sie inzwischen für Überweisungen, Kontoauszüge oder Informationen zu Geldanlagen. Das ist ein Zuwachs von 13 Prozentpunkten gegenüber 2022.
Das klassische Online-Portal verliert dagegen an Bedeutung und wird nur noch von 34 Prozent genutzt. Vor vier Jahren waren es noch 45 Prozent. Die Generation 40plus bevorzugt das Online-Portal mit 40 Prozent weiterhin leicht gegenüber der App mit 38 Prozent. Wer sich einmal für die App entschieden hat, bleibt ihr jedoch meist treu: 53 Prozent der über 40-jährigen App-Nutzenden verwenden sie bereits seit mehr als sieben Jahren.
Jüngere sind offener für KI und Sprachassistenten
Vor allem Jüngere zeigen sich offener für neue digitale Angebote. Den Kontakt zum Bankberater per Chat oder Videokonferenz akzeptieren 65 Prozent der 18- bis 39-Jährigen, bei den Älteren sind es 45 Prozent. Auch Sprachassistenten haben in dieser Altersgruppe einen festen Platz: 74 Prozent nutzen sie bereits, etwa für Internetrecherchen. Die Eingabe von Überweisungsdaten per Sprachassistent können sich 46 Prozent der unter 40-Jährigen vorstellen; bei den Älteren kommt dies für 72 Prozent nicht infrage.
Auch beim Einsatz von KI für Finanzthemen zeigt sich ein Altersgefälle: Fast jeder zweite unter 40-Jährige ist dafür offen, jeder vierte Nutzer unter 40 ist beim Thema Geldanlage bereits einer KI-Empfehlung gefolgt.





Sicherheit entscheidet über Akzeptanz
Die Zurückhaltung hat laut Postbank auch mit Sicherheitsfragen zu tun. 60 Prozent der KI-Nutzenden überprüfen Informationen nur selten und vertrauen der Technik. Zugleich trauen sich nur 36 Prozent zu, eine Manipulation durch KI zu erkennen.
Im klassischen Online- und App-Banking nutzen die Deutschen laut Studie bereits viele empfohlene Schutzmechanismen konsequent: 55 Prozent setzen auf die Zwei-Faktor-Authentifizierung, 41 Prozent auf biometrische Verfahren wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Nur 5 Prozent verzichten vollständig auf zusätzliche Sicherheitsfunktionen. Mehr als die Hälfte sorgt sich beim Online- oder App-Banking dennoch um Daten- oder Identitätsdiebstahl.
„Entscheidend ist nicht mehr, ob Kunden digitale Angebote der Bank nutzen, sondern dass sie ihnen vertrauen können. Sicherheit und einfache Bedienung müssen Hand in Hand gehen – egal ob bei der Banking-App oder bei künftigen KI-Anwendungen“, so Dommel.


